Über den Jahreswechsel hatte ich die Möglichkeit den VW ID. Buzz länger zu testen. Die Idee mit dem Buzz als Familie in die Skiferien zu fahren haben wir durchgezogen, auch wenn der Buzz selbst kaum mit Schnee in Berührung kam. Nichts desto Trotz, war es ein spannender Trip der als Ergänzung zum ersten Test mit dem Buzz in Kopenhagen dient.

Testwagen

Der Testwagen ist ein ID. Buzz Pro Launch mit der schönen Doppellackeriung Candy-Weiss/Limonengelb. Der Buzz wird mit einem Elektromotor an der Hinterachse mit 150kW (204PS) angetrieben. An Mehrausstattungen war unter anderem das “Paket Assistenz Plus”, Design Paket, Premium Interieur Style Plus sowie die anklappbare Anhängevorrichtung verbaut. Preis für den konfigurierten Wagen liegt bei 85’001.- CHF, eine Einordnung dazu folgt später.

Der Buzz steht im Laub, statt im Schnee
Der Buzz steht im Laub, statt im Schnee

Der Buzz als ideales Familienauto?

Das Ladevolumen des Buzz ist für eine vierköpfige Familie mehr als genug. Das merkte man sofort beim Einladen, hier muss man an Gepäck nicht sparen. Es hatte alles im Auto Platz, angefangen bei den Ski, über Koffer gefüllt mit Kleidern, bis hin zu den obligaten Adiletten. Im letzten Winter mit dem ID. 4 war da noch eine Dachbox von Nöten. Im Buzz kann man sich die sparen und falls es im Sommer noch die Bikes braucht, die ausklappbare Anhängerkupplung wäre auch vorhanden.

Ladevolument hat der Buzz definitiv genug.
Ladevolument hat der Buzz definitiv genug.

Praktisch bei der Zuladung ist der Zwischenboden. Dieser lässt sich auch einfach herausschrauben, ich hatte ihn aber gleich dazu verwendet die Ski darunter zu verstauen. Meine langen Ski hatten gerade noch so in der Diagonalen Platz – perfekt. Also alle Ski und Stöcke unten verstaut und darüber das weitere Gepäck.

Die Rückbank lässt sich horizontal schieben, so dass auch mal mehr Gepäck ins Auto passt. Wünschenswert wäre hier, wenn sich die Sitzbank rausnehmen liesse, dafür ist sie aber nicht vorgesehen. Wenn man die Rückenlehnen herunterklappt, gibt es eine flache Ebene mit dem Doppelboden. Das ist ganz praktisch und würde sich natürlich auch anbieten bei wärmeren Temperaturen mit einer Matraze im Buzz zu schlafen. Zumindest zu zweit sicher möglich.

Sitzbank lässt sich horizontal verstellen
Sitzbank lässt sich horizontal verstellen

Gerade im Fahrzeug mit der Familie ist das Platzangebot grossartig. Ich als überdurchschnittlich grosse Person, schätze den Freiraum und die aufrechte Sitzposition enorm. Die Kinder haben auf der Rückbank auch reichlich Platz und das sogar mit sperrigen Kindersitzen. Das die Mittelkonsole zwischen Fahrer- und Beifahrersitz entfern werden kann, gibt noch etwas mehr Freiheit oder Ablage für eine ganze Einkaufstasche.

Verbrauch und Reichweite

Ich habe mich auf diesen Test besonders gefreut, weil die Fahrt im Winter mit viel Autobahnanteil für den Buzz ein Härtetest wird. Bekanntlich sinkt die Reichweite von Elektroautos bei kalten Temperaturen und die Bauform des Buzz dürfte für schnelle Fahrweise nicht förderlich sein.

Die "Bulli-Front" des ID. Buzz
Die “Bulli-Front” des ID. Buzz

Auf der Hinfahrt lag der Durchschnittsverbrauch aus dem Aargau bis nach Landquart bei 25.1 kWh/100km. Der Teil war grösstenteils Autobahn, danach mit der Strecke bis hoch nach Klosters resultierte ein Verbrauch von durchschnittlich 27.4 kWh/100km. Die komplette Reise, auch mit allen Fahrten mit Ausflügen nach Davos oder zum Einkaufen und wieder nach Hause ergab final einen Verbrauch von 25.9 kWh/100km. Dieser Wert wurde über etwas mehr als 500 km ermittelt.

Was sagen uns diese Werte? Wir erreichen mit dem ID. Buzz im Winter gerade noch die 300km Reichweite, was aus meiner Sicht eine wichtige Schwelle darstellt. Mit viel Autobahnanteil sinkt die Reichweite schnell auf 280 km oder tiefer. In der Schweiz dürften 280km auf der Autobahn drin liegen. Wenn die Maximalgeschwindigkeit höher als 120 km/h liegt, sinkt die Reichweite dann drastisch. Ich würde aus meiner Erfahrung Buzz-Fahrern empfehlen alle 200-220km einen Ladestopp einzulegen.

Der ID. Buzz gönnt sich etwas Strom in Klosters
Der ID. Buzz gönnt sich etwas Strom in Klosters

Wie schnell lädt der ID. Buzz?

Die Frage hatte ich mir in Kopenhagen beim grossen Buzz Testevent immer wieder gestellt. Jetzt hatte ich endlich die Möglichkeit dazu, mehr Zeit und ideale Testbedingungen für den Buzz zu finden. Dazu habe ich den ID. Buzz bei der Heimreise bis nach Horgen zu Gofast gefahren, dort stehen Schnelllader von Evtec mit 300 kW Ladeleistung. Mit gerade mal 6% SoC dort angekommen ging es los. Innerhalb von wenigen Sekunden stieg die Ladeleistung rasch auf 180 kW an. Sie steigerte sich gar bis 188 kW bevor die Kurve langsam abflachte.

Ladekurve des ID. Buzz bei einem 300kW Lader von Evtec bei Gofast

In 16.5 Minuten wurde bis auf 54% nachgeladen, total 39 kWh. Das heisst in anderen Worten, der Buzz kann in diesem Bereich im Durchschnitt starke 142kW laden. Vereinfacht gesagt, in einer Viertelstunde sind 150km Reichweite nachgeladen. Das ist sehr stark und macht den Buzz trotz des hohen Verbrauchs damit noch langstreckentauglich.

Der ID. Buzz bei Gofast in Horgen
Der ID. Buzz bei Gofast in Horgen

Beim Vermieter laden…

Ein geniales Erlebnis hatten wir bei der Ankunft an der Ferienwohnung. Ich hatte den Vermieter vorgängig gefragt, ob ich allenfalls ein Elektroauto jeweils über Nacht etwas laden dürfte, Equipment bringe ich mit. Das er gleich eine CEE16 Industriesteckdose provisorisch verlegt, war natürlich nicht die Erwartung, aber genial. So konnte ich mit dem Juice Booster 3 air vor Ort theoretisch mit 11kW laden. Die Ladeleistung habe ich aber etwas zurückgeschraubt. Das Panorama im Hintergrund des Fotos sollte natürlich weiss sein…

Direkt beim Vermieter an einer CEE16-Dose laden
Direkt beim Vermieter an einer CEE16-Dose laden

Den ID. Buzz mit Solarstrom laden

Das einzig gute der zu warmen und sonnigen Tage, war der starke Ertrag der eigenen PV-Anlage. So konnte ich den ID. Buzz noch vor dem Trip aus eigenem PV-Strom beladen. Hier gab es keine Überraschungen, auch im Buzz ist der übliche AC-Lader der MEB-Baureihe des VW-Konzerns verbaut. Sprich 11kW sind maximal möglich und mit einer intelligenten Ansteuerung der Wallbox, kann man schon ab 1.4kW Solarstrom laden.

Mit Solar-Überschuss Laden
Mit Solar-Überschuss Laden

Fazit

Der Buzz überzeugt mich als Familienvater enorm, es besteht auch ein grosser Reiz vom ID. 4 auf den Buzz umzusteigen. Natürlich folgt nun noch ein “aber” und das hat mit dem Preis zu tun. So wie der Buzz hier gefahren wurde, kostet er 85’001.- CHF. Das ist ein ganz schöner Batzen und beisst sich etwas mit der Situation als junger Familienvater. Der Basis Preis der sogenannten “ID. Buzz Pro Launch” Version liegt zwar bei 67’860.- CHF, aber nur schon die Candy-Weiss/Limonengelb met. Lackierung macht fast 3000.- CHF Aufpreis aus, dazu kommen weitere Mehraustattungen.

Vom reinen Gefühl her während der Reise, war der Buzz bisher das komfortabelste und entspannteste Elektroauto, das wir jemals testen durften. Es reist sich damit völlig entspannt und mit sehr viel Platzangebot. Die Bauform schlägt sich natürlich in einem höheren Verbrauch nieder, der gerade bei langen Reisen sicher alle 220km einen Ladestopp erfordert. Die gehen aber dank starker Ladeperformance schnell vorbei.

Wenn der Weg für dich schon das Ziel ist, dann dürfte der ID. Buzz das richtige für dich sein…

Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. Meine Familie fährt einen Touran GP2 von 2014 und der ID. Buzz wäre momentan das einzige E-Nachfolgemodell mit vergleichbarem Stauraum.
    Leider sind die Preise aber astronomisch: Der Einstiegspreis ist fast doppelt so hoch wie der eines aktuellen Touran. Hoffentlich ändert sich das bald!

    • Hallo Philipp,

      spannend, wir “kamen” auch vom Touran GP2 von 2014 und sind jetzt seit bald 2 Jahren mit dem ID. 4 unterwegs. Der Wechsel ging für uns gut, weil Kinderwagen obsolet wurden. Von der passt das. Die Preise für den Buzz sind enorm hoch, wenn man den TCO rechnet sieht es besser aus.

      • Ja, die Einsparungen an Benzin und sonstigem Unterhalt berücksichtige ich beim Vergleich vermutlich nicht genug.
        Der alte Touran ist halt ein echter Pack-Esel, wie der ID. Buzz. Das würde ich schon vermissen.
        In einem ID. 4 hätten wir defintiv Platzprobleme (3 Kinder, ohne Kinderwagen). Vielleicht ginge der Skoda Enyaq iV noch knapp…

  2. Ich lebe mit einem 2011er Sharan und sehe den Buzz zwar als netten Versuch von VW – aber Laderaum geht anders…
    Hätte ich ausreichend Geld und Motivation mir das Auto anzuschaffen, so würde mir noch immer Stauraum fehlen – aber das war bei so viel “pseudo retro chic” leider nicht drinnen…

    Dahingehen hoffe ich, dass mein Diesel noch lange hält – die Ökobilanz bei einer Laufleistung von bislang 350’km kann ja nicht schlechter werden

  3. Merci vielmal, interessanter Artikel!

    Ich fänd es spannend, wie Ihr Euch als Familie bei so einem Urlaub mit dem Sion schlagen würdet. Vielleicht gibt es ja demnächst Möglichkeit die Vorserie zu testen oder nächstes Jahr die Serie. Falls Sono Motors es soweit schafft…

  4. Danke für den tollen Einblick.
    Wir sind seit einem Jahr stolze Besitzer eines Opel Zafira E-Life. Das Auto macht ebenfalls viel Spass und bietet nochmals mehr Platz für Personen und Gepäck. Sieht leider nicht ganz so fancy aus wie der Buzz. 😉 Der Verbrauch ist halt relativ hoch wenn man mit einer “Wand” auf der Autobahn unterwegs ist.
    Es gibt einige Fahrzeughersteller die es ebenfalls richtig machen und sich weiterentwickeln aber nicht so eine breite Werbekampagne forcieren.

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