Meine Garage hat einen Parkplatz davor. Der gehört mir, sonst käme mein Auto ja nicht in die Garage. Oder wieder raus. Dummerweise interessiert das die Gäste der Pizzeria nebendran kein bisschen. Und da ich es leid bin mich aufzuregen, in das Lokal zu gehen und die Autonummer des entsprechenden Bösewichts (es sind immer Männer) zu rufen, habe ich mich entschlossen, einen Parkbügel zu kaufen.

Wer mich kennt weiss: Ich kaufe keine physischen Dinge ohne Bluetooth oder Internetverbindung. Also habe ich mir den Parklio Parkbügel bestellt. In Kroatien, da sind die zu Hause. Bevor ich bestellt habe, hat man mir schon geschrieben, dass es 5 Wochen bis zum Versand dauert. Spoiler: Die Lieferung erfolgte absolut pünktlich. Aber natürlich musste ich die Blocher-Strafe bezahlen, weil wir nicht in der EU sind: 73.35 zusätzlich für Zoll und MwSt. Macht dann alles zusammen bis hierhin stolze 730 CHF dafür, damit ich mich nicht mehr über Kevin mit seinem blauen Audi RS3 ärgern muss. Sorry Kevin, dass Du jetzt für Deine Pizza Quattro Stagioni 30 Meter weiter gehen musst.

Der Parklio ist also eingetroffen. Von aussen macht das Paket nicht viel her – ich erspare Euch also die Unboxing Experience in einem halbstündigen Youtube-Video. Und ja, es war so schwer wie erwartet und der Parkbügel macht einen massiven, stabilen Eindruck. Ausserdem gefällt er mir – für das was es ist. Leider war nur ein QR-Code für die Anleitung dabei. Macht zwar Sinn, wäre trotzdem schön gewesen, man hätte 50 Seiten nicht ausdrucken müssen (die Installation macht man ja nicht am PC, sondern wortwörtlich auf der Strasse). Und dass die Fernbedienung (es gibt noch eine App, aber ich habe es gerne doppelt sicher) nicht dabei ist und nochmals 50 CHF kostet, hat mich auch nicht gefreut. Man hätte mich in den fünf Wochen Wartezeit mal fragen können.

Kein öffentlicher Parkplatz mehr
Kein öffentlicher Parkplatz mehr

Nun gut, machen wir uns also an die Anleitung. Da steht, man brauche einen 10er Steinbohrer und einen 13er Schraubenschlüssel. Da ich davon ausgehe, dass vier Asphaltlöcher nicht ganz ohne sind und in meinem Inventar nur ein abgenutzter Bohrer dieser Grösse vorhanden ist, bestelle ich mir zwei Bohrer online. Lieferbar in 10 Tagen. Ich könnte den Heimwerkermarkt besuchen, aber meine Leidensfähigkeit hat auch Grenzen. So viel will ich dann auch nicht investieren, nur damit Abdullah seinen weissen Mercedes AMG nicht mehr vor meiner Garage parkt. Sorry Abdullah, dass Du jetzt für Deine Pizza Margherita eine Minute weiter hast.

Der Parklio hat übrigens sowohl einen Akku, der einmal pro Jahr über ein Netzteil aufgeladen werden will (gemäss Handbuch), als auch ein kleines Solarpanel. Da mein Parkplatz nach Süden ausgerichtet ist, habe ich mir das natürlich geleistet. Wenn ich Raffael und seinem schwarzen BMW M3 schon seine Pizza Pescatore vermiese, dann wenigstens nachhaltig.

Zwei weitere Wochen später, in denen es schlecht Wetter war und ich sowieso keine Lust gehabt hätte, ist alles eingetroffen und ich kann mich an die Installation machen. Der Akku und die Elektronik sind in einem abschliessbaren Gehäuse verbaut, welches gem. Hersteller überfahren werden kann, ohne dass es kaputt geht. Kabel mit Netzteil angeschlossen und 6 Stunden aufgeladen und gut ist. Im Gehäuse selbst hat es einen Barcode, den man mit der App scannen muss, damit die Steuerung per App funktioniert. Das klappt problemlos. Ich freue mich schon auf das lange Gesicht vom Rentner Binggeli, der jetzt für seine Pizza Mamma Mia nicht mehr seinen Opel Ascona auf meinem Parkplatz abstellen kann.

Löcher im Asphalt bohren? Kein Problem.
Löcher im Asphalt bohren? Kein Problem.

Dann geht es ans Eingemachte. Parklio platzieren und Löcher bohren. Vorsichtshalber bohre ich nicht zu lange, da anscheinend Asphalt flüssig wird, wenn er heiss wird. Also bohre ich dreimal im Kreis alle vier Löcher, was überraschend gut geht. Danach setze ich die mitgelieferten Expansionsdübel ein und haue drauf. Hält. Dann noch mit dem Schraubenschlüssel anziehen. Alles bestens. Danach schliesse ich die Klappe ab und teste mit der App. Es funktioniert. Schade für Pesche und seinen Trans-Am, der doch so gerne schnell mal eine Pizza Hawaii dort bequem mitnehmen will.

Parklio Fernbedienung: kaum grösser als mein Daumen.
Parklio Fernbedienung: kaum grösser als mein Daumen.

Dann trifft die Fernbedienung ein. Kaum grösser als mein Daumen und 6mm dick. Das ist mir viel zu klein, die verliere ich garantiert. Also muss ich mir noch eine grössere Halterung drumherum bauen – dafür hat man ja einen 3D Drucker.
Die Fernbedienung lernt man über die App an, das funktioniert problemlos. Allerdings ist der erste Test aus dem Auto heraus nicht erfolgreich. Erst nach dem zweiten Anlernen funktioniert es dann, allerdings alles ein bisschen langsam. Aber was sind schon die 5 Sekunden warten wenn ich dafür Fabian nicht von seiner Pizza Feta missmutig wegzerren muss.

Liegt flach per App: Parklio gibt Zufahrt frei.
Liegt flach per App: Parklio gibt Zufahrt frei.

Der Parklio Parkbügel hat einen Laser- und Magnetsensor, welches ein Hochfahren verhindert, wenn ein Auto darüber steht. Durch die Solarzelle ist die Batterie immer voll aufgeladen, sofern nicht den ganzen Tag ein Auto drauf steht, natürlich. Falls doch einmal ein Auto dagegen fahren sollte, ist der auswechselbare Splinten mit 2 Sollbruchstellen ausgestattet, um mehr als reine Karrosserieschäden zu vermeiden. Nicht, dass sich Erich dann seine Pizza Americana nicht mehr leisten kann – soweit wollen wir es ja dann doch nicht kommen lassen.

Die App bietet folgende Funktionalitäten: Hochfahren, runterfahren, automatisch schliessen, schliessen zu einer bestimmten Zeit, Aufstellen erzwingen, senken erzwingen, Neustart, Fernbedienung hinzufügen, Firmware aktualisieren und Schlüsselcode teilen. Letzteres ist für mich besonders wichtig, da andere Leute mein Auto ebenfalls benutzen. Ich habe das mit dem Handy meiner Tochter getestet und funktioniert einwandfrei. Man kann das Zeitfenster für die Nutzung des Schlüsselcodes natürlich festlegen – so kann man auch Handwerkern oder Besuchern ein zeitlich beschränktes Parkrecht geben.

In den zwei Wochen, in denen jetzt Parklio seinen Dienst tut, kann ich grundsätzlich nichts Schlechtes darüber berichten. Perfekt ist er aber noch nicht:

Für den Preis hätte ich mir gewünscht, dass Bohrer, Schraubenschlüssel und Fernbedienung gleich beiliegen. Von der Funktionalität her wäre eine Kompatibilität mit Homelink toll, denn mein Tesla Model 3 hat dies verbaut (Modelljahr 2019). Die Reichweite der App und der Fernbedienung ist durch Bluetooth begrenzt, im echten Leben bedeutet das eine Reichweite von unter zehn Metern. Das ist mir eigentlich zu wenig. Warum z.B. keine WLAN Verbindung (die ich dort hätte, wo Parklio steht) funktioniert, ist mir nicht klar. Und eine Integration in Homekit (oder ein anderes Home-Automation-System) würde neue Möglichkeiten eröffnen. Wer weiss, vielleicht gibt es mal ein Update.

Parklio gibt Einfahrt frei
Parklio gibt Einfahrt frei

Pro

  • stabile Verarbeitung und Mechanik
  • autarke Energieversorgung
  • durchdachte App
  • Fernbedienung (optional)
  • einfache Montage
  • umfangreiches Handbuch (engl.)
  • guter, deutschsprachiger E-Mail Support

Kontra

  • Reichweite FB/App zu gering
  • Keine Homeautomation Anbindung
  • FB nicht standardmässig
  • Nicht Homelink-kompatibel
  • Etwas langsam
  • Relativ teuer
  • Montagematerial nicht mitgeliefert

Fazit

In den letzten zwei Wochen hat niemand mehr eine Pizza gegessen, der auf meinem Parkplatz geparkt hat. Weil niemand mehr da geparkt hat. Mein täglicher Komfortverlust von total 10 Sekunden ist absolut verschmerzbar für den Vorteil, jetzt jederzeit in und aus meiner Garage fahren zu können. Das soll es mir wert gewesen sein.

Den Parklio Parkbügel gibt es beim Hersteller direkt.

ommentare

  1. Pingback: Keine Pizza mehr für Falschparker | Beststore24

  2. Ein herrlich geschriebener Artikel.
    Bei den Fotos hätte ich das Tor aber auch nicht als Garageneinfahrt erkannt. Wie viel Platz ist da überhaupt noch um mit einem Auto hinein zu fahren?

    • Thomas J. Bollinger Reply

      Mein Model 3 passt rein – sofern ich die Spiegel einklappe. 😀

  3. Hat der Autor was gegen Pizza oder Leute, die die lokale Wirtschaft ankurbeln? 😉
    Ne passt schon, aber wär mir definitiv zu teuer.
    Und was die Pizzeria jetzt an Einbussen hat kommt noch dazu.

  4. Jöö, ein EU-Fan.
    Nur schon die höhere Mehrwertsteuer der EU würde das Produkt teurer machen als Sie nun inkl. Zoll bezahlt haben.

    • Nein, ich habe ja die kroatischen 20% MwSt. schon mitbezahlt. Ausserdem würde mir der EWR schon genügen – aber hey, immerhin jhabe ich gelernt, dass auch SVPler lesen können.

      • Wenn Sie 20% bezahlt haben, ist sowieso etwas schiefgelaufen. Wenn es aber die 25% waren, liegt das praktisch immer an der Firma und mit Sicherheit nicht am Sünneli – besonders bei Postversand in die Schweiz.

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