VW e-Golf im Schweizer Winter

Mittlerweile ist es seit einigen Wochen wieder richtig warm und der Winter definitiv vorbei. Das ist der ideale Zeitpunkt für mich um mit der kalten Jahreszeit auch mit einem Erfahrungsbericht zur Elektromobilität im Winter abzuschliessen. Schliesslich hatte ich mir vorgenommen, ausführlich über meine Erfahrungen mit dem VW e-Golf zu berichten.

Elektromobilität im Winter – was gibt es zu beachten?

Reichweiten von Elektroautos werden unter Normbedingungen ermittelt, dazu gibt es noch verschiedene Standards zur Ermittlung. Das alles klingt oft etwas verwirrend, beim VW e-Golf ist die Reichweite gemäss WLTP auf 200km angegeben. Ich hatte zu Beginn mit dem e-Golf einen Verbrauch von 16.4kWh/100km was einer Reichweite von knapp 220km entspricht. Das war im September 2017 und mittlerweile bin ich etwas erfahrener und brauche eigentlich weniger, nur gilt das nicht für den Winter. Die Batterien leiden etwas mehr unter den tiefen Temperaturen, man heizt den Fahrraum auf, braucht eventuell noch die Sitzheitzung. Dann sinkt die Reichweite, wie sich das bei mir auswirkt und wie man etwas optimieren kann, zeige ich euch gerne.

Passfahrt mit dem VW e-Golf im Winter
Passfahrt mit dem VW e-Golf im Winter

Reichweitenvergleich: Sommer / Winter

Wie gesagt hatte ich letzten Herbst noch einen Verbrauch von 16.4kWh/100km, diesen Frühling ging es sogar runter bis 14.5kWh/100km. Bei mir hat sich aber auch vieles bei der täglichen Strecke geändert, aber man sieht auch, dass mehr Erfahrungswerte natürlich auch helfen. Man lernt Bewusster und Energieeffizienter zu fahren mit einem Elektroauto. Im Winter, vor allem bei wirklich tiefen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, stieg der Verbrauch an. Im Schnitt hatte ich rund 18.5kWh/100km, was rund 190km Reichweite ergibt. Bei den erwähnten, ganz tiefen Temperaturen waren es auch mal nur 170-180km Reichweite, das waren dann aber die Extremfälle. Man sieht also, die Reichweite schwankt bei extremen Temperaturen stark, der angegebene Normwert des WLTP Testverfahrens von 200km kann aber gut als Basis genutzt werden. Im Winter rund 10% Marge einplanen und vom Frühling bis in den Herbst kann man den Wert locker überbieten.

Erfahrungswerte von anderen

Ich tausche mich auch aktiv in FB-Gruppen, hier auf dem Blog oder auf Twitter über Elektromobilität aus. So holte ich mir auch noch etwas Feedback von Laura und Peter, welche einen VW e-Golf von 2015 haben, also mit der kleineren 24.2kWh Batterie (170km vs 300km Reichweite). Vor allem ging es mir darum, mal zu lesen, was bei einer leeren Batterien passiert:

Wir waren jetzt einige Tage bei Freunden im Schwarzwald. Wir sind gefahren von Stendal nach Ebhausen, das ist eine Strecke von etwa 620 km und wir haben jeweils 6 mal geladen. Bei der Reise haben wir wieder einmal gemerkt, dass die Reichweite im Winter allgemein schneller abnimmt und wir auf der Autobahn ca. 100km und auf Landstraße ca 120-130 km schaffen. Zudem geht es auf dieser Strecke öfter mal sehr stark bergauf, was sich zusätzlich bemerkbar macht.
Leergefahren haben wir unseren E-Golf schon öfter (so dass wir mit 0% Reichweite an der Säule ankamen). Richtig liegen geblieben sind wir genau 3 mal (2mal im Winter). Das letzte Mal erst vor ein paar Tagen, allerdings hier in Stendal, nicht während unserer Reise! Wir hatten noch eine Restreichweite von 8km und dachten, wir können damit noch zum Einkaufen fahren (ca. 1,5 km entfernt) und hatten auf dem Parkplatz auch noch 7km auf der Anzeige. Als wir vom einkaufen kamen und einstiegen, ging die Anzeige runter auf Null. Wir konnten noch ein Stück fahren und sind in eine Nebenstraße eingebogen, wo wir dann stehen blieben.
Wir hatten schon ein anderes Mal die Erfahrung gemacht, als uns ein Bekannter abgeschleppt hatte, dass man währenddessen die Rekuperation einschalten kann und dabei der Golf wieder auflädt. Also hat uns Peters Bruder abgeschleppt und ca. 2km gezogen (wir sind extra eine wenig befahrene Straße im Industriegebiet langgefahren). Danach hatten wir wieder eine Reichweite von 5km, sodass wir bis zur nächstgelegenen Ladesäule fahren konnten.

VW e-Golf
Meine Tipps

Ein Tipp gilt es vor dem Kauf zu beachten, nämliche die oft optional erhältliche Wärmepumpe zur Heizung des Innenraums. Beim VW e-Golf ist diese als Option erhältlich und kostet aktuell 990.- CHF Aufpreis, eine durchaus lohnende Investition.  “Die Wärmepumpe nutzt sowohl die Wärme aus der Umgebungsluft als auch die Abwärme der Antriebskomponenten. Somit wird die elektrische Leistungsaufnahme des Hochvoltheizers deutlich reduziert.” Gemäss VW ist die Einsparung gegenüber dem konventionellen Heizungssystem bis zu 30 Prozent.

Wenn möglich den e-Golf in einer Garage parken, dann muss nicht stark geheizt werden. Auch hilft es einfach mal schnell die Sitzheizung aufwärmen zu lassen, danach wieder ausschalten und die Wärme ist damit schon etwas gegeben. Mit Jacke oder dickem Pullover fahren hilft auch.

In meinen Augen am hilfreichsten ist aber die Anzeige des aktuellen Verbrauchs im Active Info Display. Die Option solltet ihr suchen und einblenden, dann im Stand mal den aktuellen Verbrauch anschauen. Da sieht man sehr schnell was Heizung, Klima, Sitzheizung und andere Verbraucher ausmachen.

VW e-Golf im Winter

Fazit

Elektromobilität im Winter ist für mich genau so angenehm wie im Frühling, Sommer oder Herbst. Ich bin von der täglichen Fahrdistanz weit weg von der kritischen Reichweite und daher gibt es im Alltag keine Probleme. Bei längeren Fahrten, wie auch beim Trip nach Genf, muss man auf Erfahrungen setzen und die Anzeige beachten. In empfinde die Anzeige der Restreichweite als eher pessimistisch gerechnet, das gibt noch etwas Spielraum, zudem fahre ich meistens in keinem der Eco-Modi. So kann ich auch mal in den Eco-Modus umschalten und habe noch etwas mehr Reserve zur Verfügung.

Wer sich ein Elektroauto zulegen möchte, dem empfehle ich die angegebene WLTP Reichweite zu beachten, der Wert ist ziemlich realitätsnah wie ich feststellen konnte. Rechnet man davon noch rund 10% für die ganz kalten Tage ab, hat man einen sehr guten Wert für die Reichweite, welche ihr eigentlich immer erreichen könnt.

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Elektroauto im Winter? Welche Verbrauchswerte habt ihr im Sommer / Winter?

Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. Konrad Kaiser Reply

    Ich besitze einen BMW i3 und habe fast idente Werte. Also wird bei den e-Autos nicht so gelogen wie bei den Diesel. Schön zu hören und weiterhin schöne Fahrt.

    • Hallo Konrad, ja sehe ich auch so. Mit dem WLTP Verfahren hat man die realistischen Use-Cases wirklich gut abgedeckt.

  2. tomoppligercom Reply

    Uns ist mal etwas “lustiges” passiert:
    Einer unserer Monteure ist täglich mit dem nissan e-nv200 im Einsatz.
    Einmal hat er auf der Baustelle dicht an einer Mauer parkiert und stieg somit auf der Beifahrerseite aus.
    Nach einigen Stunden wollte der Monteur wieder abfahren, jedoch gab das Auto keine Reaktion von sich.
    Der Garagist hat dann das Auto in die Garage abgeschleppt.
    Fazit: Durch das aussteigen auf der Beifahrerseite löschte das Schweinwerferlicht nicht automatisch und entlud die 12Volt Bord-Batterie. Die Hochvoltbatterie war noch voll!!!

    • Das ist wirklich eine witzige Anekdote, müsste ich jetzt auch mal probieren? 🙂

  3. Hallo Hans
    Danke für deine praxisnahen Berichte, welche ich immer sehr gerne lese. Ich will nicht besserwisserisch sein, möchte nur auf einen Nebenschauplatz hinweisen, welcher vielleicht für andere Leser auch interessant sein könnte. Du hast geschrieben, man könne mit Jacke oder dickem Pullover fahren um Heizenergie zu sparen. Das sollte man besser nicht tun. Eine dicke Jacke verhindert, dass der Sicherheitsgurt eng am Körper liegt. Bei einer Kollision reichen bereits diese wenigen Zentimeter “Luft” zwischen Gurte und Körper, damit es dich derart in die Gurte hineindonnert, dass deine Knochen brechen.
    Gruss, Christoph

    • Hallo Christoph,

      danke für den Hinweis, davon habe ich auch schon gehört und da hast du natürlich absolut recht. Danke dir für den Hinweis.

      Gruss Hans

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