Porsche Taycan 4S Test

Das war einer der kürzesten und vielleicht der Elektroauto-Test mit dem grössten Spass-Faktor bisher – der Porsche Taycan 4S. Um es schon vorab zu sagen, dieses Auto hat mich vollkommen überzeugt und ist absolut gelungenes Produkt. Bevor ich aber zu sehr ins Schwärmen gerate, hier einige technische Daten des Taycan 4S. Dieser ist übrigens die “Einstiegsvariante” in die Welt des Taycan, noch leistungsstärker sind der Taycan Turbo und Turbo S.

Porsche Taycan 4S Daten

  • Motorleistung (mit Performance Batterie Plus) 360 kW bzw. 490PS
  • Batteriekapazität: 79,2 kWh Brutto serienmässig (93,4 kWh mit Performance Batterie Plus)
  • Maximales Drehmoment bei Launch Control (Performance Batterie Plus) 650 Nm
  • Reichweite nach WLTP von 335 – 408 km und etwa 50km mit der Performance Batterie Plus
  • Lädt mit bis zu 270kW an CCS Schnellladern und AC mit 11kW

Der Testwagen ist ein Porsche Taycan 4S den es ab 129’000.- CHF gibt und in der gefahrenen Konfiguration rund 149’000.- CHF kostet.

Porsche Taycan 4S

Cockpit

Der Taycan macht nach dem ersten Blick von aussen eine sehr guten Figur, dasselbe wiederholt sich wenn man ins Cockpit schaut. Perfekte Verarbeitung, alles sehr edel gemacht und wird von den drei grossen Bildschirmen dominiert und von der analogen Stoppuhr auf dem Armaturenbrett abgerundet. Was auf den ersten Blick auffällt, auch bei Porsche gibt es weniger physische Taster und Knöpfe. Nebst ein paar verbliebenen am Lenkrad und an der Türverkleidung sind alle anderen Touchscreens gewichen. Der Touchscreen für den Beifahrer ist ohne dessen Präsenz deaktiviert und zeigt das Taycan-Logo.

Porsche Taycan Innenraum
Porsche Taycan Innenraum

Das Display in der Mittelkonsole ist mit haptischem Feedback ganz genial gemacht und lässt viele Bedienmöglichkeiten der grossen Bildschirme zu. Dabei kann auch die Zieleingabe für das Navi dort vorgenommen werden oder eine Telefonnummer gewählt werden. Auch die Lüftung lässt sich nicht direkt verstellen sonder im Menü kann ausgewählt werden wie der Luftstrom blasen soll – auch bei Porsche geht man den digitalen Weg. Ich finde den Kompromiss mit ein paar wenigen Tastern und dem mittigen Touchscreen mit haptischem Feedback sehr gelungen.

Taycan - Bildschirme überall
Taycan – Bildschirme überall

Besonders der einstellbare Bildschirm für den Fahrer mit den wichtigsten Infos ist sehr gut ablesbar und mit der Abrundung edel gemacht. Dabei ist vor allem das Karten-Layout bei längeren Fahrten sehr praktisch. Das Display kann aber auch nur die Geschwindigkeit anzeigen, spartanisch aber irgendwie auch passend zum Konzept eines reinen Sportwagens.

Platzangebot vorne im Taycan
Platzangebot vorne im Taycan

Innenraum

Für einen Sportwagen mit 4 Plätzen wie den Taycan hatte ich deutlich engere Platzverhältnisse erwartet. Trotz knapp 2 Metern Körpergrösse hatte ich aber problemlos Platz auf den beiden Vordersitzen. Als Fahrer danke des sehr gut verstellbaren Lenkrads fühlt man sich sofort wohl und auch gut eingebettet in den Sitzen. Zur Verarbeitung und Komfort muss ich wenig sagen, die Bilder sprechen für sich und Porsche hat nicht umsonst einen Premium-Brand aufgebaut.

Hintere Sitzreihe im Porsche
Hintere Sitzreihe im Porsche

Auf der Rückbank mit zwei Plätzen finden bei grossen Personen vorne hinten Kindern problemlos Platz, für Erwachsene ist es etwas enger. Für eine Spritztour mit dem Taycan auf dem Rücksitz hat sich aber bisher keiner beschwert – auch da ein absolutes Erlebnis.

Auch der Taycan hat einen Frunk - erstaunlich gross sogar
Auch der Taycan hat einen Frunk – erstaunlich gross sogar

Erstaunlich empfand ich für einen Porsche auch das Stauvolumen. Einerseits hat er einen sehr grossen “Frunk”, Kofferraum unter der “Motorhaube” – wobei hier das Wort eigentlich nicht passt. Immerhin passen dort satte 84l Gepäck rein und im sehr tiefen Kofferraum nochmals 407l. Das reicht problemlos auch für längere Ausflüge, die mit einem Taycan definitiv auch Spass machen.

Kofferraum des Taycan
Kofferraum des Taycan

Fahrgefühl mit dem Taycan

Soviel ist für mich klar, von allen Elektroauto-Tests die ich bisher gemacht habe, hat mich der Porsche Taycan 4S vom Fahrgefühl und Spassfaktor einfach am meisten überzeugt. Die brachiale Leistung die der Taycan 4S auf die Strasse bringt ist enorm – da gibt es auch andere Kandidaten auf dem Markt die ähnliches zu Stande bringen. Aber die Fahrwerksabstimmung habe ich noch bei keinem Auto annähernd so gut empfunden. Der Taycaon haftet förmlich auf der Strasse durch eine nahezu perfekte Traktion durch den Allradantrieb, der die Leistungsabgabe pro Achse dynamisch regelt. Dazu kommt das 4D-Fahrwerk mit adaptiver Luftfederung, elektronischer Dämpferregelung (PASM) und Wankstabilisierung.

Ebenfalls erwähnenswert ist der Soundgenerator, den “Porsche Electric Sport Sound”. Dieser kann im Menü auch deaktiviert werden und wurde eigens für den Taycan komponiert. Die Beschreibung des Sounds fällt mir sehr schwierig, irgendwie angelehnt an Verbrenner, gemischt mit etwas futuristischem und dem Surren eines Elektromotors. Ich hatte mich schnell daran gewöhnt und fand es angenehm damit zu fahren. Der Sound ist Innen wie auch aussen zu hören.

Electric Sport Sound für den Taycan
Electric Sport Sound für den Taycan

Fahrmodi gibt es im Taycan deren vier und die lassen sich entweder im Menü oder direkt am integrierten Mode-Schalter am Lenkrad verstellen: „Range“, „Normal“, „Sport“ und „Sport Plus“. Im Modus „Individual“ können zudem einzelne Systeme nach Wunsch konfiguriert werden. Voraussetzung für die Modi „Sport Plus“ und „Individual“ ist das Sport Chrono-Paket. Der Range-Modus lässt den Taycan besonders stromsparend bewegen, dass dank einer maximal effizienten Allradverteilung. Ganz im Gegenteil zu “Sport Plus”, dort geht es um maximale Leistungsausbeute. Der Allradantrieb wechselt zu einer hecklastigen Verteilung und wird dynamisch geregelt. Das Auto wird je nach Geschwindigkeit um mehr als 2cm abgesenkt. Abgerundet wird das alles noch von der serienmässig verbauten Launch Control. Diese ermöglichen es zum Start aus dem Stand die Motoren mit einem “Overboost” eine maximale Leistung bereitzustellen. Wer mal in einem Taycan sitzen darf, sollte das unbedingt ausprobieren.

Das sogenannte One-Pedal-Drive wie man es von vielen gängigen Elektroautos kennt ist beim Taycan nicht möglich. Entweder man fährt ihn ohne Rekuperation oder nur mit leichter (einstellbar durch Taster am Lenkrad). Erst beim Andrücken der Bremse wird über Rekuperation aktiv gebremst, das wurde von Porsche bewusst so entwickelt und so behält das Auto die sportliche Fahrweise. Kann ich durchaus verstehen, das Auto wurde nicht gebaut um Effizienzrekorde purzeln zu lassen.

Der Taycan überzeugt mit schnellster Ladetechnik an CCS Säulen
Der Taycan überzeugt mit schnellster Ladetechnik an CCS Säulen

Porsche Taycan am Schnelllader

Der Taycan ist dank der 800V Batterie prädestiniert und dafür ausgelegt sehr schnell zu laden. Die maximale Ladeleistung liegt bei 225 kW beziehungsweise 270 kW (mit Performance-Batterie Plus). Das ist konkurrenzlos und wollte ich natürlich ausprobieren – dazu wollte ich den 300kW Schnelllader in Würenlos ausprobieren – diese wurde aber gerade die Tage vorher offenbar abgebaut – die Anfrage bei GoFast blieb unbeantwortet. Sehr schade, so konnte ich nur an einem 150kW Charger testen, jeweils von Gofast und Ionity. Bei beiden ging die Ladekurve sehr schnell auf 147kW (SOC unter 50%) und blieb auch bei 85% sogar noch über 100kW. Das ist eindrücklich und natürlich enorm schnell. Ich konnte an einem 150kW Schnelllader 40kWh in 16min laden, entspricht knapp 200km Reichweite. Die CCS-Ladebuchse des Taycan befindet sich vor der Beifahrertüre.

Den Taycan nur mit Solarenergie laden - dank Solar Manager
Den Taycan nur mit Solarenergie laden – dank Solar Manager

Taycan daheim Laden

Wie alle Elektroautos die ich teste, lade ich meistens daheim. Das ist bequem und der grosse Vorteil der Elektromobilität – bei mir vor allem auch dank Kopplung an die Photovoltaik-Anlage und dem stufenlosen Laden über den Solar Manager. Der Taycan kann auf beiden Seiten über Typ 2 geladen werden, wie oben schon erwähnt ist der Schnelllader-Anschluss CCS nur rechts vorhanden. Die Ladeleistung beträgt 11kW, das heisst für eine Ladung von 0-100% benötigt man rund 8 Stunden. Das ist selten der Fall das man komplett leer ankommt und sonst weis man, über Nacht ist das Auto wieder komplett geladen.

Porsche Taycan 4S Cockpit
Porsche Taycan 4S Cockpit

Reichweite

Die Reichweite ist bei Elektroautos immer ein Thema, auch wenn ich behaupte dass bei Reichweiten von 300-400km keine Probleme selbst bei längeren Reisen zu erwarten sind. Beim Porsche Taycan 4S ist in meinem Testfahrzeuge eine Performancebatterie Plus mit 93,4 kWh Brutto-Batteriekapazität (Netto-Batteriekapazität: 83,7 kWh) verbaut. Porsche gibt eine Reichweite nach WLTP von 389 – 464 km an. Das ist durchaus realistisch ich hatte über den ganzen Test hinweg 22.6kWh/100km und habe dabei selten auf eine effiziente Fahrweise geachtet. Wenn ich das gemacht habe, kam ich mit 17.5kWh/100km durch. Der Taycan lässt sich also auch vergleichsweise sparsam fahren und käme damit locker an 464km die Porsche angibt. Nutzt man aber die Leistung etwas aus, sind es klar unter 400km Reichweite.

Porsche Taycan 4S
Porsche Taycan 4S

Fazit

Der Porsche Taycan 4S liefert ab was man von einem Porsche erwarten kann und für einen Erstling im Bereich mit reinem elektrischen Antrieb, ist das einiges. Nur schon die 800-Volt-Technologie der Batterie die es ermöglich zig Mal nacheinander von 0 auf 200km/h zu beschleunigen ohne Leistungseinbussen. Das ist für den täglichen Gebrauch nicht relevant, zeigt aber was Porsche aus dem Auto herausholen kann. Die Hochvolt-Batterie erlaubt auch enorme Ladeleistungen bis zu 270 kW – das sind alles Bestwerte. So hat es sich auch im Test angefühlt, ein durchdachtes und edles Auto mit brachialer Kraft. Als bleibender Eindruck hinterlässt der Taycan 4S bei mir ein sensationelles Fahrerlebnis, dies dank perfekter Strassenlage. Wer die Chance bekommt einmal in einem Taycan mitzufahren oder selbst ans Steuer zu sitzen, geniesst es!

Der Testwagen ist ein Porsche Taycan 4S den es ab 129’000.- CHF gibt und in der gefahrenen Konfiguration rund 149’000.- CHF kostet.

Hans
Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. Avatar

    Hallo Hans,
    ich fahre den Taycan nun seit über 2 Monaten und ca. 6000km und kann Deinen Bericht so unterschreiben. Es ist für mich persönlich und meine Anforderungen das derzeit ideale Auto auf dem Markt. Ich habe gerade eine Langstrecke von ca. 1750km hinter mir und konnte keine Einschränkungen gegenüber einem Verbrenner bemerken. Im Gegenteil, das Fahrerlebnis ist deutlich höher und einfach nur unbeschreiblich gut.
    Mein Verbrauch liegt bei durchschnittlich sportlicher Fahrweise bei ca. 20,5kWh/100km. Auf deutschen Autobahnen wo man mit dem Wagen auch mal 200+ km/h fährt. Aber gerade das bringt eine enorme Rekuperationsleistung ins Auto und der Verbrauch geht deutlich nach unten sobald man bremsen muss. Diese Leistung ist, so glaube ich, auch derzeit extrem am oberen Ende von dem was auf der Straße fährt.
    Was ich ergänzen muss ist die automatische Rekupertion. Diese ist einfach genial und ich nutze sie. Das Auto richtet sich nach dem Verkehr und rekuperiert dann auch so stark wie man es vom Tesla kann, aber nur wenn die Straße eben nicht frei ist. Und das entspannt das Fahren deutlich gegenüber einem Model S was ich ab und zu nutze kann. Ich weiß nicht ob das Porsche InnoDrive (womit mein Wagen ausgestattet ist) auch Einfluß darauf hat, weil das Auto hier beim “selbstfahren” bis 2km nach Vorne schaut auf Straßenverlauf, Verkehrslage etc.
    Wenn ich auf der Autobahn gleiten will, dann kann ich das einfach tun, so wie man es kennt. Für mich ist dies die ideale Einstellung. Über das Lenkrad lässt sich das auch sehr schnell umschalten.
    Aber wie gesagt, ein toller Bericht und man merkt, dass Du Dich wirklich mit dem Auto beschäftigt hast 😉

    • Hans

      Danke für dein Feedback und es freut mich immer wenn ich den Punkt treffe 😉

  2. Avatar

    Lieber Hans
    Unter den 150kFr Elektro-Porsches ist der 4S sicher die Referenz (absichtlich etwas spitz formuliert)
    Nach welchen Kriterien soll der Taycan die Referenz sein? Sportliches Fahren, Verarbeitung? Da bin ich sehr zuversichtlich und will es selber noch erleben. Aber sonst… sehe ich da keine “Referenz” verglichen mit Tesla.
    Dass Porsche-Fahrer ihren 911 oder Panamera abgeben und eine Elektro-Option wählen können ist absolut der richtige Weg.
    Beste Grüsse Harry

    • Hans

      Hallo Harry,
      Verarbeitung, Leistung und Fahrwerk. Was OTA etc anbelangt ist Tesla führend, da gebe ich dir recht.

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