VW e-Golf Test

Nachdem ich schon diverse Elektroautos gefahren bin, geht es jetzt mit dem Klassiker schlechthin weiter, dem VW Golf in der reinen Elektroausführung, dem e-Golf 2017. Das ist die zweite Auflage des e-Golf mit einer gesteigerten Reichweite von 300 Kilometern nach dem “neuen Europäischen Fahrzyklus“. Da ich seit jeher nur Volkswagen Autos gekauft habe, wollte ich mir den e-Golf natürlich auch genauer ansehen. Hier mein Verdikt nach einigen hundert Kilometern.

Highlights und Eckdaten des VW e-Golf (2017)

Bevor ich mit dem eigentlichen Bericht anfange, möchte ich noch einige technische Daten auflisten des Testfahrzeugs:

  • Elektromotor 100kW / 136PS mit 1-Gang
  • 35kWh Akku für 300km Reichweite (NEFZ)
  • Active Info Display statt herkömmlichem Tacho
  • Navigationssystem Discover Pro
  • Apple Carplay, Android Auto
  • Automatische Distanzregelung ACC
  • Spurwechselassistent
  • LED- Hauptscheinwerfer mit Kurvenfahrlicht (spez. gestrakter Tagfahrlichtsignatur)
Aussen verraten nur Kleinigkeiten, dass es sich um ein reines Elektrofahrzeug handelt - e-Golf.
Aussen verraten nur Kleinigkeiten, dass es sich um ein reines Elektrofahrzeug handelt – e-Golf.

Warum der VW e-Golf?

Eine Frage auf die gleich hier anfangs eingehen möchte, den viele wissen gar nicht, dass es den VW Golf als reines Elektrofahrzeug gibt. Der Golf GTE, ein Plug-In Hybrid, scheint bekannter zu sein. Was für mich aber ausschlaggebend ist für einen VW e-Golf: Er ist im Gegensatz zu einem Tesla bezahlbar, im Vergleich mit dem Opel Ampera-e auch lieferbar (da hinkt Opel leider immer noch) und er sieht für meinen Geschmack gut aus (was zum Beispiel der BMW i3 nicht kann). Der Golf ist mittlerweile in der siebten Auflage und damit definitiv ein Klassiker, hier einfach mit einem modernen Elektromotor angetrieben.

VW e-Golf im Test
VW e-Golf im Test

e-Golf Modelle

Den VW e-Golf gibt es seit 2014, dort kam die erste Version des elektrifizierten Golf auf den Markt. Diese Version hatte eine Batterie mit 24.2 kWh Kapazität, einen Elektromotor mit 85 kW/115 PS Leistung und einer NEFZ-Reichweite von 190km. Der neue e-Golf, der seit Anfang diesen Jahres erhältlich ist, hat neue eine 35.8kWh Batterie und einen 100kW / 136 PS Motor verbaut und erreicht damit im NEFZ-Zyklus eine Rechweite von 300km.

VW e-Golf Front

Innenraum

Grosses Plus gleich zu Beginn, wenn man sich den e-Golf setzt fühlt man sich sofort daheim und in bekannter Umgebung. Die meisten Elektroautos versuchen mit futuristischen Innenräumen und Armaturen zu punkten, ganz im Gegenteil der Golf. Fast schon konservativ kommt er daher, das grosse 9.2″ Display hebt sich aber doch etwas hervor, sowie der volldigitale Tacho (Active Info Display). Auf dem mittig platzierten Display lässt sich nebst Navi, Median und Smartphone auch einige Einstellungen am Auto vornehmen, darunter befindet sich die Klima-Steuerung ganz gewohnt und intuitiv zu bedienen.

VW e-Golf Innenraum
VW e-Golf Innenraum

Was ich persönlich sehr mag sind schöne Lenkräder mit Steuerelementen. Das hat VW hier sehr schön gelöst, links fokussiert auf Tempomat mit der automatischen Distanzregelung, welche sich noch feinjustieren lässt. Während man sich um Anrufe, das aktive Cockpit-Display und Sprachbefehle kümmern kann. Sprachbefehle funktionieren übrigens erstaunlich gut, sei es für die Bedienung des Smartphones um Anrufe zu tätigen oder für Navigationsziele – bin positiv überrascht.

Das 9.2" grosse Display im e-Golf dominiert etwas den Innenraum
Das 9.2″ grosse Display im e-Golf dominiert etwas den Innenraum

Komfort

Der e-Golf ist wie schon erwähnt ein klassischer VW Golf und dasselbe gilt für die Platzverhältnisse und den Komfort. Da gibt es keine Überraschungen, auch mit knapp 2 Metern Körpergrösse findet man auf den Vordersitzen genügend Platz und guten Halt. Die Sitze sind standardmässig wie in meinem Modell mit Stoff bezogen, können aber auch mit Leder bestellt werden. Wer hinten sitzt findet immer noch reichlich Platz im Verhältnis zur Fahrzeugklasse, auch als Familie mit zwei Kindersitzen und 2 Erwachsenen vorne lässt sich gut rumkurven.

VW e-Golf: Fahrerraum
VW e-Golf: Fahrerraum

Konnektivität

Verbaut ist auch Apple Carplay, beziehungsweise SmartLink wie der Volkswagen-Konzern die übergreifende Applikation nennt. Darin verpackt befinden sich Apple CarPlay, Google Android Auto und MirrorLink. Ich möchte auf Carplay hier nicht nochmals im Detail eingehen, dazu habe ich schon einen ausführlichen Testbericht publiziert, die Funktionalität ist noch dieselbe.

Ich habe in den VW e-Golf eine SIM-Karte verbaut, diese kann in einen definierten Slot im Handschuhfach geschoben werden. Damit ist der e-Golf ständig mit dem Internet verbunden und damit auch mit Volkswagen Car-Net. Genau aus diesem Grund habe ich die SIM-Karte verbaut, denn dank der App habe ich direkt Zugriff auf meinen e-Golf. Ich sehe wo er gerade steht, den aktuellen Ladezustand und Restreichweite, ich kann ihn klimatisieren für die nächste Fahrt oder auch nur die Scheibenheizung einschalten bei Frost. All diese Features finde ich bei einem Elektroauto nochmals wichtiger als bei einem Verbrenner, das abrufen der Fahrdaten und Benachrichtigungen für gewisse Fahrgebiete sind nice to have – gehören für mich aber irgendwie trotzdem bei einem modernen Auto einfach dazu.

Car-Net App ermöglicht direkt Daten und vor allem Ladezustand des e-Golf abzurufen
Car-Net App ermöglicht direkt Daten und vor allem Ladezustand des e-Golf abzurufen

Fahrbericht

Der Schlüssel des e-Golf muss nur in der Hosentasche getragen werden, schon schliesst sich der Golf bei Berührung des Türgriffs selbst auf. Man setzt sich rein und drückt auf den Start-Knopf neben dem Automatik-Wählhebel und der e-Golf läuft. Das merkt man nur dem aktivieren Display an, schliesslich gibt es kein einziges Motorengeräusche, Wählhebel auf D/B und einfach davongleiten. Das Gefühl gegenüber einem Verbrenner ist ein ganz anderes und man gewöhnt sich schnell daran, merkt man spätestens dann, wenn man wieder mit einem herkömmlichen Auto fährt. Zurück aber zum e-Golf, der Automatik-Wählhebel hat zwar noch einen Modus “D”, den man halt so kennt, Fahren sollte man ihn aber definitiv im B-Modus.

VW e-Golf: Startknopf und "Schalthebel"
VW e-Golf: Startknopf und “Schalthebel”

Denn dort wird Rekuperiert und zwar in drei Stufen, welche sich durch drücken nach links und rechts durchschalten lassen. Ich hatte schon die Erfahrungen mit anderen Elektroautos gefahren zu sein, so nutzte ich von Anfang an den maximalen Rekuperationsmodus. Das heisst beim Lupfen des Gaspedals wird sofort Energie in die Batterie rekuperiert, sprich sie wird geladen und der e-Golf verlangsamt die Fahrt. Man muss sich etwas daran gewöhnen, aber genau so gehört ein modernes Auto gefahren. Das Gaspedal fungiert dann eigentlich als reines “Geschwindigkeitspedal”.

Äusserlich weisen nur Kleinigkeiten auf den Elektromotor im Golf-Chassis hin
Äusserlich weisen nur Kleinigkeiten auf den Elektromotor im Golf-Chassis hin

Geschalten werden muss nicht, heisst auch ein klassisches Getriebe und damit Wartungsarbeiten fehlt gänzlich. Dank dem Elektromotor stehen die 290Nm sofort zur Verfügung und der Motor muss nicht in einem idealen Drehzahlbereicht laufen, so kann auch mit dem e-Golf zackig beschleunigt werden. Das gelingt trotz den 1.6 Tonnen Eigengewicht (die Batterien wiegen rund 350kg) sehr gut, dafür stehen 136PS bereit. Immer wieder eindrücklich ist die Beschleunigung zwischen 0 und 60km/h wo man wirklich grosse Unterschiede zu Verbrennern merkt.

Blaue Verzierungen deuten auf Elektromobilität hin.
Blaue Verzierungen deuten auf Elektromobilität hin.

Für die Beschleunigung von 0-100km/h hat der e-Golf gemäss Angaben 9.6 Sekunden, was für den Alltag reicht und bei 150km/h regelt er auch auf der Autobahn ab. Schnelle Überholmanöver sind auf der Autobahn auch nicht mehr ganz so flott möglich, wie bei tieferen Geschwindigkeiten. Der e-Golf zeigt sein Potential aber auch eher im Stadt- und Überlandverkehr. Da hatte ich die besten Verbrauchswerte überhaupt.

VW e-Golf Test

Reichweite & Verbrauch

Ich habe nun rund 700km mit dem e-Golf zurückgelegt und dabei durchschnittlich einen Verbrauch von 16.4kWh/100km erreicht. Rechnet man das auf die Batteriegrösse von 35.8kWh runter, ergibt das rund 218km Reichweite. Das entspricht auch etwa meinem Gefühl der bisherigen Fahrten, wobei ich noch keine Sekunde auf Verbrauchsoptimierung geschaut habe. Ich war jeweils im B-Modus unterwegs und habe auf Stufe 3 rekuperiert, jetzt gäbe es noch drei Fahrstufen: Normal, Eco und Eco+. Dabei werden Leistung, wie auch z.B. Klimafunktionalität gedrosselt um mehr Reichweite zu erreichen, das sieht man auch sofort auf dem Display in der geschätzten Restreichweite. Auf sowas habe ich in diesem ersten Monat bewusst verzichtet, bin im normalen Modus unterwegs gewesen, auch mal zackig beschleunigt und so bin ich mit den knapp 220km Reichweite doch zufrieden. Ich schätze von den aktuellen Erfahrungen her, kann man ohne grosse Komfort-Einbussen die Reichweite auf rund 240-250km erhöhen.

VW e-Golf Kofferraum
VW e-Golf Kofferraum

Laden

Primär habe ich den e-Golf bei mir zu Hause aufgeladen. Anfangs noch über eine herkömmliche 230V Steckdose, das entsprechende Kabel liegt dem e-Golf bei, wie auch ein Typ-2 Ladekabel für entsprechende Ladestationen. Der Ladeanschluss befindet sich hinten rechts, optisch von einem normalen Tankdeckel nicht zu unterscheiden. An der herkömmlichen Steckdose kann der Golf maximal mit 2.3kW laden, das dauert dann rund 17 Stunden wenn er leer war. Ich hatte ihn dann meistens jeden Abend angeschlossen und da er nie leer war reicht das tiptop aus, wenn man nicht täglich 200km fährt.

VW e-Golf an der Keba Wallbox aufladen
VW e-Golf an der Keba Wallbox aufladen

Seit bald zwei Wochen habe ich eine Keba Wallbox installiert, diese lässt sich über mein Loxone System steuern. Damit kann ich den Überschuss aus meiner Photovoltaik-Anlage geregelt in den e-Golf laden, dazu aber mehr in einem späteren Beitrag. Dann kann ich genauer erläutern was ich da vorhabe, was schon läuft und wie man da noch optimieren kann.

Ladekabel im doppelten Boden des e-Golf Kofferraums
Ladekabel im doppelten Boden des e-Golf Kofferraums

Ihr könnt den e-Golf auch über den Lademanager programmieren, zu welchen Zeiten er laden soll. Besonders in der Schweiz mit verschiedenen Stromtarifen macht das Sinn, ich habe die Regelung über die Wallbox und vorher über eine schaltbare Steckdose realisiert.

Maximal kann der e-Golf darüber mit 7.2kW laden, damit ist er in 5.5 Stunden voll. Schneller geht es en DC-Ladestationen mit CCS Anschluss. Eine Schnellladung dort schaft 0-80% in nur 45min, ideal fürs Überbrücken bei langen Fahrten.

VW e-Golf Test

Fazit

Der VW e-Golf macht Spass und zwar nicht zu wenig. Für mich sind die realistischen 220km Reichweite für den Alltag locker ausreichend und wenn es mal weiter ging, hat es bisher auch gereicht. Sollte mal eine längere Fahrt über 220km anstehen, kann man sich mittels der Chargemap App vorbereiten und lädt unterwegs auf. Das klassische Design des e-Golf, kombiniert mit den frechen blauen Design-Elementen lassen ihn trotzdem modern wirken. Das geniale Active Info Display statt einem herkömmlichen Tacho möchte ich nicht mehr missen. Der e-Golf zeigt schon jetzt, Elektromobilität ist verfügbar, bezahlbar und vor allem auch toll zu fahren und schön anzusehen.

Der VW e-Golf startet preislich bei 40’750.- CHF und es gibt ihn nur in einer Ausführung (sonst üblich sind Ausführungsvarianten bei VW) und mit diversen Extras lässt sich der Preis aber nach oben treiben. Wer Interesse hat, sollte sich mal das Angebot zur möglichen Umweltprämie von 7’000.- CHF anschauen.

Transparenz: Der VW e-Golf wird mir zum Test zur Verfügung gestellt.

Hans
Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. Avatar

    Danke für den Artikel, ich setze mich zur Zeit mit dem Kauf eines emobils auseinander und Erfahrungen helfen mir jetzt etwas weiter. Für mich sind 150km Pflicht, vor allem im Winter war ich mir nicht klar. Kannst du da deine Erfahrungen auch mitgeben?

    • Hans

      Hallo Ruedi,
      ich werde bestimmt noch über die Wintererfahrungen schreiben. Jetzt ist es schon einige Zeit sehr kalt, um den Gefrierpunkt, bisher liegt die Reichweite aber noch problemlos bei 190-200km.

  2. Avatar

    Ich bin mir nicht sicher, ob es immer wirtschaftlicher ist, im Rekuperationsmodus zu fahren.
    Rekuperiert man im Modus B, so wird das Fahrzeug relativ stark abgebremst und man muss deutlich früher wieder “Gas geben” als im D-Modus.
    Im D-Modus dagegen werden beim Lupfen des Pedals Motor und Räder entkoppelt, wodurch man in einer Art “Freilauf” deutlich länger rollt, ohne Strom zu verbrauchen.
    Ich versuche, nur dann den Rekuperationsmodus zu nutzen, wenn ich absehen kann, dass ich langsamer Fahren oder Bremsen muss (z.B. vor Ampeln, Kreiseln, bergab…). Ansonsten versuche ich, durch situativ angepasstes “Gaswegnehmen” möglichst viel zu rollen. (Btw.: Passat GTE).

    • Hans

      Hallo Uli,

      spannende These. Ich fahre eigentlich ausschliesslich im B-Modus und muss mal dieselben Strecken im B/D vergleichen. Danke für den Input.

  3. Avatar

    Hallo
    Ich fahre seit mehr als drei Jahre ein Elektroauto mit Reichweitenverlängerer. Das ideale Auto für lange Strecken ohne Reichweitenangst. Unsere Firma wird nun Elektrofahrzeige anschaffen, unter anderem auch den E-Golf. Habe den Golf getestet und bin vom Berner Oberland nach Zürich gefahren, rund 150km bei ca. 2-4 Grad Aussentemperatur. Leider mussten wir dann eine Ladestation aufsuchen, sonst wären wir nicht mehr weit gefahren. Um zurück nach Bern zu kommen, mussten wir noch zweimal nachladen. Für mich enttäuschend. Habe danach den Opel Ampera e und den Hyundai Ioniq getestet, bei etwa gleiche Bedingungen, Reichweiten waren bei beiden Fahrzeugen um einiges besser. Nun werde ich noch den Nissan 2 Zero testen, und mich dann entscheiden welches Fahrzeug ich mir anschaffen werde. Preislich sind ausser der Ampera alle in der gleichen Preisklasse zu haben. Mit meinem Volt habe ich eine gesamte Reichweite von 500-600km Rein Elektrisch fahre ich auf längeren Strecken rund 125km elektrisch. Das heisst von Bern in die Ostschweiz rund die Hälfte der Strecke elektrisch, das mit 10kWh Akkuleistung. Benzinverbrauch für den Generator auf 70000km gemessen im Schnitt 1,5lt/100km.
    Das Auto ist aber rein elektrisch angetrieben. Für Einsteiger in die Elektromobilität ein ideales Fahrzeig.

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