Ich bin Hans.
Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten. Das sind Themen wie Gadgets, Smart Home, Elektroautos, Erneuerbare Energien und vieles mehr...
Wer wie ich eine PV-Anlage auf dem Dach hat, kennt das Phänomen: An schönen Sommertagen ist die Hausbatterie bis am späten Vormittag voll, das Warmwasser längst aufgeheizt, das Auto unterwegs – und ab Mittag wandert der Grossteil der Produktion ins Netz. Ausgerechnet dann, wenn die Anlage am stärksten läuft, gibt es dafür immer weniger Geld. Die Einspeisevergütungen sinken seit Jahren, und mit der neuen Regelung ab 2026 dürfen Netzbetreiber Anlagen sogar auf 70 Prozent abregeln. Ab 2027 kommt der eigentliche Systemwechsel – stündliche Marktpreis-Vergütung statt Quartalsdurchschnitt, was ich in diesem Artikel ausführlich analysiert habe. Genau hier setzt ein neues Schweizer Produkt an, dessen Vorverkauf heute startet: der RY3T NOVA aus Wil SG.
Die Idee dahinter ist so simpel wie provokativ: Statt den überschüssigen Solarstrom für quasi nichts ins Netz zu schieben, verwandelt der NOVA ihn lokal in Rechenleistung – konkret in Bitcoin-Mining. Und das Ganze soll als Plug-and-Play-Gerät funktionieren, das man einfach an Strom und Internet hängt und über die bestehende Steuerung wie Solar Manager nach PV-Überschuss ansteuert. Klingt nach einem Thema, das genau in meine Ecke passt. Schauen wir es uns an.
Bevor wir zum Gerät kommen, lohnt sich ein Blick auf das eigentliche Problem, das der NOVA lösen will. Die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage hing immer am Eigenverbrauch: Je mehr vom selbst produzierten Strom ich selbst nutze, desto besser. Was ins Netz geht, wird je nach Netzbetreiber unterschiedlich, aber tendenziell immer schlechter vergütet.
Mit den ab 2026 geltenden Änderungen verschärft sich das. Laut Swissolar führt eine 70-Prozent-Limitierung zwar nur zu einem Ertragsverlust von weniger als 3 Prozent – der Strom, der nicht eingespeist werden darf, kann ja selbst verbraucht oder in der Batterie gespeichert werden. Aber genau das ist der Punkt: Wenn Batterie voll, Warmwasser warm und Auto weg sind, fehlt schlicht die Senke für den Überschuss. Wer zusätzlich auf netzdienliche Anreizmodelle wie die sogenannten Top-40-Produkte setzt, bei denen man gegen höhere Einspeisetarife eine stärkere Abregelung akzeptiert, hat noch mehr Strom, der lokal verwertet werden müsste.
Und der vielleicht wichtigste Gedanke für die Zukunft: In der Schweiz wird eingespeister Strom ab 2027 nach EPEX-Spotpreisen vergütet – wie in anderen Ländern längst üblich. Damit nähert sich die Mittagsvergütung an sonnigen Tagen dem Nullpunkt oder wird gar negativ. Spätestens dann wird jede Form der lokalen Überschussverwertung interessant. Der NOVA ist eine mögliche Antwort darauf.

Der RY3T NOVA nimmt den PV-Überschuss auf und nutzt ihn, um spezialisierte Mining-Hardware (ASICs) zu betreiben. Diese Rechenleistung fliesst in einen globalen Mining-Pool, der jede beigetragene Rechenleistung in Bitcoin vergütet – rund um die Uhr und, das ist der zentrale Verkaufspunkt, völlig unabhängig vom lokalen Netzbetreiber. Man braucht also keine Einspeisevereinbarung und keine bestimmte Vergütungsklasse.
Ein NOVA-Modul leistet 3 kW und liefert dabei laut Hersteller rund 110 TH/s Hashleistung. Die Vergütung beziffert RY3T mit einem indikativen Wert von 4 bis 12 Rappen pro kWh. Hier ist die erste wichtige Einordnung: Dieser Wert ist explizit kein Versprechen. Der tatsächliche Ertrag schwankt mit dem Bitcoin-Kurs und der globalen Hashrate – also dem, wie viele andere Miner weltweit gerade um dieselben Bitcoins rechnen. RY3T-CEO Christian Naef formuliert die Idee dahinter so: «Wir wollen, dass Eigenheimbesitzer mehr aus ihrem Solarstrom machen, statt ihn zu tiefen Tarifen abzugeben oder durch Drosselung zu verlieren.»
Und keine Sorge, Bitcoin-Wissen braucht man laut RY3T nicht. Die Auszahlung erfolgt wahlweise in Schweizer Franken, Euro oder Bitcoin. Wer in Bitcoin auszahlen lassen will, benötigt eine Wallet – bei deren Einrichtung der Hersteller nach eigenen Angaben unterstützt.

Der NOVA ist modular aufgebaut. Ein Modul leistet 3 kW, gestapelt sind bis zu 9 kW (3 Module) möglich. So kann man die Verwertungsleistung dem eigenen Überschuss anpassen – heute 3 kW, später erweitern. Die Steuerung erfolgt feingranular in 1-kW-Schritten, was für ein sauberes Nachführen des effektiven Überschusses wichtig ist.
Praktisch finde ich den Mobilitätsansatz: Der NOVA steht auf Lenkrollen mit Bremse und braucht pro Modul rund einen halben Quadratmeter Stellfläche. Man kann ihn also dorthin schieben, wo man ihn gerade braucht. Und das bringt mich zum aus meiner Sicht cleversten Nebeneffekt.
Für mich als jemand, der sich seit Jahren mit Energiemanagement beschäftigt, ist die Steuerungsfrage zentral. Ein solches Gerät ergibt nur Sinn, wenn es dem PV-Überschuss folgt und nicht etwa aus dem Netz oder der Batterie zieht. Genau dafür wird der NOVA von der bestehenden Steuerung angesteuert: Zum Start ist der NOVA Solar Manager Ready, zusätzlich offen über Modbus und MQTT ansteuerbar.
Der Anschluss erfolgt über einen CEE-16A-Stecker (C16) und LAN oder WLAN – also Plug and Play im Wortsinn. Die Lautstärke gibt RY3T mit unter 50 Dezibel an, wobei die finalen Werte erst mit dem Verkaufsstart feststehen. 50 dB entsprechen etwa leiser Zimmerlautstärke – für ein Mining-Gerät, das man sonst eher aus lärmintensiven Rechenfarmen kennt, wäre das ein guter Wert. Hier würde ich aber die finalen, unabhängig gemessenen Zahlen abwarten, bevor ich mir das Ding neben den Hobbyraum stelle.

Der Vorverkauf startet am 3. Juni 2026 und ist limitiert auf 100 Stück der ersten Serie:
Der Restbetrag wird laut Hersteller erst vor Lieferung fällig. Wer in der ersten Serie dabei ist, bekommt zudem die finalen Specs und einen persönlichen Eignungs-Check vorab.
Der NOVA ist übrigens nicht das erste RY3T-Produkt: Mit dem RY3T ONE hat das Schweizer Startup bereits ein System zur Nutzung von Abwärme aus generierter Rechenleistung im Markt – die Mining-/Wärme-DNA des Unternehmens ist also nicht neu, sondern wurde mit dem NOVA konsequent in Richtung PV-Eigenheim weiterentwickelt.
Der RY3T NOVA greift ein reales und wachsendes Problem auf: PV-Überschuss, der zunehmend wertlos wird. Die Idee, diesen Strom lokal zu verwerten statt ihn zum Nulltarif abzugeben, ist nicht nur nachvollziehbar – sie wird mit jedem Jahr relevanter. Die doppelte Nutzung über die Abwärme macht das Konzept für mich deutlich runder als reines Mining: Man bekommt aus jedem Watt zweimal Nutzen, einmal als kWh-Ertrag, einmal als Wärme im Hobbyraum oder in der Werkstatt.
Dass von Anfang an auf offene Steuerung gesetzt wird – Solar Manager Ready, zusätzlich Modbus und MQTT – spricht für ein durchdachtes Schweizer Produkt. Genau diese Offenheit ist es, die den NOVA von proprietären Insellösungen abhebt und sicherstellt, dass er sich in bestehende Setups integrieren lässt. Auch die modulare Skalierung von 3 auf 9 kW gefällt mir – man kann klein einsteigen und je nach Erfahrung und Bedarf ausbauen.
Mein persönliches Fazit: Das Konzept gefällt mir ausgesprochen gut, gerade vor dem Hintergrund sinkender Einspeisevergütungen und der ab 2027 anstehenden spotpreisbasierten Vergütung. Wenn der Strom ohnehin fast nichts mehr wert ist – oder zu Negativpreisen ins Netz fliesst – ist jede sinnvolle lokale Verwertung besser als nichts. Der NOVA ist eine pragmatische, mobile und durchdachte Antwort auf eine Frage, die sich in den nächsten Jahren immer mehr Eigenheimbesitzer stellen werden. Ich werde die Entwicklung auf jeden Fall weiterverfolgen – und falls ich ein Gerät zum Testen bekomme, gibt es hier einen ausführlichen Praxisbericht inklusive echter Ertragszahlen aus meinem eigenen Setup. Mehr Infos und der Vorverkauf finden sich direkt bei RY3T.