Seat Mii electric Test

Wieder steht ein Bericht zu einem aktuellen Elektroauto an, diesmal handelt es sich mit dem Seat Mii electric um einen Kleinwagen. Der Mii electric ist der günstigste Einstieg in die Elektromobilität beim Volkswagen Konzern und bietet mit einem Anschaffungspreis ab 19’850.- CHF ein spannendes Gesamtpaket an. Der Mii electric ist im Konzern fast baugleich zum VW e-up! und zum Škoda Citigo e iV.

Seat Mii electric Features

  • Volle Alltagstauglichkeit mit einer Reichweite von 259 km
  • Erschwingliche E-Mobilität zum Preis eines vergleichbaren Benziners
  • Dynamisch: in nur 3,9 Sekunden auf 50 km/h
  • Lithium-Ionen Batterie mit einer Kapazität von 32,3 kWh
  • Erschwinglich: Schon ab CHF 19‘850 erhältlich
  • Masse: Länge: 3.556 mm, Breite: 1.645 mm, Höhe: 1.481 mm, Radstand: 2.421 mm

Beim getesteten Modell handelt es sich um einen Mii electric Plus etwas Zubehör und einem finalen Preis von 23’384.- CHF.

Vordersitze im Seat Mii Electric
Vordersitze im Seat Mii Electric

Innenraum

Bin ich irgendwo mit dem Seat Mii electric aufgetaucht, kam sofort die Frage auf: “Passt du überhaupt in das Auto?”. Berechtigte Frage, denn mit knapp 2m Körpergrösse bin ich sicher über der Norm und war selbst erstaunt, als ich zum ersten Mal im Mii electric Platz genommen hatte. Die Platzverhältnisse bei den Vordersitzen sind völlig ausreichend und sogar ziemlich geräumig. Gerade in der Höhe hatte ich beispielsweise einiges mehr Spielraum und Platz als im letzten Testwagen, dem JAC. Auch zu zweit ist es kein Problem mit dem Mii electric und das passt auch mal für längere Strecken in der Schweiz, wo man 1-2 Stunden unterwegs ist. Dahinter wird es aber sehr eng, die hintere Sitzbank ist kaum zu gebrauchen wenn vorne zwei grosse Personen sitzen. Diese dient für Notfälle und kleine Strecken.

Zweite Sitzreihe im Mii electric: Nur für Notfälle und Kurzstrecken geeignet
Zweite Sitzreihe im Mii electric: Nur für Notfälle und Kurzstrecken geeignet

Das gilt auch für den Kofferraum mit 251L Volumen. Dieser dient vor allem für tägliche Besorgungen, zwei Einkaufstüten passen gerade noch gut rein. Muss man einmal etwas mehr oder grösseres Transportieren, einfach die zweite Sitzreihe umklappen. Als Zweisitzer und einem Kofferraumvolumen von knapp über 900L hinten, ist der Mii electric für einiges gewappnet.

Cockpit

Dominitiert wird das Cockpit des Mii electric einerseits durch die durchgezogene, weisse Kunststoff Abdeckung mit Verzierung und der mittig angebrachten Smartphone-Halterung. Grundsätzlich ist das Cockpit einerseits modern aufgebaut und anderseits doch rudimentär zurückhaltend. Das Lenkrad beispielsweise hat keine Bedienelemente und der Tacho ist ein traditionelles Zeigerinstrument. Auf ein grosses Display wurde verzichtet, eine kleine Anzeige dient dazu die wichtigsten Einstellungen vorzunehmen. Vor allem Radio etc. wird darüber bedient. Für Navigation oder weitere Anzeigen wie Verbrauch und Fahrdaten, kann das Smartphone genutzt werden. Praktisch ist die fix verbaute Halterung in der Mitte des Cockpits, diese kann für alle Smartphone-Grössen verstellt werden. Das Smartphone muss mittels Bluetooth an den Mii electric gekoppelt werden, dank verbautem USB-Anschluss kann  mit einem passenden Kabel auch direkt geladen werden.

Seat Mii Cockpit
Seat Mii Cockpit

Die Lösung mit dem Smartphone als Display fand ich nach einige Stunden Nutzung des Fahrzeugs immer besser. Einerseits lässt sich die App direkt über den Touchscreen bedienen, andererseits aber nach er Kopplung auch direkt über die Tasten des Mii. Das fand ich sehr gut gelöst und sauber integriert. Was mich aber am Meisten überzeugt hat ist die Nutzungsart. Das kleine Stadtflitzer wird bei Käufern sicher oft für Kurzstrecken und bekannte Routen eingesetzt. Da ist weder ein Navigationsgerät noch die Sicht auf Verbrauchsdaten zwingend nötig, geht es mal weiter setzt man das Smartphone in die Halterung und nutzt den zusätzlichen Bildschirm. Daher empfand ich die Lösung als sehr gelungen für den Einsatzzweck des Fahrzeugs. An was ich mich in der Testzeit nicht gewöhnen konnte, war das entfernen des Smartphones. Ich bin immer ausgestiegen und erst nach einigen Metern fiel mir wieder ein, dass ich mein Telefon noch in der Halterung hatte.

Seat Mii electric mit Smartphone App
Seat Mii electric mit Smartphone App

Fahrbericht Seat Mii Electric

Bei der Fahrt mit dem Seat Mii electric ist nach den ersten Kilometern bereits klar, das Auto macht vor allem im Stadtverkehr enorm viel Spass. Einerseits sehr kompakt und perfekt für die kleinsten Parklücken und andererseits dank des E-Antriebs eben auch agil unterwegs. Der Mii ist dabei kein Leistungswunder, verbaut ist ein Motor mit 61kW Leistung, was rund 83 PS entspricht. Die sind aber dank einem Drehmoment von 212Nm sofort abrufbar, wie man es von Elektroautos kennt, so sind 0 auf 50 km/h in 3,9 Sekunden möglich. Eine Kehrtwende die ich im täglichen Arbeitsweg jeweils fahren muss und mit anderen Fahrzeugen jeweils ein Rücksetzen verlangt, ist mit dem Mii electric dank tiefem Wendekreis direkt möglich. Die kompakte Bauweise hat auch seine Vorteile und die spielt er kleine Wagen aus.

Aber auch auf der Autobahn ist es kein Problem mit dem Mii electric mit 120km/h mitzuhalten. Die Beschleunigungswerte sind hier nicht mehr hoch aber es lässt sich gut im Verkehr mitfahren. Auch hier wurden wie beim VW-Konzern mittlerweile übliche mehrere einstellbare Rekuperationsstufen verbaut. Total sind es deren 4 und damit lässt sich aktiv verändern, ob der Mii electric gar nicht verzögern und rekuperieren soll oder stark. Mit seinem klaren Einsatzgebiet im urbanen Raum habe ich ihn den Mii electric fast nur im Modus “B” gefahren, was der stärksten Rekuperation entspricht. Damit lässt sich auch mittels elektrischer Verzögerung bis zum Stillstand bremsen, was sich in einem angenehmen “One-Pedal-Drive” Fahrverhalten niederschlägt – perfekt.

Seat Mii electric
Seat Mii electric

Verbrauch & Reichweite

Der Seat Mii Electric hat einen verbauten Akku mit einer Kapazität von 36.8 kWh. Davon sind 32.3 kWh nutzbar, was in Anbetracht der Fahrzeuggrösse und im Vergleich zum aktuellen e-Golf von 2017 doch viel ist. Da war ich natürlich gespannt auf die Reichweite mit dem kompakten Flitzer. Die Bedingungen während der Testzeit waren Temperaturen um den Nullpunkt, meistens knappt darüber. Ideal also um die Wintertauglichkeit des Mii electric zu testen. Dabei hat er über die komplette Testzeit einen mittleren Verbrauch von 18.1kWh/100km aufzuweisen. Wenn man ihn für Stadtverkehr und Strecken ausserorts nutzt, ohne grosse Autobahnabschnitte, komme ich derzeit auf 16.2kWh/100km. Ich gehe davon aus, dass bei höheren Temperaturen Verbräuche um rund 14kWh/100km gut möglich sind.

Entsprechend den Verrbauchsdaten ergaben sich aktuell Reichweiten von knapp 200km im normalen Gebrauch. Mit viel Autobahnanteil schrumpfte diese auf etwa 175km.

Seat Mii electric beim Laden
Seat Mii electric beim Laden

Mii electric zu Hause laden

Im Mii Electric ist ein zweiphasiges Ladegerät verbaut, vergleichbar mit dem VW e-Golf. Das heisst er kann bestenfalls mit 16A maximalem Strom über zwei Phasen an 400V laden. Das ergibt eine maximale Ladeleistung von von 7.4kW. Daheim lade ich nach wie vor mit der Keba P30c Wallbox, welche vom Solar Manager angesteuert wird. Die maximale gemessene Ladeleistung lag bei 7,39 kW. Für den Seat Mii Electric gibt das folgende Ladezeiten:

  • 50% auf 100%: 2.2 Stunden
  • 30% auf 100%: 3.1 Stunden
  • 0% auf 100%: 4.4 Stunden

Gerade für den kleinen Flitzer von Seat ist der zweiphasige Lader doch ausreichend. Wenn man irgendwo bei einem Kunden oder bei der IKEA für eine Stunde parkt und laden kann, sind mit 7.4kW knapp 50km Reichweite drin. Die Ladebuchse lässt sich übrigens immer öffnen, auch bei abgeschlossenem Auto. Im Mii electric werden die Abdeckungen der Buchse verriegelt.

Seat Mii electric mit Sonnenenergie laden
Seat Mii electric mit Sonnenenergie laden

Seat Mii Electric unterwegs laden

Der Seat Mii Electric hat einen CCS Schnellladeanschluss an der rechten Seite hinter der Türe. Die maximale Leistung über die DC Zuleitung liegt bei Seat bei 40kW. Da ein Test in Deutschland zeitgleich den VW e-Up testet und Probleme beim Schnellladen bekundete, habe ich das auch ausprobiert. Bei 2.5°C Aussentemperatur bin ich zu einem 50kW DC Charger von ABB gefahren um zu testen, wieviel Leistung wirklich gezogen werden kann. Bei mir waren es im Schnitt rund 21kW die geliefert werden konnten bis zu einem SOC von 62″. Die maximale Leistung lag bei 23kW. Hier scheint definitiv bei kaltem Akku nicht die volle 40kW Leistung bereit zu stehen. Für einen Kleinwagen wie den Mii electric finde ich das nicht sehr schlimm, würde davon ausgehen, dass bei einem solchen Fahrzeug und dessen Einsatzzweck das Gleichstrom-Laden eher weniger genutzt werden.

Seat Mii electric an einem 50kW DC Lader von ABB Schweiz
Seat Mii electric an einem 50kW DC Lader von ABB Schweiz

Was mir besonders gefallen hat und wo Seat nachbessern könnte

+ Tolles Preis-/Leistungsverhältnis

+ Ausstattung in der Basisvariante bereits mit Spurhalteassistent

+ Platzverhältnisse auf den beiden Vordersitzen sehr grosszügig

– “Coldgating”: Bei tiefen Aussentemperaturen ist der Akku zu kalt für die volle DC-Ladeleistung. Bei mir lagen maximal 23kW drin.

Fazit

Der Seat Mii electric ist für mich aktuell gerade wohl der spannendste, elektrische Kleinwagen auf dem Markt. Mit rund 19’000.- CHF für runf 33kWh nutzbare Batteriekapazität ist man bei einem Preis von unter 600 CHF pro kWh angekommen. Das bei einem kleinen Fahrzeug im Einstiegssegment, das ist eine Ansage und mit dem Fokus auf urbanen Verkehr eine Ansage. Ich bin gespannt wie gut sich der Mii electric und seine Konzernbrüder (Citigo-e und e-Up) verkaufen werden. Auf jeden macht der Mii electric Spass, spielt seine Vorteile im täglichen Verkehr aus und hat bisher alle Personen die ich mitgenommen hatte überzeugt. Ich würde gar behaupten mit dieser Fahrzeugklasse wird die Elektromobilität einsteigerfreundlich für kleinere Budgets und kleinere Platzbedürfnisse.

Der Mii electric ist ab 19’850.- CHF in fünf Farben erhältlich: Schwarz, Weiss, Rot, Blau und Silber.

Hans
Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. Avatar

    Guten Tag,
    Warum soll der Verbrauch bei warmen Temperaturen tiefer sein? Kann mir das jemand erklären? Bis jetzt war mir nur bekannt, dass der Akku bei tiefen Temp. weniger leisten kann, aber das hat doch mit dem verbrauch nichts zu tun? 🙂
    Danke.

    PS: Toller Blog hier !

    • Hans
      Hans Reply

      Ciao Philipp,

      Vor allem die Heizung macht was aus. Bei etwas teureren Modellen kommt deswegen oft eine Wärmepumpe zum Einsatz.

  2. Avatar
    Marco Lastro Reply

    Guter Beitrag.. Schon krass wie günstig der ist.. Denke ist eine Ansage an andere Hersteller. Top. Weiter so

  3. Avatar
    Christian Hanselmann Reply

    Hallo,

    nach jahrelanger Suche und Evaluation habe ich mir heute einen baugleichen VW e-up gekauft.

    Bin absoluter Tesla Fan (das einzige E-Auto mit vernünftiger Tankstelle!) aber neben unserem VW California Camper brauchen wir kein zweites “Grossauto”.

    Seit diesem Frühling ist sehr viel Dynamik im den E-Auto Bereich aufgekommen, und endlich auch im Mid- und Low-end Bereich.

    In Deutschland sind diese Fahrzeuge mit 6000 Euro Rabatt/Subventionen erhältlich, also schon ab 15 -16 K-Euro!

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