Ich bin Hans.
Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten. Das sind Themen wie Gadgets, Smart Home, Elektroautos, Erneuerbare Energien und vieles mehr...
Nach diversen Kaffeevollautomaten haben wir uns vor mehr als einem Jahr für eine Jura E8 Dark Inox entschieden und sind seither sehr zufrieden damit. Die Kaffeequalität ist hervorragend, die Bedienung intuitiv und die Maschine läuft im Alltag absolut zuverlässig. Als jemand, der daheim so ziemlich alles vernetzt und optimiert – von der Wärmepumpe über Solar Manager bis zum Smart Lock – wollte ich natürlich auch den Kaffeevollautomaten etwas smarter machen. Also habe ich mir vor gut einem Jahr den Jura WiFi Connect zugelegt. Ob sich die Investition gelohnt hat? Ehrlich gesagt: nein.
Der WiFi Connect ist ein kleiner Dongle, den man in die Service-Buchse des Jura Vollautomaten einsteckt. Damit wird die Kaffeemaschine ins Heim-WLAN eingebunden und lässt sich über die J.O.E. App (JURA Operating Experience) auf dem Smartphone oder Tablet steuern. Die Alternative wäre der Smart Connect, der über Bluetooth arbeitet, aber eben nur in unmittelbarer Nähe zur Maschine funktioniert. Der WiFi Connect verspricht mehr Reichweite – man soll den Kaffee theoretisch von überall in der Wohnung aus starten können.

Die Ersteinrichtung ist grundsätzlich unkompliziert: Dongle einstecken, J.O.E. App öffnen, WiFi auswählen, QR-Code am Display der Maschine scannen und verbinden. Das hat bei mir auch auf Anhieb funktioniert. Soweit die gute Nachricht.
Das Problem beginnt im Alltag. Denn die Verbindung zwischen App und Maschine ist nicht persistent. Jedes Mal wenn ich die App öffne, muss ich mich neu mit der Maschine verbinden. Das dauert je nach WLAN-Qualität zwischen 15 und 45 Sekunden. Das klingt nicht dramatisch, aber wenn man schnell mal einen Kaffee von der Couch oder vom Homeoffice aus starten möchte, ist das jedes Mal ein kleiner Geduldtest. Von einem echten Smart-Home-Erlebnis ist das weit entfernt.
Die App selbst ist übersichtlich gestaltet und bietet einige nützliche Funktionen. Man kann Kaffeespezialitäten individuell anpassen – Kaffeestärke, Wassermenge, Temperatur und Milchschaum lassen sich feinjustieren. Eigene Kreationen kann man speichern und sogar mit einem individuellen Bild versehen. Über das Cockpit sieht man Statistiken zu zubereiteten Kaffees, Reinigungszyklen und den Status von Filterpatronen. Und man kann Pflegeprodukte direkt über den integrierten JURA E-Store nachbestellen.
Was mich allerdings stört: Die in der App personalisierten Spezialitäten lassen sich nicht auf die Maschine selbst übertragen. Man kann also nicht am Smartphone den perfekten Flat White konfigurieren und diesen dann auch direkt am Gerät abrufen. Das wäre aus meiner Sicht die eigentlich spannendste Funktion gewesen.

Meine Erfahrung mit den Verbindungsproblemen scheint kein Einzelfall zu sein. In den App Store Reviews und diversen Foren berichten zahlreiche Nutzer von ähnlichen Schwierigkeiten. Ein häufig genanntes Problem: Der WiFi Connect hat Mühe mit modernen WLAN-Standards. Wer einen Router mit WiFi 6 (802.11ax) oder WPA3-Verschlüsselung betreibt, kann auf Verbindungsabbrüche stossen. Workarounds wie das Heruntersetzen auf WiFi 4 im 2.4 GHz Band oder der Wechsel von WPA3 auf WPA2 werden in den Foren empfohlen – das ist natürlich wenig befriedigend, wenn man dafür die Sicherheit oder Performance des gesamten Netzwerks einschränken müsste.
Auch die Siri-Integration auf dem iPhone ist eher ernüchternd: Man kann zwar einen Shortcut erstellen, muss dann aber trotzdem die App öffnen und manuell bestätigen. Ein echtes Hands-Free-Erlebnis wie man es von anderen Smart-Home-Geräten kennt, ist das definitiv nicht. HomeKit-Integration oder eine offene API sucht man vergebens.

Ich muss hier ehrlicherweise sagen: Eine Empfehlung kann ich für den Jura WiFi Connect nicht aussprechen. Nach über einem Jahr Nutzung habe ich kein wirklich smartes Erlebnis genossen. Die ständig nötige Neuverbindung über die App macht den Komfortgewinn zunichte, den man sich von einer WiFi-Lösung eigentlich erhofft. Im Alltag greife ich praktisch immer direkt an der Maschine zum Kaffee, weil es schlicht schneller geht als der Umweg über die App. Der WiFi Connect verstaubt damit quasi ungenutzt in der Service-Buchse.
Für Technik-Enthusiasten, die wie ich alles vernetzen wollen, ist das enttäuschend. Von einem Schweizer Premium-Hersteller wie Jura hätte ich mir eine dauerhaft stabile Verbindung erwartet, idealerweise mit Smart-Home-Integration über HomeKit oder zumindest eine offene API. Aber als echte Smart-Home-Lösung? Da ist definitiv noch sehr viel Luft nach oben.
Die Jura E8 selbst bleibt übrigens ein hervorragender Vollautomat – an der Kaffeequalität gibt es nichts auszusetzen. Die smarte Anbindung ist einfach noch nicht auf dem Niveau, das man von anderen vernetzten Geräten im Haushalt mittlerweile gewohnt ist.
Der Jura WiFi Connect kostet rund CHF 49.- respektive um die 45 Euro. Kein riesiger Betrag, aber für das was er bietet, finde ich den Preis etwas hoch. Erhältlich ist er direkt bei Jura oder im Fachhandel.