Tesla Model 3 SR+ im Alltagstest

Das Tesla Model 3 hat 2019 für am meisten Furore gesorgt und die Verkaufszahlen von Elektroautos, gerade in der Schweiz, in die Höhe getrieben. Im Herbst letzten Jahres habe ich rund 500km mit einem Tesla Model 3 Long Rage (AWD) abgespult und darüber berichtet. Nun bekam ich endlich die Möglichkeit ein Model 3 Standard Range Plus (SR+) länger zu testen – nennt sich auf Deutsch übrigens “Standard-Reichweite Plus”. Dieses Modell kann man sich auf Tesla.com für 44’900.- CHF konfigurieren, das von mir getestete Fahrzeug kostet mit der roten Lackierung noch zusätzlich 2’100.- CHF.

Tesla Model 3 SR+ Testfahrzeug:

  • Reichweite (WLTP): 409 km
  • Batteriekapazität: ca. 55 kWh (keine offiziellen Angaben)
  • Beschleunigung: 5,6 Sek 0-100 km/h
  • 306PS
  • Gepäckraum: 542 Liter
  • Vordersitze mit 12 elektrischen Verstellfunktionen und Sitzheizung
  • Getöntes Glasdach mit UV- und Infrarot-Schutzschicht
  • Premium-Konnektivität (30 Tage inbegriffen)
  • Autopilot: Ermöglicht automatisches Lenken, Beschleunigen und Bremsen unter Berücksichtigung von Fahrzeugen und Fußgängern auf seiner Spur.
Tesla Model 3 SR+ im Test
Tesla Model 3 SR+ im Test

Innenraum

Einen Innenraum mit mehr Minimalismus als das Tesla Model 3 gibt es wohl kaum. Ohne Aufpreis erhält man einen Innenraum, komplett in schwarz gehalten und mit einer Zierleiste in Holzoptik. Diese dominiert das Bild zusammen mit dem mittigen 15″ Touchscreen, welcher beim Model 3 erstmals im Querformat verbaut wurde. Was auf den zweiten Blick auffällt sind auch die fehlenden Lüftungsschlitze und -auslässe wie man sie sonst kennt, die komplette Belüftung ist etwas oberhalb der Zierleiste versteckt. Dezent und steuerbar über den Touchscreen.

Tesla Model 3 SR+ Innenraum
Tesla Model 3 SR+ Innenraum

Auf der Rückbank finden sich zwei vollwertige Sitze und ein Dritter in der Mitte für kurze Fahrten. Die beiden seitlich haben ISOfix Befestigungen, was für Familien mit Kleinkindern ein wichtiger Anhaltspunkt sein dürfte. Ich als sehr gross gewachsene Person habe den Fahrersitz auf dem Bild für meine Grösse eingestellt, das reicht hinten für Kinder problemlos. Für längere Fahrten mit vier erwachsenen ist es etwas enger, bei meiner Körpergrösse hat man den Kopf auch direkt am Glasdach. Dieses wiederum hilft aber etwas mehr Raumgefühl zu geben mit Blick nach oben zum Himmel.

Zweite Sitzreihe im Model 3
Zweite Sitzreihe im Model 3

Cockpit

Das Cockpit des Model 3 besticht durch seine Schlichtheit und wer zum ersten Mal mit dem Model 3 unterwegs ist, wird sich an einige Dinge gewöhnen müssen. Dabei sind aus meiner Sicht zwei Dinge gewöhnungsbedürftig: Einerseits die reine Bedienung über den Touchscreen. Temperatur verstellen, Musikwahl oder auch die Lenkradposition und Aussenspiegel, alles wird an der zentralen Bedieneinheit gemacht. Da ich mittlerweile schon einige Teslas gefahren bin, habe ich mich gut daran gewöhnt. Was etwas länger dauert und beim Model S und Model X Test kein Thema war: Die fehlende Anzeige hinter dem Lenkrad. Auf vieles kann ich verzichten, dass man aber leicht nach rechts blicken muss für die Anzeige des aktuellen Tempos ist gewöhnungsbedürftig.

Tesla Model 3 Cockpit
Tesla Model 3 Cockpit

Wie schon in meinem Kurztest des Model 3 erwähnt, kann man über das Lenkrad einige Funktionen bedienen: “Die Räder am Lenkrad lassen sich nach oben & unten scrollen, sowie auch nach rechts und links und klicken. Damit bedient man Abstandsregelung, Sprachassistenz, Geschwindigkeit, Lautstärke und nächste(s)r/letzte(s)r Sender/Lied und hat man nach wenigen Minuten gut im Griff.
Bei vielen europäischen Autos ist man es sich gewohnt, dass der Schalter rechts neben dem Lenkrad für den Scheibenwischer reserviert ist. Bei Tesla schaltet man dort zwischen den Fahrmodi um. Nicht nur das, auch der Autopilot bzw. Abstandstempomat wird darüber bedient.

Model 3 Innenraum
Model 3 Innenraum

Kofferraum

Der Kofferraum des Tesla Model 3 ist um einiges grösser als man zuerst denkt. Der Gepäckraum misst 542 Liter und diese vor allem in der Länge und im zusätzlich tiefen Fach hinten. Einzig in der Höhe hat man durch die Form der Heckklappe, die sich übrigens nicht automatisch öffnet, eine Einschränkungen. Bei Ausflügen mit der Familie und zwei Kindern hat das Volumen sehr gut ausgereicht. Einzig die Höhe mit dem Kinderwagen ist etwas eng, aber wenn man ihn ganz zusammenlegt passt es.

Tesla Model 3 Kofferraum
Tesla Model 3 Kofferraum

Nach meinem Beitrag zum Tesla Model Y und ersten Bildern von Käufern aus den USA, hat sich Stephan auf Twitter gemolden und ebenfalls Fotos vom Kofferraum gemacht. Der neue Trend scheint die Masse mit Toilettenpapier abzubilden. So haben im Model 3 bei heruntergelegten Rücksitzlehnen 10 Stk. in der Breite Plätz und in der Länge rund 15 Rollen. Genug für viele Leute um darin zu schlafen.

Model 3 Kofferraum
Model 3 Kofferraum

Frunk

Das Wort “Frunk” dürfte kein anderer Hersteller so sehr geprägt haben wie Tesla. Ursprünglich kommt es vom englischen “Trunk” was für Kofferraum steht. Weil es bei Elektroautos oft genug Platz hat für eine Staufläche im vorderen Teils des Fahrzeugs, “Front-Trunk” kam die Abkürzung Frunk auf. Wie man sieht ist die beim Model 3 ziemlich gross. Da nicht so hoch würde es bei mir nicht für den Wocheneinkauf reichen, ich habe jeweils das Pannendreieck, Typ 2 Ladekabel und Notladegerät (UMC) im Frunk.

Verarbeitung

Was immer eine Diskussion ist in Foren und sozialen Medien: Die Verarbeitungsqualität von Tesla. Ja auch mein Testmodell hatte im Innenraum bei der Auslieferung einige Flecken und Spaltmasse waren nicht überall korrekt. Die Frage ist wie sehr man diesen Mackeln Gewicht einräumen will und soll. Für den Flecken wird die Reinigung übernommen und entsprechend Hilfe angeboten, bei der Übergabe hat man Zeit das Auto zu begutachten.

Frunk des Model 3
Frunk des Model 3

Tesla Model 3 SR+ Fahrbericht

Wer zum ersten Mal einen Tesla oder Elektroauto fährt wird sich aber dem massiven Drehmoment des Elektromotors erstaunen. Das Model 3 SR+ beschleunigt mit seinen 306PS in nur 5.6 Sekunden von 0-100km/h, das ist enorm für ein Auto in der Preisklasse unter 50’000.- CHF. Im Vergleich zu den deutlich besser motorisierten Teslas die ich bisher gefahren habe muss ich sagen: Die Leistung reicht völlig und würde mir zu genüge ausreichen. Auch aus dem Stand und für Überholmanöver ist die Leistung problemlos ausreichen und auch trotz “nur Hinterradantrieb” kommt es im Model 3 SR+ zu keinem durchdrehen der Räder. Die Traktionskontrolle regelt den Elektromotor sehr fein, das kenne ich von anderen Hersteller anders. Das hohe Drehmoment führt nämlich oft zu durchdrehenden Rädern.

Das Model 3SR+ hat den Antrieb nur auf der Hinterachse
Das Model 3SR+ hat den Antrieb nur auf der Hinterachse

Spass macht das Auto auf jeder Fahrstrecke, da hilft natürlich der tiefe Schwerpunkt durch die Batterie im Boden. Im Vergleich zu den Fahrwerken der grösseren Brüder S & X merkt man hier natürlich deutliche Unterschiede: Weniger Komfort, mehr Sportlichkeit und agiler. Mit dem Fahrzeug macht es auch Spass Pässe zu fahren, aber auch für Ausflüge mit der Familie wenn es etwas ruhiger ist problemlos.

Türöffner des Model 3
Türöffner des Model 3

Ausgeliefert bei der Abholung, die ich selbst mitmachen durfte in Höri ZH, wird das Model 3 mit zwei Zugangskarten zum Auto. Wer einen Keyfob will, muss diesen zusätzlich kaufen. Gefahren und entsperrt wird mit der “Kreditkarten-grossen Karte” oder mit dem Smartphone. Dazu muss man sich mit dem persönlichen Tesla-Account in der App Zugang zum Fahrzeug autorisieren. Ich bin eigentlich nur so gefahren, die Karte hatte ich für den Notfall aber noch in der Brieftasche, das System hat aber tadellos funktioniert, so dass ich die Notfallkarte nie brauchte.

Tesla Model 3 SR+ Test
Tesla Model 3 SR+ Test

Wer die Annehmlichkeiten eines Teslas bezüglich Konnektivität kennt, muss sich beim Kauf des Standard-Reichweite Plus Model 3 aber auf folgende Einschränkung einstellen: Die Premium-Konnektivität ist nur ein Jahr inbegriffen und muss danach bezahlt werden. Diese beinhaltet:

  • Satellitenkarten mit Echtzeit-Verkehrsflussanzeige
  • Internet-Streaming für Musik und Medien
  • Häufigere Updates über Mobilfunk
  • Internet-Browser

Nach wie vor ungeschlagen bei allen verfügbaren Elektroautos ist der Routenplaner von Tesla, mit dem im Auto Fahrziele inklusive Ladestops automatisch geplant werden. Dabei werden Ladestops an den Superchargern mit Restreichweiten berechnet und die Gesamtfahrzeeit angezeigt. Wenn Tesla das Feature noch mit planbaren Zwischenhalten auffrischt, dann kommt das nahe zur Perfektion.

Model 3

Verbrauch & Reichweite

Der Test des Tesla Model 3 SR+ fand im Februar statt, entsprechend waren die Temperaturen tief, jeweils leicht über dem Gefrierpunkt. Damit habe ich hier realistische Resultate erzielen können für den Winterverbrauch eines Model 3. Über den gesamten Testzeitraum und damit rund 1000km Fahrdistanz, habe ich einen durchschnittlichen Verbrauch von 19.3kWh/100km erreicht. Je nach Mix der gefahrenen Strassen und Fahrstil kann man den Verbrauch natürlich optimieren. Längere Fahrten auch grossem Anteil auf der Autobahn konnte ich problemlos mit 17.5kWh/100km zurücklegen, das Model 3 ist also sehr sparsam zu fahren. Im Sommer sollten Verbräuche unter 16kWh/100km möglich sein. Zusätzlich habe ich den Verbrauch bei 100km/h ermitteln und kam auf rund 16.8kWh/100km.

Im Vergleich hatte ich mit dem Model 3 AWR im Sommer rund 14.6kWh/100km bei 100km/h. Die rund 2kWh zusätzlich dürften von der Heizung kommen.

Das Model 3 SR+ hat eine Reichweite von rund 350km
Das Model 3 SR+ hat eine Reichweite von rund 350km

Tesla gibt auf der Website für das Model 3 Standard-Reichweite Plus eine Reichweite nach WLTP von 409km an. Wenn ich das Auto vollgeladen hatte, wurden rund 350km angezeigt. Das wäre bei sparsamer Fahrweise wahrscheinlich knapp möglich, bei mir waren es eher 300 – 320km Reichweite und damit dürfte es auch mit dem Verbrauch etwa hinkommen. Im Sommer dürften die 350km aber sicher gut möglich sein.

Tesla Model 3 SR+ an einem Supercharger
Tesla Model 3 SR+ an einem Supercharger

Tesla Model 3 unterwegs laden

Natürlich bietet es sich als Tesla-Fahrer an die eigenen Supercharger zu nutzen. Das habe ich natürlich auch gemacht, auch um zu sehen mit welchen Ladegeschwindigkeiten das Model 3 trumpfen kann. In meinem Fall war das Maximum 109kW. Wenn man ohne richtiges Vorwärmen oder mit fast leerem Akku (mit 9km Restreichweite probiert) zum Supercharger fährt ist die Leistung um einiges tiefer (40kW). Theoretisch sind 150kW möglich, aktuelle Ladegebühren liegen bei 0.32CHF/kWh. Für eine “theoretische Vollladung” würde also rund 17.- CHF kosten.

Das Tesla Model 3 mit eigenem PV-Strom gesteuert laden
Das Tesla Model 3 mit eigenem PV-Strom gesteuert laden

Tesla Model 3 zu Hause laden

Zu Hause habe ich seit rund 3 Jahren eine eigene Ladestation von Keba, die 22kW Ladeleistung liefern könnte. Die wird über den Solar Manager angesteuert und lädt den Tesla mit möglichst viel selbst erzeugtem PV-Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage. Stelle ich im Solar Manager die Ladestation auf volle Leistung, kann das Model 3 maximal mit 11kW laden. Zu Details über das AC-Laden des Model 3 hatte ich einmal einen Beitrag geschrieben. Wichtig zu wissen für weniger versierte Leser: In der Schweiz werden Ladestationen mit 11kW meistens problemlos zugelassen, das reicht um das Model 3 mit maximaler Leistung zu laden. Würde man das Auto fast leer in der Garage parken, würde der Ladevorgang rund 5 Stunden dauern. Das Auto wird also über Nacht immer problemlos vollgeladen.

Tesla Model 3 Standard-Reichweite Plus
Tesla Model 3 Standard-Reichweite Plus

Fazit

Ich hatte viel Fahrspass mit dem Tesla Model 3 SR+ und muss sagen, die Reichweite dieses Modells würde für meine privaten Zwecke ausreichen. Ich bin sehr gut mit dem Schweizer Ladenetz vertraut und komme damit problemlos über die Runden, ich würde damit auch problemlos in den Urlaub nach Italien fahren und hätte keine Probleme mit Reichweite oder ein paar Ladestopps. Ich persönlich würde das Model 3 mit Anhängerkupplung konfigurieren und es käme nahe an das, was ich suche. Für mich müsste die Heckklappe auch die Rückscheibe öffnen, für mehr Laderaum in der Höhe. Diesen Wunsch wird das Model Y erfüllen. Alles in allem aber ein sehr gutes Auto das mit dem Preis und den bisherigen Absatzzahlen einen Benchmark gelegt hat.

Das Tesla Model 3 gibt es bei Tesla.com direkt zu bestellen ab 44’990.- CHF.

Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. Marco Lastro Reply

    Top Bereicht.. Es isch schon erstaunlich wie gut Tesla mittlerweile ist und zu welchem Preis man dies bekommt.. Die Leistung reicht ja vorrätig aus.. Ich meine die meisten fahren jetzt mit 100-170ps rum. Ja ich warte noch mal ab bis das Y-Model rauskommt, da ich es live sehen will und schlage dann sehr wahrscheinlich zu.. Danke Dir Hans..

    • Auf das Model Y bin ich auch gespannt, machen wir dann wieder eine gemeinsame Ausfahrt 😉

  2. Sehr interessanter Beitrag! Kannst du viellecht deine Erfahrungen im Bezug auf Service teilen? Die Kisten dafür sollen ja sehr niedrig sein aber ich konnte keine konkreten Zahlen finden.

    • Kann ich dir leider nicht beantworten, da es nur ein Test war ohne Servicenutzung.

  3. Eine genau Kostenaufstellung für den Service des Model 3 habe ich bisher leider auch noch nicht gefunden. Tesla ist in der Hinsicht wirklich sehr speziell. Ich kann dir nur sagen, dass die Kosten extrem tief sind, das kann ich aus Erfahrung von meinem Model S sagen (bisher 0 CHF Servicekosten in 3 Jahren). Ein paar Informationen dazu: https://teslawissen.ch/tesla-servicekosten-vergleich-benziner-und-diesel/ und https://www.tesla.com/de_CH/support/car-maintenance?redirect=no

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