Der Polestar 2 ist nebst dem VW ID.3 die spannendste Neuigkeit auf dem Elektroauto Markt in der Schweiz und Europa. Im November hatte ich noch die Möglichkeit den zweiten Wurf von Polestar vollumfänglich zu testen. Dazu berichte ich hier gerne. Wem Polestar derzeit nichts sagt, die Firma ist ein Joint-Venture des schwedischen Automobilhersteller Volvo und Geely aus China. 

Die wichtigsten Daten des Polestar 2

  • 2 Elektromotoren (Hinter- und Vorderachse) mit 300 kW / 408 PS Leistung
  • Drehmoment 660Nm
  • Reichweite nach WLTP von 470km (Verbrauch 19,3 kWh/100 km)
  • Batteriegrösse 78kWh
  • 0-100km/h in 4.7 Sekunden
  • Ladeleistung AC bis zu 11 kW – DC bis zu 150 kW
  • Ladevolumen: Frunk 35 Liter & Kofferraum 405 Liter (1095 Liter bei umgeklappten Sitzen)
Polestar 2 im Test bei Technikblog
Polestar 2 im Test bei Technikblog

Cockpit

Für mich eines der bisher edelsten Cockpits in einem Elektroauto bisher. Sehr dezent, mit dominantem Infotainment System in der Mitte im Hochformat und einem futuristischen Wahlhebel. Auch hier ist der Fokus ganz klar, wenig Eingabeelemente und Fokus auf das wichtigste. Der Polestar 2 hat zum Beispiel keinen Start-Knopf, wieso auch. Reinsitzen, Wahlheben auf “D” und losfahren. Alles auch sehr intuitiv und einfach. Aktuell braucht es für den Wagen noch den Schlüssel in der Hosentasche, Anfang 2021 soll es dann über Smartphone mit dem sogenannten “Digital Key” auch klappen.

Mir gefällt das Konzept, noch einige wichtige Taster und Einstellungsmöglichkeiten sind direkt am Lenkrad, der Rest geschieht über den Google Assistant oder Touchbedienung.

Das Cockpit des Polestar 2
Das Cockpit des Polestar 2

Android Automotive 

Einen eigenen Abschnitt verdient hat das im Polestar 2 verbaute Betriebssystem verdient. Das kommt nämlich von Google und nennt sich “Android Automotive”. Auf dem Infotainment-System des Polestar 2 laufen native Apps, die jeder Smartphone Nutzer schon kennt. So sind nebst Google Maps, das vielleicht beste Navi überhaupt in einem Auto, auch Spotify vorhanden und dank dem Google Play Store weitere Apps verfügbar. Wenn man sich mit dem eigenen Google Account einloggt sind gespeicherte Adressen, Wohnort etc alles bereits vorhanden. Obendrauf kommt dann natürlich der mächtige Google Assistant, mit dem man auch per Spracheingabe zahlreiche Funktionen abrufen kann und das Auto ohne Touchscreen “bedienen” kann. Grosser Vorteil dieses Szenarios mit einem Google Betriebssystem im Auto ist natürlich der Fortschritt von Android und dessen Entwicklung. Das bringt das Fahrzeug mit dem Infotainment System sofort auf einen hohen Level.

Android Automotive
Android Automotive

Platzangebot im Polestar 2

Für grosse Fahrer genug Platz, das war mir natürlich wichtig. Dahinter reicht es trotzdem problemlos für Kindersitze oder auch mal Erwachsene für kurzes Ausflüge. Die elektrisch verstellbaren und sehr edlen Sitze tragen einiges zum Komfort bei. Etwas ungewöhnlich empfand ich die doch sehr breite Mittelkonsole, die bei einem EV eigentlich so nicht mehr nötig wäre. Ist wohl aber eine Designsache, optisch sieht es top aus. Als (über)grosser Fahrer hätte ich mir da etwas mehr Platz gewünsch. Ganz praktisch ist dort die integriert Qi-Ladeschale fürs Smartphone und USB-C Ladebuchsen überall. Die sind auch für die Rückreihe verfügbar.

Frontreihe

An Platz mangelt es im Fahrzeug sicher nicht, das dürfte auch der langen Bauweise zu verdanken sein und dem doch sehr grossen Kofferraum trotz Stufenheck. Unter der Abdeckung befindet sich noch zusätzlich Frachtplatz und die hochklappbare Halterung für Einkaufstüten ist genial. Im sogennanten Frunk, Kofferraum unter der Motorhaube, hat man ideal Platz für Ladekabel und anderes Zubehör, das man dort verstauen kann. Finde ich ganz praktisch, hat man für die Ferien nämlich mal vollgeladen, kann bei einem Ladestop direkt am Frunk das Kabel genutzt werden. Sofern es natürlich keine DC-Ladung ist.

Polestar 2 im Test

Ganz grosses Lob gleich zu Beginn des Tests, der Polestar 2 hat das wohl beste One-Pedal-Driving das ich je gefahren bin. Die Stärke der Rekuperation lässt sich direkt in Android Automotive einstellen, bzw. sogar deaktivieren. So hat man die Stufen Aus, Gering und Standard. Sehr lobenswert ist dabei die Einstellung von Kriechen, das man deaktiveren kann. So kann ich mit einem Pedal stark verzögern, an eine Ampel fahren und komplett zum Stillstand “bremsen” ohne das Bremspedal zu nutzen.

Die Front des Polestar 2 gefällt mir sehr gut
Die Front des Polestar 2 gefällt mir sehr gut

Rein optisch macht der Polestar 2 ja schon einen sportlichen Eindruck und die Front hinterliess bei mir einen bleibenden Eindruck, sieht einfach gut aus. Die Sportlichkeit widerspiegelt sich dann auch im Fahrzeug. Drückt man satt aufs Gaspedal entfalltet der Polestar 2 das brutale Drehmoment der zwei Elektromotoren, die Beschleunigung ist eindrücklich. Da geht wirklich die Post ab und viel Freude kommt auf. Das Fahrwerk ist für mich irgendwo zwischen komfortabel und sportlich abgestimmt. Für mich stimmt der Mix, passend zum Fahrzeug absolut gut.

Sportlicher Look

Im Alltag macht der Polestar 2 vieles richtig und angenehm. Da ist einerseits der Kofferraum ohne Taster oder Hebel zum Öffnen, dazu wird nämlich einfach mit dem Fuss unter dem Auto “gewischt”. Der Kofferraum öffnet sich dann wie von Geisterhand und kann auch so geschlossen werden. Ideal wenn man mit viel Einkaufstaschen daher kommt.

Ein Ausflug als Familie mit zwei Kindersitzen auf der Rückbank (mit ISO-fix ausgerüstet) und viel Gepäck im Kofferraum war ebenfalls erfolgreich. Das Auto überzeugt und lässt dank integriertem Spotify auch Kinderherzen höher schlagen, dank endlos verfügbaren Kinderliedern und -geschichten. So überzeugt das Gesamtpaket Polestar 2 absolut. Rein optisch gefällt mir die blaue Lackierung sehr gut, wirkt dezent und edel. Bei der Fahrzeugabgabe hatte ich noch das weisse Modell mit gelben Bremssätteln besichtig, das ist dann die optisch heisse Variante des Polarsterns.

Polestar an einem Gofast HPC
Polestar an einem Gofast HPC

Polestar 2 unterwegs am Schnelllader

Den Polestar 2 hatte ich dank einigen längeren Fahrten mehrmals an einem Schnelllader aufgeladen. Das waren jeweils HPCs (High Power Chargers) von GoFast und Ionity. Dabei habe ich bei einem Trip den Akku absichtlich bis auf 18% runtergefahren um eine möglichst hohe Ladeleistung zu erreichen. Auf Grund tiefer Temperaturen um den Nullpunkt und trotz langer Fahrzeit begann die Ladung nur knapp über 50kW. Nach 10 Minuten am Schnelllader stieg sie dann bis auf 92kW Ladeleistung hoch, was ganz ordentlich ist. Daher schliesse ich dass der Akku gut vorgewärmt sein muss, was scheinbar bei normaler Fahrt bei kühlen Temperaturen nicht gut möglich ist. Da die Leistung innerhalb von 10min aber hochfährt passt das. Im Sommer gehe ich von einem deutlich schnelleren Laden aus, für die aktuelle Jahreszeit kann man so mit 100km Reichweite in rund 15-18min rechnen.

Easee Home, Solar Manager und Clean Charge Setup daheim für den Polestar 2
Easee Home, Solar Manager und Clean Charge Setup daheim für den Polestar 2

Polestar 2 daheim Laden

Zu Hause lässt sich der Polestar 2 mit dem verbauten 11kW AC Lader einfach an einer Ladestation aufladen. Hier empfehle ich immer wieder die fixe Installation einer Wallbox, einerseits aus Sicherheitsgründen mit der hohen Belastung der Kabel und andererseits wegen der Bequemlichkeit. Einfach einstecken und das Fahrzeug lädt, mit intelligenten Management-Systemen sogar je nach Solarüberschüss oder günstigem Stromtarif. Der verbaute 11kW Lader im Auto ist mittlerweile die üblichste Ausstattung bei Neufahrzeugen. Damit lade ich in einer Stunde rund 50km nach. Sollte der Polestar 2 einmal komplett leer in die Garage gestellt werden, würde eine Vollladung rund 7 Stunden dauert. Ganz praktisch ist übrigens die Einstellung im Auto für die Ladegrenze, die kann ich beispielsweise fix bei 90% belassen. Auch erwähnenswert ist der Wallbox Kabelhalter auf dem Bild, den möchte ich auch nicht mehr missen. Bequemer geht Laden zu Hause nicht.

Polestar 2 Wahlhebel
Polestar 2 Wahlhebel

Verbrauch & Reichweite

Auch der Polestar 2 Test ist einer mit Aussentemperaturen um den Nullpunkt, sprich die Verbrauchswerte sind für Winterverhältnisse aussagekräftig. Im Sommer dürfte da einiges mehr möglich sein. Ich hatte über die komplette Testzeit hinweg einen durchschnittlichen Verbrauch von 23.9kWh/100km. Bei sparsamer Fahrt und einem guten Mix aus Autobahn, Überland und Innerorts konnte ich den Polestar 2 auf 22.8kWh/100km halten. Das ist bei der Netto-Batteriekapazität von 72kWh eine Reichweite von 315km. Im Sommer schätze ich den Verbrauch auf rund 18 kWh/100km ein, damit wäre dann die Reichweite bei rund 400km. Die WLTP Angabe von 470km ist wohl nur durch extrem sparsames Bewegen des Fahrzeugs möglich. Eine solide Reichweite von über 300km im Winter ist aber völlig akzeptabel und im Ramen. Damit lässt sich auch entspannt reisen in Kombination mit der DC Ladeleistung von theoretisch 150kW.

Polestar 2

Fazit

Was für ein Auto! Der Polestar 2 mit Android Automotive und einem soliden “Volvo Look and Feel” hat mich sehr angetan. Einerseits gefällt mir das gesamte Interieur sehr gut und wie schon angetönt, finde ich den Polestar 2 optisch sehr gelungen. Als Familienvater würde ich mich über einen Polestar 2 Kombi, sprich ohne Stufenheck enorm freuen. Das wäre wohl genau das perfekte Familienauto. Auf was man beim Polestar 2 und Android Automotive besonders gespannt sein darf, ist die weiterentwicklung des Systems. Ich gehe davon aus, dass Google zahlreiche weitere Dienstleistungen und Features auf seine Auto-Plattform bringen wird – da darf man auf jeden Fall gespannt sein.

Den Polestar 2 kann man direkt bei Polestar Schweiz konfigurieren. Der Preis inklusive Überführungskosten beginnt bei 57’900.- CHF

Hans
Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

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    Sicher ein schönes Auto. Aber was man so von realen Verbräuchen liest dürften die 18 kWh/100 km im Sommer auch nicht möglich sein. Deshalb ist dieses Auto für mich leider keine Option. Effizienz gehört für mich einfach dazu.

  2. Avatar

    Informatiever Bericht zu einen echt schönen Auto. Gefällt mir gut.
    p.s: Hans, die Bilder, die kleinen Bilder…. 😉

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