Aktuell in den Sommerferien ist das Thema wieder erneut da, kann man überhaupt mit der Familie Urlaub mit dem Elektroauto machen. In einem Beitrag vor ein paar Wochen, habe ich dazu ein paar Tipps & Tricks niedergeschrieben. Damals habe ich noch versprochen von meinen Erfahrungen nach fast 4 Wochen unterwegs mit dem ID.4 zu berichten.

Familienurlaub mit viel Gepäck im VW ID.4
Familienurlaub mit viel Gepäck im VW ID.4

Platzverhältnisse für eine vierköpfige Familie

Ich empfand es bisher als schwierig ein Elektroauto für eine vierköpfige Familie mit gewissen Platzbedürfnissen zu finden, das einigen Ansprüchen genügt. Meine Auslegeordnung hatte ich im September 2020 gemacht, im Juni jetzt war es soweit die Konstellation mit VW ID.4 und meiner Familie zu testen. Den wie viele andere Familien kommen wir von einem VW Touran her, in diesem Grössensegment gibt es zahlreiche vergleichbare Modelle auf dem “Verbrenner”-Markt. Elektrisch gibt es wenige Alternativen die auch preislich eher bei 50’000CHF als 100’000CHF angesiedelt sind. Entsprechend kommt hier der VW ID.4 zum Zug, den es mit der grossen 77kWh Batterie für über 400km-Reichweite ab 49’000 CHF zu kaufen gibt. Im Fahrgastraum hat es durch den MEB-Aufbau deutlich mehr Luft und Platz für alle, im Kofferraum ist es etwas enger als in einem Touran. Passte aber problemlos für das Gepäck trotz langem Urlaub und in Kombination mit der Dachbox sowieso kein Problem.

VW ID.4 in den Schweizer Bergen

Dachträger & Dachbox

Für den ID.4 gibt es von Volkswagen eigene Dachträger, von VW werden sie “Tragstäbe” genannt. Ich habe diese Träger für die Montage der Dachbox genutzt, die Volkswagen Teilenummer wäre “11A-071-151” für interessierte Leser und gibt es beim lokalen VW-Partner. Bisher hatte ich für mein Familienauto noch einfache Thule Dachträger, die sind kein Vergleich. Gerade der praktische Schnellverschluss lässt die VW-Träger innerhalb von wenigen Minuten montieren und mit Spezialschlüssel verriegeln.

Schnellverschluss-System der ID.4 Dachträger
Schnellverschluss-System der ID.4 Dachträger

Bei der Dachbox handelt es sich um eine originale von Volkswagen Zubehör mit 340 Liter Fassungsvermögen. Dabei hat man hier auf ein flaches, aerodynamisches Design geachtet, um störende Windgeräusche während der Fahrt weitestgehend einschränken zu können. Montiert ist sie ganz schnell dank dank Schnellverschlüssen einem Einrastmechanismus in den VW-Trägern. Am Meisten habe ich aber die Möglichkeit geschätzt, die Box von beiden Seiten be- und entladen zu können.

Mit dem VW ID.4 und viel Gepäck auf dem San Bernardino
Mit dem VW ID.4 und viel Gepäck auf dem San Bernardino

Fahrradträger und Elektroauto

Auch die Velos durften für die längeren Ferien nicht fehlen und dafür habe ich seit bald einem Jahrzehnt schon einen Thule Euroclassic 929 Fahrradträger. Mittlerweile gibt es Nachfolgermodelle auf dem Markt, die wichtigsten Funktionen sind natürlich der Abklappmechanismus sowie das einfache und schnelle Befestigen von bis zu 3 Bikes. Der Träger lässt sich auf der ausklappbaren Anhängerkupplung des VW ID.4 innert wenigen Minuten montieren, einfacher geht es nicht. Wenn ich länger an einem Ort bleibe in den Ferien, demontiere ich den Träger jeweils. Ganz wichtig übrigens, die Nummer solltet ihr bei montiertem Träger auch dort sichtbar befestigen.

Thule Fahrradträger, perfekt für den ID.4
Thule Fahrradträger, perfekt für den ID.4

Verbrauch VW ID.4 mit Dachbox und Veloträger

Die grosse Unbekannte vor meiner Reise war für mich vor allem der Verbrauch des Volkswagen ID.4 in Zusammenspiel mit Dachbox und Fahrradträger. Ich hatte vorher schon einen Anhänger gezogen, aber nie die Dachbox genutzt und auch den Träger nicht. Entsprechend kamen beide Dinge aufs Mal dazu. Für die ganzen Ferien legte ich total knapp 950km zurück und ein durchschnittlicher Verbrauch von nur 19.5kWh/100km waren das Resultat. Das ist beachtlich und ich hätte einen Werte über 20kWh erwartet. Da es mich auch genauer interessierte habe ich Verbrauchsmessungen auf der Autoabahn gemacht. Dort fällt wegen der Aerodynamik die Zusatzladung besonders ins Gewicht:

  • Verbrauch bei 100km/h: 15.9kWh/100km
  • Verbrauch bei 110km/h: 17.9kWh/100km
  • Verbrauch bei 120km/h: 24.6kWh/100km

Die Werte wurden über mindestens 5km möglichst flach ermittelt. Der enorme Verbrauch bei 120km/h ist etwas ein grosser Sprung – würde aber beweisen, dass besonders bei Tempo 120km/h aufwärts der schlechtere cw-Wert einen grossen Einfluss hat.

kurzer Ladestopp während der Verpflegungspause
kurzer Ladestopp während der Verpflegungspause

Reichweite

Für jene die den obigen Abschnitt als etwas zu technisch empfinden, münze ich den Verbrauch gerne auf Reichweite um. Mit dem Verbrauch den ich für die ganze Reise über 950km hatte wären zweimal Laden an einem Schnelllader nötig gewesen. Die praktische Reichweite lag trotz Dachbox und Fahrradträger bei 395km und das ist ganz ordentlich. Ich werde mit dem ID.4 im Winter dann auch ermitteln wie es dort aussieht. Die Reichweite-Bedürfnisse sind dann aber meistens auch etwas tiefer.

Der VW ID.4 in Arosa
Der VW ID.4 in Arosa

Fazit: So reist es sich mit der Familie und dem Elektroauto

Gerade beim Reisen mit Kindern hat sich herausgestellt, dass die Bedürfnisse der Kinder und auch der Erwachsenen deutlich häufiger nach kurzen Stopps verlangen als jene des Elektroautos. Gerade mit der praktischen Reichweite von rund 400km kann man bequem kurze Pinkel- oder Verpflegungspausen dazu nutzen, den Akku zu laden. Was aber noch viel wichtiger ist, im Fahrgastraum ist es einfach geräumiger und deutlich Leiser als im Verbrenner. Passfahrten über den San Bernardino oder auch nach Arosa machen jetzt plötzlich auch mit dem Familienauto richtig Spass. Für mich ist eines klar, mit dem Elektroauto lässt es sich entspannter reisen und die Ferien beginnen irgendwie schon bei der Abfahrt und nicht erst bei der Ankunft…

Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. Was war der ausschlaggebende Grund für den ID4 statt des Enyak?
    BTW: Schöner Test und der Wagen ist neben dem Enyak aktuell der einzige der für mich als Familienwagen in Frage kommt.

  2. Toller Bericht! Habe die gleiche Ausgangslage mit 2 Kindern und Velos und gibt mir ein gutes Gefühl dass das nächste ein Elektro ist(fahre Q7 Diesel). Der id4 mit den großen Felgen sieht auch super aus! Wie geringer wäre grob der Verbrauch bei kleineren Rädern?

  3. Der Luftwiderstand wächst exponentiell zur Geschwindigkeit und ergibt sich aus der Kombination von cw-Wert und Frontfläche. Somit ist ein überproportional hoher Verbrauch bei höheren Geschwindigkeiten ganz normal. Fällt beim E-Auto in der Verbrauchsanzeige schneller auf, ist beim Verbrenner aber genauso.

  4. Danke für den Bericht. Die Verbrauchswerte über die verschiedenen Geschwindigkeiten zeigt sehr gut, dass beim BEV vor allem die Aerodynamik und nicht das Gewicht das Hauptkriterium ist. Ich fahre oft auf der Autobahn mit 110km/h, weil sich auf längeren Strecken ökologisch und ökonomisch viel mehr Sinn macht. Der Zeitverlust ist vernachlässigbar.

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