Der Juice Booster 2 dürfte so ziemlich jedem Emobilisten ein Begriff sein, so hat er die letzten Jahre Elektromobilität mit geprägt. Er war schon quasi das Synonym für den Begriff “mobile Ladestation” und mittlerweile hat sich der Markt an Ladelösungen stark weiterentwickelt. Im Herbst hat Juice Technology mit Sitz in der Schweiz, nun die neuste Version namens “Juice Booster 3 Air” präsentiert. Mittlerweile ist er im Handel und schon einige Tage bei mir im Test.

Juice Booster 3 Air im Einsatz
Juice Booster 3 Air im Einsatz

Was bietet der Juice Booster 3 Air?

Juice Technology preist den Juice Booster 3 Air, den ich hier manchmal einfach verkürzt JB3A nenne, als Upgrade an und der Juice Booster 2 bleibt im Markt. Während die zweite Version als „3 in 1“-Lösung (mobiles Laden, Laden zu Hause und der Einsatz als Typ-2-Kabel) angepriesen wurde, redet man beim 3er nun von einer „7 in 1“-Lösung. Zu den 3 bisherigen Funktionen kommt j+ zum Zug mit Freischaltung mit Authentifizierung, Überwachung und Steuerung der Ladevorgänge sowie das integrierte dynamische Lastmanagement smartJUICE für bis zu zehn Einheiten.:

Juice Booster 3 Air im Test
Juice Booster 3 Air im Test
  • Massiv kleiner als der Juice Booster 2 (nur 28 cm Länge statt deren 48,4)
  • Konnektivität on Board: Bluetooth und WiFi
  • Kompatibel zur App “j+ pilot”
  • 11kW maximale Ladeleistung
  • kompatibel zu bisherigen Adaptern (ausser Typ 2)*

*Es gibt einen extra für den JB3air entwickelten Typ 2 – lediglich der Typ-2-Adapter des JB2 funktioniert nicht mit dem JB3air.

Juice Booster 3 Air mit j+ Pilot verbinden

Natürlich liegt das Augenmerk beim Juice Booster 3 Air auf dessen Konnektivität. Der JB3air lässt sich nämlich mit der hauseigenen App j+ Pilot koppeln. Den Ablauf habe ich natürlich beim Einrichten festgehalten:

  • In der j+ Pilot App wählt man “Gerät hinzufügen”
  • Scan der Owners Karte, welche dem JB3air beiliegt
  • Die App erkennt den Juice Booster 3 air per Bluetooth
  • Auswahl des heimischen WLANs und mit Passwort Eingabe verbinden

Das war es auch schon, der Juice Booster 3 Air ist damit schon online und mit der App verbunden. Ganz wichtig, der JB3A verbindet sich über die Cloud von Juice, so ist er auch von unterwegs im heimischen WLAN erreichbar.

J+ App und Juice Booster 3 koppeln
J+ pilot und Juice Booster 3 air koppeln

Juice Booster Adapter – Kompatibilität

Mein Juice Booster 3 Air in der Basis-Variante kommt mit einem Haushaltstecker (T13) und CEE16-Adapter, das ist der rote Industrieladestecker den die meisten kennen dürften. Davon gibt es zwei Varianten, die CEE16 Variante ist perfekt und reicht für 11kW Ladeleistung. Die noch grössere CEE32 kann aus dem JB2 das Maximum mit 22kW herausholen. Ich habe vom Juice Booster 2 noch zahlreiche Adapter seit Jahren und die sind mit dem Juice Booster 3 Air auch kompatibel. So kann ich die Adapter für Haushaltssteckdosen in Italien, Deutschland, Schweiz oder auch die blauen CEE-Stecker (Camping-Buchsen) problemlos weiterverwenden. Das ist natürlich genial und praktisch, einzig der Typ 2 Stecker ist die Ausnahme. Der funktioniert nicht am Juice Booster 3 Air, Juice hat mir das auch so bestätigt. Hier gibt es einen extra für den JB3air entwickelten Typ 2 Stecker, das sollte man beachten.

Adapter des Juice Booster 2, passen auch auf den JB3A
Adapter des Juice Booster 2, passen auch auf den JB3A

Nur 11kW, warum?

Die Reaktion kam mehrmals auf meinen Tweet zum Juice Booster 3 Air als Rückmeldung. Eine Reaktion die ich eigentlich völlig entschärfen kann, denn wie auch schon bei meiner Empfehlung für Typ 2 Ladekabel schon geschrieben: Die aller wenigsten Autos können überhaupt mehr als 11kW Laden. Auf dem Markt sind das eigentlich nur alte Model S von Tesla, Smart und vor allem Renault Modelle. Die üblichen Verdächtigen die sich in den oberen Rängen der Verkaufszahlen von Elektroautos befinden, haben fast unisono den typischen 11kW On-Board-Charger verbaut und damit bringt ein 22kW Ladegerät kaum Vorteile.

Grössenvergleich von verschiedenen Ladern, der Juice Booster 3 (zweiter von rechts) ist am kompaktesten
Grössenvergleich von verschiedenen Ladern, der Juice Booster 3 (zweiter von rechts) ist am kompaktesten

Beim Juice Booster der als mobile Variante eher Vorteile durch kompakte Bauform, geringes Gewicht und vor allem auch durch ein deutlich dünneres und flexibleres Kabel gewinnt, bin ich ein Fan des Entscheids auf 11kW zu setzen.

Das kompaktere Design schlägt sich dann natürlich auch in der Verpackung nieder, beziehungsweise im eigenen Koffer den Juice mit dem Booster zusammen mitliefert. Dieser wird auch deutlich kompakter, wie man auf dem Vergleichsfoto gut erkennen kann.

Auch der Juice Koffer wird damit deutlich kleiner, vorne JB3A, hinten JB2
Auch der Juice Koffer wird damit deutlich kleiner, vorne JB3A, hinten JB2

Juice Booster 3 Air im Einsatz

Grundsätzlich ist der Juice Booster 3 Air genau so zu nutzen, wie der Vorgänger JB2. Der grosse Unterschied liegt definitiv im kleineren Packmass und dem deutlich geringeren Gewicht. Das durch die 11kW-Ladeleistung auch Kabelquerschnitte deutlich reduziert werden konnten, kommt auch dem Handling zu Gute. Der Juice Booster 3 Air fühlt sich entsprechend leichtgängiger an.

Juice Booster 3 Air am Laden
Juice Booster 3 Air am Laden

Neu ist auch dei Anzeige am Booster 3 Air, es sind deutlich mehr Infos auf einen Blick zu erkennen. Oben links sieht mein beispielsweise an Hand von 3 Strichen, wie viele Phasen für die Ladung des Fahrzeugs zur Verfügung stehen und darüber wie gewohnt der einstellbare Ladestrom. Dieser ist natürlich wie bisher schon durch den verwendeten Adapter limitiert. Oben rechts gibt es Infos zur Verbindung des JB3A, sprich Konnektivität und im unteren Bereich sieht man die möglichen Fehlermeldungen. Der Booster 3 erkennt mehr als zehn verschiedene Arten von Fehlern, die direkt angezeigt werden. Das heisst der Booster 3 Air kann nach wie vor manuell bedient werden.

Juice Booster 3 per App steuern
Juice Booster 3 per App steuern

Neu ist aber die Verbindung zur App j+ Pilot, wie oben schon erwähnt. Nach der Einrichtung und wenn der Booster 3 am Strom angeschlossen ist, steht die Verbindung. Wird ein Auto angeschlossen, kann ich nun dessen Ladung komplett über die App regeln. Ich kann den Ladestrom also bequem vom Sofa aus verstellen. Einzig die Ladung zu pausieren (Strom = 0) oder stoppen, geht aktuell nicht. Das soll auch per Update noch nachgeliefert werden und wäre in meinem Verständnis eine tolle Ergänzung.

Schön ist die Überwachung aller drei Phasen und die aktuelle Energiemenge der aktiven Ladung. Diese werden auch in einer Historie gespeichert und sind so auch später nachverfolgbar.

Juice Booster 3 Air lädt den Renault Megane E-Tech
Juice Booster 3 Air lädt den Renault Megane E-Tech

Zugriffskontrolle über RFID

Der Juice Booster 3 Air bietet auch ein sogenanntes Accessmanagement an, das wird mit dem integrierten RFID-Leser gelöst und zwei frei nutzbare Karten werden bereits mitgliefert. Ganz spannend dabei und so von mir bisher noch nie gesehen: Der RFID Leser befindet sich im fahrzeugseitigen Typ-2-Stecker. Dazu kann rinfach die Ladekarte oder einen RFID-Tag hingehalten werden, um den Ladevorgang freizugeben. Cool gelöst und sehr einfach dazu, dabei erstaunt mich die sowieso schon schlanke Bauform des Steckers über die Zusatzfunktion.

RFID Leser direkt am Typ 2 Ladestecker
RFID Leser direkt am Typ 2 Ladestecker

Was mir besonders gefällt

  • Deutlich leichter und kompakter als der Vorgänger und damit einfachere Handhabung
  • Konnektivität: Bietet mehr Möglichkeiten durch die App und externe Steuerungen
  • Update-fähig: Durch die Konnektivität scheint der JB3A mittels Updates auch zukünftig mit neuen Features erweiterbar zu sein
  • Rückwärtskompatibilität zu bisherigen Adaptern (ausser einem)

Was ich verbesserungswürdig finde

  • Ladung pausieren oder stoppen über die App wäre wünschenswert
  • Hoffe auf ein API oder andere externe Zugriffsmöglichkeit, beispielsweise für eine Solar-Integration
Wie bei Youtubern obligatorisch, ein Juice Koffer im Kofferraum ;-)
Wie bei Youtubern obligatorisch, ein Juice Koffer im Kofferraum 😉

Fazit

Der Juice Booster 3 Air bringt mit der Konnektivität und dem deutlichen kompaktere Aufbau zwei Dinge mit, die ich absolut mag. Das der Juice Booster 3 Air mit 11 kW Leistung kein Ersatz für den JB2 mit 22 kW ist, sollte sich im Bericht nun auch geklärt haben. Das 22-kW-Gerät bleibt auch weiterhin verfügbar und ist günstiger. Die Konnektivität und Kompaktheit haben ihren Preis, der JB3A kostet nun deutlich mehr als sein “Vorgänger”, als Kunde habe ich aber die Wahl, was für mich die bessere Lösung ist. Als reine Notladelösung im Kofferraum, tut es der JB2 weiterhin gut. Wer öfter daheim auch lädt und die Kontrolle über Lademengen haben möchte, sollte sich den Juice Booster 3 Air genauer anschauen.

Den Juice Booster 3 Air im Swiss Basic Set gibt es für 1499.- CHF. Wer gleich einige Adapter dabei haben will, kann zum Traveller Plus Set für 1799.- CHF greifen oder dann gleich zum ultimativen Master Traveller Set für stolze 2249.- CHF.

Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. Wer braucht das heute noch, vor allem zu diesem Preis?
    Fast alle Fahrzeuge haben ein Ladegerät dabei und falls nicht ist es auch egal. Es hat überall in Europa AC/DC Ladestationen.
    Irgendwie ein Überbleibsel aus einer alten Zeit.
    Sonst gibt es deutlich günstigere alternativen.

  2. urs schuppisser Reply

    Als Spielkind mit faible für technische Spielereien begeistert mich das Ding spontan.
    Der Preis regt dann allerdings doch den Denkvorgang an und das führt im Ergebnis zur Erkenntnis, dass der Zusatznutzen gegenüber dem von mir verwendeten “Ladeziegel” vernachlässigbar gering ist, zumal ich ja jetzt schon bereits online den Ladestronm einstellen kann. Ein wirklicher Mehrwert würde nur noch vorliegen, wenn sich das Ding über eine API-Schnittstelle o.ä. so ansteuern lassen würde, dass die Verwertung des Solarüberschusses einfach machbar wäre. Dafür würde sogar genügen, wenn z.B. die Daten eines Shelly 3EM sich nutzen lassen würden. Dies und ein günstigerer Preis könnten mich dann allenfalls überzeugen.

  3. Vielen Dank.
    Wie genau funktioniert das “integrierte dynamische Lastmanagement smartJUICE” ? Ich finde nirgends ein Erklärung dazu.
    – Was kann es genau bzw wie ist es zu konfigurieren ?
    – Kann z. bsp. bei Verwendung von zwei ‘air 3’ die Maximal mögliche Ampere Anzahl angegeben werden ? Wie ist es beim mixen von drei-phasigen Autos ( bsp. Eines lädt mit max 11kW ) und zwei-phasigen Autos ( bsp. Mercedes 250A max 7,4 kW)
    – Merkt die Software , wenn Erste Ladung beendet ist und erhöht die Leistung beim Zweiten Charger ?
    etc.

    Vielen Dank.
    Freundliche Grüsse.

  4. Pingback: Mit dem VW ID. Buzz in die Skiferien: Verbrauch, Reichweite und Ladeverhalten

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