Testbericht: Sony QX100 Revolution der Smartphone Fotografie?

Testbericht Sony DSC-QX100

Der nachfolgende Test-/Praxisbericht zur Sony QX100 stammt von Patrik Walde als Gastbeitrag.

Technische Revolutionen gibt es ja in letzter Zeit in der Sparte Fotografie eher wenige, daher würde ich die neue QX100 von Sony doch zu einer solchen zählen. Da ich neuen Technologien gegenüber immer aufgeschlossen bin, nahm ich dies zum Anlass, die neue QX100 genauer unter die Lupe zu nehmen. In diesem Praxistest möchte ich Euch meine Erfahrungen mit der Sony QX100 mitteilen. Es handelt sich dabei nicht um einen technischen, sondern eher um einen praktischen Test, welcher meine persönliche Meinung und Interessen widerspiegelt.

QX100 oder QX10?

Sony hat gleich zwei unterschiedliche Modelle auf den Markt gebracht: die QX100 und die QX10. Die QX100 preist Sony für Fr. 499.00 und die QX10 für Fr. 229.00 an. Die QX10 hat mit 25–250 mm einen grösseren Brennweitenbereich als die QX100, welche „nur“ eine Brennweite von 28–100 mm abdeckt. Ebenfalls sehe ich die QX10 eher im Einsteigerbereich und die QX100 hingegen für den ambitionierten Hobbyfotografen. Da ich Kameras mit großen Sensoren bevorzuge, habe ich mich für die teurere QX100 mit einem 1“ Sensor entschieden. Dieser Praxisbericht bezieht sich daher auf die QX100, wobei vieles auch auf die QX10 übertragen werden kann.

Einsatzzweck

Sony wirbt für den Einsatz dieser Kamera als Ergänzung zu einer Handykamera. Sollte die Handykamera einmal nicht das gewünschte Resultat abliefern, kann man die QX100 oder die QX10 vor das Handy schnallen. Ich stehe dem geplanten Einsatzzweck eher skeptisch gegenüber, weil diese beiden Kameras auch ohne Display durch die runde Bauform nicht gerade klein sind. Da entscheide ich mich doch eher für die technisch baugleiche Sony RX100 mit eingebautem Display als Hosentaschenkamera. Ich sehe die Kamera eher im spezialisierten Einsatz, dort wo es nur schwer möglich ist, den Bildausschnitt und den Fokuspunkt auf dem Display zu kontrollieren. Als Einsatzort sehe ich die Kamera auch in der bodennahen Makrofotografie oder an speziellen, unzugänglichen Orten, um z.B. eine Dachrinne oder einen Kanal zu kontrollieren. Dank dem eingebauten Stativgewinde kann die Kamera an einer Stange oder einem Stativ befestigt werden und ist daher flexibel einsetzbar. Ebenfalls kann diese Kamera sehr gut für Selbstportraits oder Videoaufnahmen verwendet werden, wobei das Bild stets auf dem Handy oder Tablet kontrolliert werden kann.

Sony QX100 mit dem iPhone gekoppelt

Verarbeitung – erster Eindruck

Die Kamera macht in Sachen Qualität auf den ersten Blick einen zweischneidigen Eindruck. Als erstes deutet das Kunststoffgehäuse nicht gerade auf eine hochwertige Verarbeitung hin, auf den zweiten Blick sticht jedoch das Carl-Zeiss-Logo ins Auge, was doch eher auf eine qualitativ hochwertige Kamera schließen lässt. Wobei Carl Zeiss natürlich nur der Objektivlieferant der Kameras ist und nichts mit der Verarbeitungsqualität der QX100 zu tun hat. Nach ca. einer Woche im Einsatz und sanftem Umgang hat das Kameragehäuse jedoch bereits einige Kratzer und Dellen abbekommen.

Die Kamera

Anbei möchte ich noch auf ein paar technische Eigenschaften der Kamera eingehen. Der Exmo R CMOS Sensor der QX100 hat eine Grösse von 13,2 x 8,8 mm (was 1″ entspricht) und zeichnet ca. 20.2 Mio. Pixel auf. Die maximale Bildgröße beträgt 5472 x 3648 Pixel.

Die Carl-Zeiss-Optik besitzt einen optischen 3.6x-Zoom und deckt, wie bereits erwähnt, eine Brennweite von 28–100 mm (KB-bereinigt) ab. Die max. Blendenöffnung beträgt bei 28 mm f1.8 und bei 100 mm f4.9, die kleinste Blendenöffnung beträgt dagegen „nur“ f11. Das Objektiv ist also vor allem im Weitwinkelbereich sehr lichtstark. Die Blende kann im Blendenprioritätsmodus manuell eingestellt werden, eine manuelle Eingabe der Belichtungszeit ist nicht möglich.

Die Fokussierung erfolgt automatisch oder manuell. Wenn man die Fokussierung nicht der Kamera überlassen möchte, reicht ein Drücken auf die gewünschte Stelle auf dem Handydisplay, die Kamera stellt danach automatisch auf diesen Punkt scharf. Ebenfalls besitzt die QX100 eine Gesichtserkennung, und es ist möglich, manuell an der Kamera zu fokussieren. Ein Autofokus-Hilfslicht für schlechte Lichtverhältnisse fehlt hingegen.

Die QX100 hat vier verschiedene Automatikprogramme eingebaut. Die ISO-Empfindlichkeit reicht von ISO 160–6400, im „hervorragenden Automatikmodus“ sogar bis ISO 25600. Motivprogramme besitzt die Kamera hingegen keine.

Die Fotos und Videos werden auf eine Memory Stick Micro- oder microSD-Speicherkarte gespeichert, welche nicht im Lieferumfang enthalten sind. Gleichzeitig wird das Foto ebenfalls noch in das Smartphone/Tablet übertragen, wobei man wählen kann, ob das Originalbild oder nur eine verkleinerte 2 MB Variante gespeichert werden soll. Videos werden nur auf der Karte gespeichert und nicht auf das Smartphone/Tablet übertragen.

Die Kamera wird durch einen Lithium-Ionen-Akku gespeist, welcher laut Hersteller für ca. 220 Fotos  oder ca. 110 Min. Videoaufnahmen reichen sollte. Der Akku-Stand wird in 4 Stufen in einem kleinen eingebauten Display angezeigt. Die QX100 bringt um die 180 g auf die Waage und ist mit einem Durchmesser von 63 mm und einer Tiefe von 56 mm nicht gerade für die Hosentasche geeignet.

An der Kamera selber befindet sich ein Ein/Aus-Schalter, ein Auslöse-Knopf, ein Reset-Schalter und ein Taster für das Zoom. Vorne an der Kamera befindet sich noch ein Drehring, womit man die Schärfe manuell steuern kann. Des Weiteren befindet sich an der Rückseite das Akku-Fach.

Sony QX100 Beispielaufnahme mit Offenblende

Sony QX100 Beispielaufnahme mit Offenblende

Handhabung

Die Kamera wird via Wi-Fi mit dem Handy verbunden und über das Gratis-APP PlayMemorys mobile von Sony gesteuert. Das App ist für iPhone und Android erhältlich. Da ich selber ein iPhone besitze, wollte ich den Test auch mit dem iPhone durchführen. Ich habe das App PlayMemories Mobile von Sony im App-Store heruntergeladen und danach, wie in der Anleitung beschrieben, in den Einstellungen die Wi-Fi-Verbindung mit der Kamera hergestellt. Das Herstellen der Verbindung funktionierte ohne Probleme, die SSID wurde gleich nach dem Einschalten der Kamera gefunden und das Passwort, welches sich auf der Rückseite der Akku-Abdeckung befindet, wurde auch auf Anhieb akzeptiert. Danach startete ich die App und hatte nach ca. 20 Sek. das Live-View-Bild auf meinem iPhone. Leider wurde das Bild nicht so flüssig, wie von mir erhofft, übertragen, es stockte immer wieder einmal. Ebenfalls musste ich feststellen, dass man nach jedem Ausschalten der Kamera vor einem erneuten Einsatz zuerst die Wi-Fi-Verbindung in den Einstellungen wieder herstellen muss, bevor das App gestartet werden kann, ansonsten findet das iPhone die Kamera nicht. Für mich ist daher der Test mit dem iPhone bereits vorbei, weil die Kamera so nicht zu gebrauchen ist. Wer möchte schon jedes Mal die Kamera via Wi-Fi in den Einstellungen verbinden und danach nochmals ca. 20 Sek. warten, bis das App startklar ist? Als weiterer negativer Punkt ist mir das App etliche Male abgestürzt.

So schnell wollte ich die ganze Sache dann doch nicht aufgeben. Da ich noch ein Nexus 7 von Asus besitze, wollte ich den Test zusätzlich mit einem Android-Gerät durchführen. Ich habe ebenfalls das Gratis-App aus dem Play Store heruntergeladen und wie beim iPhone die Netzwerkverbindung hergestellt. Auch hier verlief das Verbinden der Kamera mit dem Tablet problemlos. Der Vorteil bei Android ist, dass man die Kamera mit dem Tablet/Handy via NFC verbinden kann. Ich halte also die N-Markierung der Kamera an das Nexus-Logo des Tablets, und die Kamera schaltet sich automatisch ein. Ebenfalls startet dabei das App auf dem Tablet und nach einigen Sekunden sind das App und die Kamera startklar. Eine erneute Herstellung der Wi-Fi-Verbindung wie beim iPhone ist via NFC nicht nötig. Das Herstellen der Verbindung dauert unterschiedlich lange, ich konnte je nach Situation zwischen 5–20 Sekunden messen. Ebenfalls wird das das Live-View-Bild bei Android nur mit einer minimalen Verzögerung und fast ohne zu stocken an das Tablet übertragen.

Was vielleicht noch interessiert, ist, wie weit die WiFi-Verbindung von der Kamera bis zum Smartphone/Tablet reicht. Wo die Verbindung im Haus bereits beim Verlassen desselben Raumes abbrach, blieb die Verbindung Outdoor mit Sichtkontakt bis ca. 35 m bestehen, ich hätte mir da jedoch um die 50 m erhofft.

Sony QX100 Anwendung

Play Memories mobile App

Über dieses App kann ich sämtliche Einstellungen der Kamera steuern. Es sind dies primär die Belichtungsmodi „intelligente Automatik“, „überlegene Automatik“, „Programmautomatik“ und „Aufnehmen mir Blendenpriorität“. Ebenfalls kann durch Klicken auf das Display der Fokuspunkt gesetzt, der Auslöser betätigt und ein- und ausgezoomt werden. Es können noch wenige Einstellungen im Menü gemacht werden, aber alles in allem kommt das App mit seinen Möglichkeiten doch sehr funktionsarm daher. Da kann man noch auf ein Update von Sony hoffen. Ebenfalls kann man noch in den Filmmodus wechseln, da ist jedoch neben dem wählbaren automatischen oder manuellen Fokus bei den Einstellungen bereits Schluss.

Bildqualität

An der Bildqualität gibt es aus meiner Sicht nichts zu bemängeln, die Fotos entsprechen dem, was ich von einer Kamera in dieser Preisklasse erwarte. Das Zusammenspiel des Sensors mit dem Zeiss-Objektiv funktioniert hervorragend. Die Bilder wirken knackig, die Farben sind nicht zu flau oder zu bunt und der Weißabgleich sitzt in den meisten Fällen ebenfalls. Mir fehlt jedoch das Abspeichern der Fotos im RAW-Format, damit man nachträglich die Bilder selber entwickeln kann. Da ist ebenfalls auf ein Firmware-Update seitens Sony zu hoffen.

Zubehör und Anschlüsse

Im Lieferumfang der Kamera sind ein USB-Anschlusskabel und eine Kurzanleitung beigelegt. Bei diesem Preis vermisse ich ein USB-Ladeadapter und eine Schutzhülle, weil man ja wegen der runden Bauform nicht eine Universal-Kameratasche verwenden kann. Auf der linken Seite verstecken sich hinter einer Abdeckung ein Micro-USB-Anschluss und der Speicherkarten-Slot für die Memory Stick Micro- oder microSD-Speicherkarte. Des Weiteren befinden sich auf der Rückseite zwei Klammern, an welche ein Smartphone montiert werden kann. Beim iPhone funktioniert diese Halterung einwandfrei und die Kamera sitzt fest an dem Handy. Falls die Smartphone-Halterung nicht gebraucht wird, kann diese auch durch einen Drehverschluss von der Kamera entfernt werden.

Sony QX100 Beispielaufnahme

Sony QX100 Beispielaufnahme

Fazit

Die Idee von Sony finde ich sehr originell und sollte auf jeden Fall weiterverfolgt werden. Jedoch kommt bei mir hinsichtlich der QX100 das Gefühl auf, eher eine Kamera im Beta-Stadium gekauft zu haben als eine einsatzfähige, durchdachte Kamera. Als Apple-User sollte man ganz die Finger von dieser Kamera lassen, da die Verbindung viel zu umständlich ist und das App andauernd abstürzt.
Des Weiteren ist es mir nicht gelungen, die ISO-Empfindlichkeit irgendwo manuell zu steuern, und es fehlen der Zeitenprioritätsmodus sowie die manuelle Belichtungseinstellung. Auch wenn die Kamera eine sehr gute Bildqualität abliefert, ist die QX100 wegen der fehlenden RAW-Speichermöglichkeit und dem nichtvorhandenen manuellen Modus nicht für professionelle Anwendungen geeignet. Ebenfalls zu bemängeln ist die Einsatzdauer des Akkus. Da kein akku-fressendes Display eingebaut ist, sollte der Akku nach meiner Meinung deutlich über 220 Bilder halten. Auch finde ich die Einsatzbereitschaft nach erst 5–20 Sekunden viel zu lange, da ist mit Sicherheit kein Schnappschuss zu erwarten. Alles in allem hoffe ich nun auf ein Update mit den wichtigen Funktionen seitens Sony für das Smartphone-App und bei der Kamera auf ein Firmware-Update vor allem für die RAW-Unterstützung. So wie die Kamera und das App bis heute angeboten werden, muss ich dieses System leider als „Spielzeug“ bezeichnen, welches für mich in diesem Umfang keinen Nutzen ergibt. Sollten in der nächsten Zeit keine Updates kommen, bleibt mir nichts anderes übrig, als die Kamera wieder zu verkaufen.

Patrik Walde – Fotograf, Bildbearbeiter und Trainer – patrikwalde.com

4 Kommentare

  1. Daniel Roth 12. Oktober 2013
    • Patrik Walde 12. Oktober 2013
  2. tommywhite84 10. November 2013
  3. Denise Mändli (@nistxu) 23. Juli 2014

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