Ich hatte schon mehrfach über Langstrecken-Erfahrungen mit Elektroautos berichtet. Diesmal möchte ich die Gelegenheit wieder nutzen und zeigen, das auch mit viel Gepäck alles möglich ist. Letzten Sommer waren wir schon mit Dachbox von Thule und Veloträger unterwegs, diesmal wieder aber eine längere Strecke: Vom sonnigen Aargau auf die noch sonnigere Insel Elba in Italien, total über 700km pro Fahrstrecke.

Routenplanung mit Pump App

Gerade um vor oder auch während eines Trips die Ladestopps zu planen, empfehle ich immer die Pump App. Die App ist wirklich genial, fragt den aktuellen Ladestand des Fahrzeugs ab und berechnet die Route, inklusive den passenden Ladestops. Nicht nur das, ich kann auch gezielt Ladestations-Betreiber sperren oder freigeben. Ganz praktisch für mich war auch, den Zielort Piombino mit 30% SoC anzupeilen, so dass ich auf der Insel erstmal in Ruhe ankommen kann, bevor ich mich nach einer Lademöglichkeit umschaue.

Ladeplanung mit Pump

Fast noch genialer als die reine Nutzung als App, ist die Carplay Funktionalität für Pro-User. Wie der nachfolgende Screenshot von der Heimreise zeigt, wird hier der nächste Ladepunkt anvisiert. Dabei wird mir auch gleich die Belegung angezeigt und die geplante Ladezeit damit es zum nächsten Ladepunkt, bzw. Zielort reicht. Für mich aktuell die beste Lösung für Langstrecke und deren Planung.

Pump App auf Apple Carplay
Pump App auf Apple Carplay

Fahrt nach Elba mit dem ID.4

Auf der Hinfahrt wie auch für die Rückfahrt hatte ich mit drei Ladestopps geplant. Es würde mit zwei Stopps ohne Zusatzbeladung auch reichen, aber meine Erfahrung sagt mir, dass es so eher knapp wird und mit drei Stopps sollte das besser passen. Nun gut, früh morgens losgefahren und nach dem Gotthard Tunnel in Bellinzona den ersten Ladestopp gemacht. Eigentlich eher eine Frühstückspause, ich wäre gerne noch etwas weitergefahren. So haben wir bei Ionity von 42% auf 93% aufgeladen, also mehr als geplant.

Ladestopp bei Free to X in Fiorenzuola
Ladestopp bei Free to X in Fiorenzuola

Der nächste Stopp in Fiorenzuola bei Free to X war perfekt vom Timing her. 22% auf 76% geladen, das ist in zackigen 26min, reichte gerade für WC-Pause für alle Insassen und feinen italienischen Espresso schlürfen. Die Alpitronic Säulen sind sowieso immer eine Top-Adresse, Free to X macht das hier in Italien grossartig. Schlussendlich gab es noch den finalen ladestop in Pietrassanta bei Ionity von 14% auf satte 97%, weil das Mittagessen länger dauerte als der benötigte Ladestopp.

Ladestopp bei Ionity
Ladestopp bei Ionity

Ladekurve

Der letzte Stopp bot sich natürlich auch gleich an die Ladekurve zu messen, wenn man schon ein warmgefahrenes Auto mit tiefem SoC an einen Schnellader stellt. Etwas über 130kW war der Spitzenwert bis knapp auf 30% und dann abflachend. Hier sieht man auch mal wieder deutlich, am besten bis rund 80% SoC Laden und dann weiterfahren…

Ladekurve ID.4 mit MEB 2.4
Ladekurve ID.4 mit MEB 2.4

Laden auf der Insel Elba

Auf der Insel hatte es zahlreiche Ladesäulen, verteilt auf verschiedene Städte. Hier habe ich beispielsweise beim Wochenmarkt in Portoferraio geladen, alles problemlos. Die Säulen von Enel X lassen gut bedienen und hatte alle einwandfrei funktioniert. Was ich noch zusätzlich bemerkte, es hat mehr Ladepunkte als man in den üblichen Apps sieht. Einige sind nicht öffentlich gekennzeichnet, sind aber für Touristen da und werden von Locals & Vermietern dann empfohlen und können genutzt werden.

Ladeinfrastruktur mit einigen AC-Säulen hat es verteilt auf der Insel überall
Ladeinfrastruktur mit einigen AC-Säulen hat es verteilt auf der Insel überall

Rückfahrt nur mit Ionity möglich?

Die Frage die ich mir nach der Hinfahrt stellte, komme ich nur mit der Nutzung von Ionity-Ladepunkten nach Hause? Gesagt getan, mit dem Laden in Bellinzona als letzten Ladestopp und dem ersten in Pietrassante, hatte ich ja schon zwei angefahren. Besonders witzig war das Treffen von zwei weiteren Schweizer Familien auf der Heimreise, beide mit identischen Skody Enyaqs unterwegs.

Schweizer besetzen Ionity in Italien mit MEB Fahrzeugen
Schweizer besetzen Ionity in Italien mit MEB Fahrzeugen

Einen der beiden, traf ich dann später auch wieder in Piacenza. Das war der neue Ladestopp auf Hälfte der Route. Das war der einzige Ladepunkt den ich angefahren bin, wo man die Autobahn verlassen musste. Die Ladeinfrastruktur befindet sich auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums, kostet etwa 15min zusätzliche Fahrzeit. Die Ladung dort war bezüglich Ladegeschwindigkeit einwandfrei, leider stoppte die Ladung bei 60%, ich musste kurz raus und die Säule wechseln. Dank Push-Meldung der VW-App hatte ich das frühzeitig bemerkt.

Ladestopp bei Ionity in Piacenza
Ladestopp bei Ionity in Piacenza

Verbrauch

Spannend war für mich vor allem die Erfassung des Verbrauchs. Auf der Hinfahrt hatte ich 681km zurückgelegt und einen durchschnittlichen Verbrauch von 25.7kWh/100km. Auf der Heimfahrt hingegen bei 712km mit 23.5kWh/100km einen deutlich tieferen Wert. Da spielte sicher das bessere Wetter eine grosse Rolle und wahrscheinlich auch die Reisegeschwindigkeit, da wir etwas mehr Stau und deswegen weniger schnell unterwegs waren. Der Verbrauch ist aber in Anbetracht der erlaubten 130km/h in Italien und der Zusatzbeladung völlig akzeptabel.

Ladekosten und Abrechnung

Als Ladekarte und App nutze ich in den meisten Fällen Move. Ich habe für diese Route nie geprüft welcher Anbieter nun den günstigsten Tarif an der entsprechenden Säule hat, ich wollte einfach Laden und das möglichst bequem. Für Ionity konnte ich Move immer verwenden, für Free to X und Enel X leider nicht, da Griff ich auf We Charge von VW zurück. Die Ladekosten bei der Hinreise beliefen sich auf 106.- CHF und für die Rückreise auf 96.- CHF. Zusätzlich hatte ich noch AC-Ladungen für rund 15 Euro auf der Insel.

VW ID.4 auf Elba
VW ID.4 auf Elba

Fazit

Das Elektromobilität funktioniert dürfte mittlerweile vielen klar sein und für einen Grossteil der Bevölkerung passen. Für mich war es spannend zu sehen wie sich die Ladeplanung auf knapp 8 Stunden Autofahrt mit der Familie abstimmen lässt. Schlussendlich war es wieder so, das menschliche Bedürfnisse wie Bio-Pause und Verpflegung die geplanten Ladestopps überdauern. So musste ich bei der Heimfahrt sogar das Auto kurz abstecken und weg parkieren, weil die Pause längere dauerte als der benötigte Ladestopp.

Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. danke vielmals für den bericht. immer wieder gut zu lesen, was andere für erfahrungen machen. bei meiner längeren reise war es ähnlich.
    das einzige, was mich wurmt, ist dass häufig Ionity stationen ausfälle haben. das ist ja bei dir auch passiert. ist kein problem, wenn genügend andere frei sind, aber wenn diese voll sind, ist es ziemlich ärgerlich. ionity sollte da dringendst nachbessern, das ist mir schon häufiger passiert. andere anbieter sind da viel stabiler und zuverlässiger.
    abgesehen davon, super sache!

    • Da bin ich mit dir einig, ich hatte bisher zwar kaum Ausfälle bei Ionity (diesmal war das erste Mal glaube ich), meistens waren es tiefe Ladeleistungen von 35-37kW die Probleme machten. Die neue Generation von HPCs bei Ionity machten bei mir bisher noch nie Probleme.

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  3. Pascal Wedam Reply

    Vielen Dank für den knackigen aber doch wertvollen Bericht. Zeigt deutlich, dass die Reichweitenangst und Ladedauersorgen wirklich unbegründet sind, da die natürlichen Pausen oft länger sind als technisch nötig. Guter Bericht, schöne Bilder. Macht Spass!

    • Vielen Dank, ja genau deshalb der Bericht… um zu zeigen, dass es wirklich gut geht.

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