VW e-Golf Test

Vor fast genau einem Jahr habe ich meine Erfahrungen nach einem Monat mit dem VW e-Golf hier publiziert. Mittlerweile war ich also ein Jahr elektrisch unterwegs und konnte viele Erfahrungen sammeln. Einige davon habe ich auch hier immer wieder geteilt. Nun möchte ich zurückblicken, wie schlägt sie Elektromobilität im täglichen Leben und wie gut kam ich zurecht. Als erstes eine kleine Zusammenstellung, was ich seither so publiziert habe, falls ihr gezielt nach etwas sucht oder einen Beitrag verpasst habt.

Verbrauchsdaten

Dank einem Jahr Erfahrungen mit dem e-Golf kann ich natürlich auch auf viele Daten zurückgreifen. Einerseits ist meine Keba P30 Wallbox daheim mit dem Smart Home System von Loxone verknüpft und ich kann deren Daten auslesen. Andererseits hat man dank dem Car-Net System von Volkswagen auch Zugriff auf viele Fahrzeugdaten, unter anderem auch ein komplettes Fahrtenbuch.

Während des letzten Jahres habe ich mit dem VW e-Golf knapp 7000 Kilometer zurückgelegt und gerundet 1.15MWh Energie verbraucht. Das ergibt über das ganze Jahr gesehen einen Durchschnittsverbrauch von 16.6kWh/100km. Dabei steigt der Verbrauch, wie auch schon in meinem Beitrag zu Elektromobilität im Winter erwähnt, während den kalten Tagen an und ist Frühling bis Herbst wieder tief. Ich bin dabei in keinem der Eco-Modi des e-Golf gefahren, sondern immer im normalen Fahrmodus und auch mit Klima, bzw. Heizung eingeschaltet. Wer noch optimiert und die Fahrweise anpasst bringt den Wert über ein Jahr hinweg sicher bis um die 15kWh/100km. Mit meinen Wert bin ich sehr zufrieden.

Wallbox Ladestation lädt den VW e-Golf in meiner Garage
Wallbox Ladestation lädt den VW e-Golf in meiner Garage

Kosten

Grösstenteils wird man das Elektroauto zu Hause über Nacht laden können. In meinem Fall belaufen sich die Kosten im Niedertarif nachts auf rund 15Rp./kWh, hätte ich die komplette Energie aus dem letzten Jahr im Niedertarif geladen, käme ich auf rund 170.- CHF Stromkosten. Verglichen mit einem Benziner Golf, der ca. 5 Liter/100km braucht, kostet mich der Sprit dort rund (1.55 pro Liter) 550.- CHF. Das sind schon ziemlich grosse Unterschiede rein in den jährlichen Verbrauchskosten.

In meinem Fall lade ich von März/April bis in den September fast ausschliesslich Strom aus der eigenen PV-Anlage. Damit verbessert sich diese Rechnung nochmals massiv, wie auch die Möglichkeiten bei IKEA und an anderen Orten kostenlos AC zu laden. Hingegen schlägt sich der höhere Preis beim schnellen Laden an DC-Ladesäulen negativ nieder. Im gesamten schätze ich aber meine Kosten jährlich unter 200.- CHF ein. Kosten für Versicherung und Kosten für die Verkehrsabgabe rechne ich hier nicht ein, da gibt es kantonal zu starke Unterschiede.

Ladestation Raststätte Grauholz vor Bern: e-Golf mit 50kW aufgeladen

Elektromobilität macht Spass

Nach einem Jahr Elektromobilität hat man sich extrem an die fast lautlose Fortbewegung gewöhnt. Mehr noch, man will gar nicht mehr davon weg und wieder mal einen Verbrenner fahren. Für mich persönlich hat es zweierlei Aspekte die enorm Spass machen. Einerseits ist es das Ansprechverhalten des Motors, der um Längen besser ist als bei einem Verbrenner. Das hohe Drehmoment steht sofort zur Verfügung und bleibt konstant, das erlaubt es vor allem beim Beschleunigen aktiver am Verkehr teilnehmen zu können. Andererseits hat man durch den verbauten Akku eine beschränkte Reichweite, das Laden dauert länger als Tanken wie man es sich gewohnt ist. Diese beide Dinge führen dazu, dass man einfach bewusster fährt. Schnell hat man nach einigen Monaten ein Gefühl dafür entwickelt, wo man wieviel Energie braucht, bzw. welchen Verbrauch man hat. Etwas das man bei einem Benzin- oder Dieselauto einfach kaum wahrnimmt, warum auch, man fährt schnell an die Tanke und füllt nach. Beim Elektroauto ist eher so, dass ich in meinem Fall Schnellladen meide und rund 95% der Energie daheim nachgeladen habe.

Mit dem VW e-Golf unterwegs im Winter
Mit dem VW e-Golf unterwegs im Winter

Elektromobilität im Alltag

Etwas was mir im letzten Jahr viel Freude bereitet hat, ist die Aufklärungsarbeit in Sachen Elektromobilität. Dabei habe ich vielen Freunden, Kollegen und teilweise auch interessierten Passanten erklärt was Emobility eigentlich ist: Wie funktioniert ein Elektroauto, wie weit komme ich damit, kann ich das einfach daheim aufladen, gibt es überhaupt ein Netzwerk an Schnellladestationen und viele weitere Fragen kamen auf. Das macht wirklich Spass, die eigene Freude und Passion mit anderen zu teilen. Elektroautos sind nämlich problemlos für den Alltag von den meisten Personen geeignet. Es gibt sicher noch viele von Aussendienstlern die viele Kilometer täglich abspulen, wo ein Elektroauto noch Nachteile gegenüber einem Verbrenner hat, aber die grosse Masse könnte bedenkenlos umsteigen.

Für mich hat sich das Elektroauto, in meinem Fall der VW e-Golf, im Alltag sehr bewährt. Meine Frau und ich haben ihn jeweils zum Arbeiten genutzt und auch für Fahrten mit der Familie. Dabei haben wir den e-Golf meistens am Abend nach dem Feierabend noch an der Wallbox angeschlossen, im Sommer hat das immer noch gereicht um etwas nachzuladen über die PV-Anlage. Damit kamen wir gut durch die Arbeitswoche und über das Wochenende wo das Auto vermehrt steht, während die Sonne scheint, konnte er wieder voll geladen werden. Hatte ich längere Fahrten vor mir, liess ich automatisch über Nacht vollladen und konnte so den nächsten Trip problemlos meistern. Elektroautos erfordern etwas mitdenken und Eigeninitiative, damit klappt es nämlich problemlos. Ich hatte auch nie ein Problem passende Ladestationen zu finden, aktuell gibt es für die Masse an Fahrzeugen genügend Stationen und auch verbreitet. Bei längeren Fahrten habe ich auch mal die zackigen DC-Ladestationen genutzt, die sind vergleichsweise eher teuer aber dafür kann man in 30min rund 150km Reichweite nachladen.

VW e-Golf Test

Fazit

Die Elektromobilität funktioniert, auch im Alltag und auf vereinzelten Langstreckenfahrten. Das wäre mein Fazit nach einem Jahr VW e-Golf in einem Satz zusammengefasst. Aus rein persönlicher Sicht finde ich den VW e-Golf als umgebauten Benziner ein Elektroauto das funktioniert und leider oft etwas verkannt wird. Die Verbrauchsdaten sind im Vergleich zur Konkurrenz gut, im Sommer sogar sehr gut. Kleines Manko ist die fehlende Kühlung der Module, damit ist bei längeren Fahrten mehrmaliges CCS-Laden nicht mit voller Leistung möglich. Grosser Pluspunkt ist für mich die bekannte Optik und das vertraute Auto mit sehr guter Verarbeitung, ein Golf kennt man und schätzt man.

Als kleiner Blick in die Zukunft dürften die nächsten 1-2 Jahre sehr spannend werden. Volkswagen wird dann mit dem modularen Baukastensystem ein Elektroauto nach dem anderen auf den Markt bringen, auch die anderen Hersteller ziehen mit weiteren Modellen mit. Der Markt für Elektromobilität wächst, das Angebot wächst ebenfalls und ich bin gespannt wie die Reise weiter geht. Auf jeden Fall freue ich mich darauf und ich hoffe, ich konnte dem einen oder anderen Elektromobilität auch schmackhaft machen…

Autor

Im März 2010 habe ich Technikblog ins Leben gerufen. Seither blogge ich mehrmals wöchentlich über technische Themen die mich faszinieren und im Alltag begleiten, das beginnt bei Smartphones, Computer, Gadgets, technischen Spielereien bis hin zu HowTo-Anleitungen und Testberichten zu Smart Home Einrichtungen und Elektrofahrzeugen.

ommentare

  1. Danke für den gut geschriebenen Rückblick mit vielen wichtigen Informationen. Leider interessieren sich noch zu Wenige für dieses Thema. Die Reichweite wäre für mich bis auf einige Fahrten ins Ausland kein Problem. Die geringe Auswahl der verfügbaren Autos und die Lademöglichket in der Tiefgarage sind eine Herausforderung. Beim nächsten anstehenden Fahrzeugwechsel ist ein e-Auto trotzdem die erste Wahl.

    • Ich sage immer zwischen 180 und 240km bei ganz normaler Fahrweise, 180km im Winter, 240km im Sommer. Ich komme auch bei extrem sparsamer Fahrweise auf knapp 300km, aber dann gebe ich mir enorm viel Mühe.

  2. Daniel Bless Reply

    Hallo zusammen

    Da ich in der Schweiz wohne, sind die Daten etwas abweichend. Bei uns ist Überland 80km/h und Autobahn meist 100 oder 120km/h. Ich fahre die Tempi meist aus, ausser auf der Autobahn bin ich immer mit 100km/h unterwegs. Ich schaffe im WInter (0°C) etwa 220km und im Sommer etwa 270km. (Reifendruck 2.8Bar mit Continental All Season).

    Grüsse Dani

    • Hallo Dani,

      bin auch aus der Schweiz 😉
      Ja im Winter sind bei mir aktuell so 200km realistisch, wenn ich aber 120km/h fahre eher 180km.

  3. Welche Wallbox kannst du empfehlen, und worauf sollte man achten? Gerade wenn man wie du beschreibst auch eigener Solarstrom nehmen möchte.
    Gruss

    • Hallo Nathan,
      gerade aktuell ist die perfekte Kombi die “Easee Home” Ladestation in Kombination mit dem “Solar Manager”. Ich mache dazu mal noch einen Blogbeitrag, die Station kann so kombiniert das Elektroauto stufenlos von 1.4kW bis 22kW laden. In Kombination mit der PV sehr wertvoll, du kannst mich auch anschreiben – helfe gern.

      Gruss
      Hans

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