Ich bin Hans.
Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten. Das sind Themen wie Gadgets, Smart Home, Elektroautos, Erneuerbare Energien und vieles mehr...
Wer meinen Blog verfolgt, weiss dass ich bei PV-Projekten kaum aufhören kann. Nach dem Carport-Projekt mit Hoymiles Mikrowechselrichtern und diversen Erweiterungen auf dem Hausdach war eigentlich jede Dachfläche bei uns belegt. Aber da gab es noch ein Geländer mit 6.7 Meter Länge und einem zusätzlichen Stück um die Ecke mit 1.80 Meter. Genug Fläche für ein neues Projekt – und nach mehreren Monaten Recherche, einer Testbestellung und viel Tüftelei ist es nun realisiert: 12 PV-Module in einer Sandwich-Konstruktion am Geländer, beidseitig bestückt für Ost- und West-Einstrahlung.
Die grösste Herausforderung bei diesem Projekt war die Ausrichtung. Das Geländer verläuft exakt auf der Nord/Süd-Linie. Das bedeutet: Morgens scheint die Sonne von Osten auf die eine Seite, nachmittags von Westen auf die andere. Eine klassische Südausrichtung war also schlicht nicht möglich zur Ertragsoptimierung im Winter.
Genau deshalb kam die Idee einer doppelseitigen Bestückung: Module auf beiden Seiten des Geländers, quasi als Sandwich. So wird sowohl die Morgen- als auch die Nachmittagssonne genutzt. Das ist enorm netzdienlich, denn die Produktion verteilt sich über den ganzen Tag statt nur in der Mittagsspitze. Bifaziale Module währen die Alternativlösung bei einem neuen Geländer.

Natürlich habe ich zuerst geschaut, was der Markt an fertigen Lösungen bietet. Anbieter wie Solarglas mit integrierten PV-Geländern oder die Schweizer Lösung von 3S sind optisch durchaus ansprechend. Aber die Kosten waren bei allen Varianten sofort im fünfstelligen Bereich, teilweise noch deutlich darüber. Für ein Geländer-Projekt war mir das schlicht zu viel. Also: Selbstbau.
Was mein Projekt zusätzlich begünstigt hat: Seit dem 1. Januar 2026 sind Solaranlagen an Fassaden im Kanton Aargau unter bestimmten Voraussetzungen baubewilligungsfrei. Die revidierte Raumplanungsgesetzgebung (Art. 18a RPG und Art. 32abis RPV) macht es möglich, dass genügend angepasste Fassaden-Solaranlagen in Bau- und Landwirtschaftszonen nur noch ein Meldeverfahren durchlaufen müssen – kein Baugesuch mehr nötig.
Die Bedingungen dafür sind unter anderem: Die Module müssen als zusammenhängende, kompakte rechteckige Fläche angeordnet sein, dürfen nicht über die Fassadenkanten hinausragen, müssen in einem maximalen Abstand von 20 cm parallel zur Fassade montiert sein und reflexionsarm ausgeführt werden. Das passt bei meinem Geländer-Projekt perfekt. Für alle im Aargau, die mit Fassaden- oder Geländer-PV liebäugeln, ist das eine enorme Vereinfachung gegenüber der bisherigen Situation, wo Fassadenanlagen immer baubewilligungspflichtig waren.

Die mit Abstand meiste Zeit floss in die Evaluation der richtigen PV-Module. Über mehrere Monate habe ich abends recherchiert, verglichen und gerechnet. Die Anforderung war klar: Die Module mussten auf 6.7 Meter Geländerlänge sauber aufgehen, in der Höhe zum Geländer passen und optisch von beiden Seiten gut aussehen – schliesslich sieht man bei einer Sandwich-Konstruktion beide Seiten.
Fündig geworden bin ich schlussendlich bei Camper-Modulen von Firefly Energy. Die Module haben Abmessungen von 110 x 89 x 3 cm bei 200 Watt Leistung. Sechs Module nebeneinander gingen perfekt auf die 6.7 Meter Geländerlänge auf und die Höhe passte ebenfalls ideal. Komplett schwarzes Design, monokristalline PERC-Zellen und nur 3 cm dünn – perfekt für eine beidseitige Montage.
Nach einer Testbestellung von zwei Modulen und einem Probeaufbau mit einem Mikrowechselrichter stand der Bauentscheid.

Wie schon beim Carport-Projekt habe ich mit C-Schienen von Novotegra gearbeitet und die Module seitlich geklemmt. Unter den Modulen kamen Abstandhalter zum Einsatz, um etwas Luft zwischen den beiden Modulreihen zu lassen. So entsteht eine Sandwich-Konstruktion mit je 6 Modulen pro Seite – total 12 Module auf dem Hauptgeländer.
Das Ergebnis überzeugt mich optisch auf beiden Seiten: Die Full-Black Module mit den schwarzen Novotegra-Schienen ergeben ein sauberes, einheitliches Bild. Von aussen sieht das Geländer einfach modern und aufgeräumt aus.
Das kurze Geländerstück um die Ecke (1.80 m) habe ich nicht bestückt, dort ist auf Grund von Verschattung eine Installation nicht sinnvoll.

Auch bei der Elektrik bin ich dem bewährten Setup treu geblieben: Drei Hoymiles HMS-800W-2T Mikrowechselrichter versorgen die Module. Jeder HMS-800W hat zwei MPP-Tracker-Eingänge und kann pro Eingang bis 500 Watt verarbeiten, bei einer Nennausgangsleistung von 800 VA.
Wichtig bei diesem Projekt: Ich habe jeweils zwei Module in Serie pro Mikrowechselrichter-Eingang verkabelt. Der Grund dafür ist die Startspannung. Ein einzelnes 200W Camper-Modul liefert bei schwacher Einstrahlung unter Umständen nicht genug Spannung, damit der Wechselrichter überhaupt startet. Durch die Serienschaltung addieren sich die Spannungen beider Module, sodass die Startspannung des Hoymiles deutlich schneller erreicht wird – gerade morgens und abends ein relevanter Vorteil.

Die drei Wechselrichter sind untereinander über die vorkonfektionierten HMS Trunk Connectors (T-Stücke) und HMS Connection Cables verbunden. Am Ende der Kette sitzt ein HMS Sealing Cap als Abschluss und am Anfang der HMS Connector für die AC-Zuleitung. Die AC-Zuleitung mit 3×2.5mm² wurde vom Elektriker konfektioniert und einphasig ausgelegt, da die Maximalleistung von 2.4 kWp problemlos unter der Schweizer Schieflastgrenze von 16A liegt. Die Mikrowechselrichter der der HMS-Serie hat WiFi bereits integriert und braucht keine separate DTU.
Der grosse Vorteil der Mikrowechselrichter bei diesem Projekt: Da die Module auf den beiden Geländerseiten naturgemäss nie gleichzeitig volle Einstrahlung haben, arbeitet jedes Modulpaar unabhängig und wird individuell optimiert. Bei einem String-Wechselrichter würde das schwächste Modul die gesamte Kette runterziehen – bei Ost/West-Ausrichtung wäre das fatal.

Da die Materialliste bei meinem letzten DIY Projekt gelobt wurde, habe ich hier erneut eine saubere Zusammenstellung. Bezüglich Kleinmaterial, kann es sein dass nicht komplett vollständig:

Total habe ich mit diesem Projekt 2 x 6 x 200 Watt = 2’400 Wp (2.4 kWp) zugebaut. Die Ost/West-Ausrichtung sorgt für eine schöne Verteilung der Produktion über den Tag: Morgens produziert die Ostseite, nachmittags die Westseite. Die Mittagsspitze wird gekappt und dafür die Randstunden besser genutzt. Das ist nicht nur gut für den Eigenverbrauch, sondern auch netzdienlich – ein Thema das mit der neuen 70%-Einspeisebegrenzung in der Schweiz zunehmend relevant wird und ich seit neustem auch betroffen bin.

Die Anlage läuft nun seit einigen Wochen und ich kann erste Zahlen liefern. Der bisherige Ertragsrekord liegt bei 5.3 kWh an einem Tag – für 2.4 kWp an einem Geländer mit reiner Ost/West-Ausrichtung finde ich das durchaus respektabel. Die Spitzenleistung erreichte vormittags rund 650 Watt, nachmittags liegt der Peak meistens etwas unter 600 Watt. Das ist plausibel, da die Westseite am Nachmittag etwas stärker durch das Wohnhaus verschattet wird.
Das Schöne an der Ost/West-Konfiguration zeigt sich vor allem im Tagesverlauf: Bereits am frühen Morgen produziert die Ostseite, während die Westseite am späten Nachmittag noch liefert, wenn eine reine Südanlage schon deutlich nachlässt. Die Produktion erstreckt sich so über einen viel längeren Zeitraum als bei klassischer Ausrichtung und passt gut zum Verbrauchsprofil eines Haushalts.
Detaillierte Ertragsdaten über einen längeren Zeitraum werde ich in einem späteren Beitrag nachliefern, sobald ich mehrere Monate Daten gesammelt habe.

Mit diesem Projekt wächst meine gesamte PV-Anlage auf eine DC-Leistung von 27.8 kWp. Das hat bei der Anmeldung der erweiterten Anlage beim Netzbetreiber eine Konsequenz: Es wurde eine Rückspeisebegrenzung auf 70% angeordnet. Konkret bedeutet das, dass ich maximal 18.76 kW ins Netz zurückspeisen darf.
In der Praxis sehe ich das gelassen. Wenn ich meine Anlagendaten im Kundenportal genau anschaue, gehe ich nicht davon aus, dass ich über einen 15-Minuten-Mittelwert diese Grenze überhaupt erreiche. Dafür müssten alle Dachflächen, der Carport und das Geländer gleichzeitig unter Volllast produzieren und der gesamte Haushalt inklusive Wärmepumpe, Speicher und Ladestationen gleichzeitig nichts verbrauchen – ein eher theoretisches Szenario.
Und falls es doch mal dazu käme: Die Rückspeisebegrenzung wird über Solar Manager geregelt. Das HEMS kann die Einspeisung notfalls aktiv begrenzen und überschüssige Energie in die Batteriespeicher (Eco-Modus) oder die Elektroautos lenken. Genau für solche Szenarien ist ein intelligentes Energiemanagement enorm wertvoll.

Das PV-Geländer in Sandwich-Bauweise ist eines meiner liebsten Projekte bisher. Die Kombination aus kompakten Camper-Modulen von Firefly, Novotegra-Schienen und Hoymiles Mikrowechselrichtern ergibt eine kostengünstige und optisch ansprechende Lösung, die deutlich günstiger ist als die fertigen Geländer-PV-Systeme am Markt. Die monatelange Suche nach den passenden Modulen hat sich definitiv gelohnt – 6 Stück auf 6.7 Meter, das ging einfach perfekt auf. Vielen Dank auch bei diesem Projekt an Oppliger Haustechnik, dass ich mich mit Unterkonstruktions- und Kleinmaterial unkompliziert bedienen darf.
Dass Fassaden-PV im Kanton Aargau seit 2026 baubewilligungsfrei möglich ist, macht solche Projekte zusätzlich attraktiv. Und mit nun 27.8 kWp Gesamtleistung auf dem EFH bin ich wohl an einem Punkt angekommen, wo es langsam schwierig wird, noch freie Flächen zu finden. Aber wer mich kennt, weiss: Das hat man schon öfter gedacht.
Für alle die ähnliche Flächen haben – sei es ein Geländer, ein Zaun oder eine Brüstung – können Camper-Module eine spannende Alternative zu den üblichen Balkonkraftwerk-Modulen sein. Die kompakten Abmessungen und das geringe Gewicht machen sie enorm flexibel einsetzbar. Und die Ost/West-Ausrichtung ist kein Nachteil, sondern sorgt für eine netzdienliche Produktionsverteilung über den ganzen Tag.
