12. September 2022
7 Minuten zu lesen

Klappern mit Stil – die Logitech MX Mechanical Tastatur im Test

In den letzten Jahren haben mechanische Tastaturen das Herz der Nerds zurückerobert. Nachdem der Trend eine Nische war, wurden Firmen wie Logitech hellhörig und bringen das Revival der mechanischen Tastaturen nun auch für die Massen: die MX Mechanical.

Da ich unterdessen eher zu den Late-Adoptern gehöre, dauerte es nun doch eine Weile, bis ich mir die MX Mechanical Tastaturen von Logitech anschauen wollte. Als Freund von Minimalismus und manchmal auch «Früher waren ein paar Dinge schon besser»-Denker, wollte ich herausfinden, was es mit diesen mechanischen Klappertastaturen auf sich hat. Hier meine ehrliche Meinung zu der MX Mechanical – auch wenn ich die Tastaturen behalten darf (Disclaimer und so).

MX Mechanical feat. MX Master 3S (Pressebild Logitech)

Unboxing

Ich machs kurz: Logitech hats begriffen, die Tastatur kommt so nachhaltig wie es geht, verpackt in Seidenpapier und FSC-Karton daher. Well done. Eine Kurzanleitung ist gleich auf der Innenseite der Schachtel aufgedruckt. Alles sieht aber wertig und edel aus.

Verbinden mit Logi-Bolt oder Bluetooth

Auch die MX Mechanical kommt mit zwei Optionen zum Verbinden daher: entweder via Bluetooth (Low Energy 5.0) oder mit dem proprietären Funk-Dongle Logi-Bolt (löst Unifying ab und ist nicht kompatibel). Leider kommt das Dongle nur in alten USB-A/3.0 daher, auch das Ladekabel ist USB-C (Tastatur) zu USB-A/3.0 (Ladegerät). Ich persönlich bin ein Fan von der proprietären Funk-Verbindung, da diese auch da ist, wenn der Computer z.B. beim Booten noch keine Bluetooth-Treiber geladen hat (praktisch wenn man z.B. bei einem Mac in den Recovery-Mode muss).

Gerade auch bei der Maus meine ich bei meiner Art als Designer einen Latenz-Unterschied zu fühlen im Vergleich zu Bluetooth. Vielleicht ist es aber auch eher die Stabilität der Verbindung, die mich überzeugt. Anyway, cool hält Logitech weiterhin auch an der Funk-Verbindung fest. Der neue Logi-Bolt-Standart soll insgesamt auch sicherer sein, da er laut Hersteller Bluetooth Low Energy Security Mode 1 auf Security Level 4 unterstützt. Keine Ahnung, was das im Detail genau ist, klingt aber save. Zudem können via einem Bolt-Adapter bis zu 6 kompatible drahtlose Tastaturen und Mäuse angeschlossen werden. Wer auch immer ein solches Setup benötigt (Tintenfische?): es geht!

Verwalten mit Logi Options+

Um den vollen Umfang der MX Mechanical Tastatur nutzen zu können, lädt man sich das wunderschön gestaltete Programm Logi Options+ herunter. Darüber lassen sich alle Funktionen der Tastatur ganz einfach einrichten und allfällige Firmware-Updates laden:

  • Akkustand / Verbindungsart ablesen
  • Tasten: personalisierbare Sonderfunktionen (Aktionen und Makros nutzen)
  • Hintergrundbeleuchtung on/off, Effekte der Hintergrundbeleuchtung einstellen (statisch, Kontrast, Atemefekkt, Wellen, Reaktion /Aufleuchten der gedrückten Tasten, zufällig)
  • Easy-Swich: bis zu 3 pairbare Komputer die über die entsprechenden Tasten direkt angesteuert werden können
  • Diverse Einstellungen (Firmware updaten, F1, F2 usw als Standard-Funktionstasten nutzen, Tastatur immer im Mac-Layout verwenden, Energiesparmodus, etc)

Schreiben wie früher

Die MX Mechanical ist erstmal eine sogenannte Low-Profile Tastatur. Das heisst, die nimmt in der Höhe nicht soviel Platz wie herkömmliche mechanische Tastaturen ein, sondern ist vergleichsweise sehr flach.

Der Tactile Quiet Switch in Braun. Der Switch sitzt allerdings fest und kann nicht ausgetauscht werden

Die MX Mechanical ist mit drei unterschiedlichen Schaltertypen erhältlich: Tactile Quiet (braun, mein vorliegendes Modell), Linear (rot) und Clicky (blau). Der Schaltertyp den ich hier teste heisst offenbar Kailh Choc V2 Brown, sollte sich ein Nerd hier verirrt haben (die Chance ist gross). Der Hub beträgt gemäss Hersteller 3,2 Milimeter, der Signalpunkt liegt bei 1,3 Milimetern (was sich manchmal als etwas zu früh anfühlt aber den Vorteil hat, dass man die Taste nicht ganz runterzudrücken hat).

Der Sound

Der Unterschied zu herkömmlichen Tastaturen, welche mit Membranen funktionieren, ist die MX Mechanical mit eben diesen Schaltern/Switches ausgestattet. Die Tactile Quiet Tasten meines Testmodells sind sicher nicht leise, der Name ist da eher irreführend. Wer sich überlegt eine mechanische Tastatur zuzulegen, sollte sich bewusst sein, dass die Dinger einfach mehr Lärm machen. Das kann andere im Büro stören. Aber auch wer viel schreibt und dazu Musik hören will: es wird laut(er)! Aber: man fühlt sich ein wenig wie ein Hemingway beim Schreiben. Oder eine Donna Leon.

Hier eine Aufnahme der MX Mechanical mit den braunen Tactile Quiet Switches (die anderen Switches kann man sich auf der Logitech Website anhören, siehe Link am Ende des Beitrages):

Im Vergleich dazu die Aufnahme der MX Keys:

Man muss dazu erwähnen, dass ich mit dem Adler+-System tippe und nicht das Zehnfingersystem beherrsche. Und auch ordentlich Gewalt auf die Tasten bringe. Nicht schön, aber so ist es halt.

Das Feeling

Ich nutze bisher das Membran-Modell «MX Keys» (Testbericht) – seit es käuflich ist und finde es top. Ich hatte davor die Apple Original-Tastatur via Kabel im Einsatz und empfand den Umstieg als herrlich. Einzig die Pfeiltasten sitzen da etwas eng zusammen, was mich heute noch stört (als Designer nutze ich die oft um pixelgenau Dinge rumzuschieben).

MX Mechanical vs MX Keys

Die MX Mechanical habe ich nun seit etwas mehr als 2 Monate im täglichen Einsatz. Als Interaction Designer und als Vielschreiber (der eben das 10-Fingersystem noch nicht kann, jaja). Der erste Eindruck war: uff, das fühlt sich sehr nach Plastik und laut an. Ich brauchte etwas Zeit um mich umzugewöhnen, die Haltung der Hände, die Finger – alles musste ich anpassen. Bald merkte ich, dass das Tippen viel angenehmer wird, stellt man die Tastatur mit den beiden Aufstellfüsse um 8° schräg (die Füsse sind mit 8° beschriftet, schönes Detail).

Kleines aber praktisches Detail: klappbare und gummierte 8°-Füsse

So klapperte ich mich durch E-Mails, Confluence-Seiten, Nachrichten, Excel, Dummy-Texte im Design und schob Pixel rum. Zwischendurch switchte ich wieder auf die MX Keys, da sich die neue Mechanische irgendwie mühsamer anfühlte.

Doch Schritt für Schritt nutzte ich bald nur noch die MX Mechanical und vernarrte mich in das neue Klappern. Im Home-Office. Ich glaube meine lieben Mitarbeiter hätten nicht so Freunde daran gehabt. Aber ich gewöhnte mich immer mehr daran. Und wusste: eines Tages werde ich dieses Review schreiben und die Leser wollen von mir dann sicher im Fazit nur eines wissen: MX Keys oder MX Mechanical? Wer gewinnt?

Two more things

Doch es ist noch zu früh fürs Fazit, zwei Goodies habe ich noch: erstens ist die MX Mechanical auch als «Mini» erhältlich: da fehlt dann einfach der Zifferblock und ein paar extra Tasten rechts. Dafür ist sie schön minimalistisch und genau für die geeignet, die auch öfters die Tastatur in den Rucksack stecken.

Die MX Mechanical Mini und die MX Mechanical im Vergleich

Zweitens: zu den Tastaturen hat mir Logitech auch ein kleines Update der MX Master 3 Maus mitgeschickt: nämlich die MX Master 3S Maus. Unterschiede: die Tasten klicken (fast) nicht mehr und wurden geräuschlos (was witzig ist im Zusammenhang mit der MX Mechanical, die geräuschvoller wurde). Zudem hat sie neu einen 8K DPI Sensor (vorher 4K DPI). Da merkte ich keinen Unterschied, aber vielleicht einfach weil das Vorgängermodell bereits spitze ist.

Die MX Master 3S – eine graue Maus die die Klappe hält. Gibts auch in der Farbe Graphite aka Anthrazit

Ich nutze seit Jahren die MX Master Reihe von Logitech für meine Mäuse. Ich glaube tatsächlich dass es keine bessere Maus gibt für Designer (oder auch andere).
Was mir sofort auffiel: die Mausklicks sind hörbar weg! Auch hier brauchte ich wieder etwas Umgewöhnungszeit, da mein Hirn das zuerst verarbeiten musste, dass das Klicken (fast) weg ist. Allerdings sind die Tasten so clever designt, dass es ein haptisches Feedback an die Finger gibt. Unterdessen liebe ich die neue ruhige Maus. Sicher kein Must-Have, wer die MX Master 3 hat. Aber für alle die, die noch keine MX Master Maus haben: holt euch die MX Master 3S, sie ist das Geld (CHF 139) wert.

Fazit zur MX Mechanical

Retro-Feeling meets Hightech

Kommen wir zu dem Teil, vor dem es mir am meisten graute: ich muss euch jetzt sagen, welche Tastatur die bessere ist. Oder? Ist es die MX Keys oder die MX Mechanical? Auch wenn es wie ein Vergleich von Äpfeln und Birnen ist: aktuell nutze ich wirklich nur noch die MX Mechanical und werde sie auch weiter nutzen. Warum?

Die Tasten der MX Keys haben zwar auch eine Ausbuchtung auf der Oberfläche, damit die Finger fühlen, wo die Mitte ist. Nur geht da die Ausbuchtung nicht ganz bis zum Rand, sondern ist eher so kreisförmig innerhalb eines Quadrates.

Bei der MX Mechanical wölbt sich die ganze Taste nach innen, gefühlt auch etwas mehr. Das fühlt sich für mich sicherer an bei Tippen. Und dadurch, dass die Tasten erhoben sind und nicht flach, spürt man auch besser die Abstände zwischen den Tasten. Auch wenn das Layout identisch nahe beieinander ist. Was mir weniger gefällt ist der tiefe Leerraum rund um die Pfeiltasten. Darauf wackeln meine Finger immer vor Angst vor dem tiefen Abgrund (ca. 8mm) bis zum kalten Alu-Gehäuse.

Gefährlich für Finger-Abstürze: der tiefe Raum rund um die Pfeiltasten

Insgesamt ist die MX Mechanical aber eine gelungene massentaugliche Low-Profile mechanische Tastatur die in Premium-Qualität verarbeitet ist und mit einer grossartigen Software konfiguriert werden kann. Wer es klappern lassen will bei Schreiben, der liegt mit der MX Mechanical garantiert nicht falsch und bekommt ein Premium-Produkt.

Was mir gefällt

  • Das Design, hochwertige Verarbeitung
  • Klappern wie früher, ich schreibe sehr gerne damit
  • Clevere Beleuchtung der Tasten
  • Sondertasten für Emojis, Mikrofon-Stummschalten, Suche etc
  • Lange Laufzeit
  • Stabile Verbindung (via Logi-Bolt getestet)
  • Die Software Logi Options+
  • Aufstellfüsschen für besseren Winkel

Was verbessert werden könnte

  • Raum um Pfeiltasten etwas auffüllen 😀
  • Zusätzliches USB-C Dongle / -Ladekabel
  • Preis eher hoch (CHF 199, resp. CHF 169 für die Mini-Variante)

Werbevideo

Offizielles Werbevideo von Logitech

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1 Comment

  1. Gerd

    Hallo David, danke für den erfrischenden und ehrlichen Einblick. Ich habe mir die jetzt mal bestellt und vermute, dass ich da genauso begeistert sein werde wie du. Auch wenn ich jetzt etwas Angst vor den Abgründen rund um die Pfeiltaste habe. 😀

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