Endlich ist der Winter vorbei und ich kann euch (dank GearBest) einen neuen Testbericht zu einem weiteren Mini-Quad aus China liefern: den Tarot 150 FPV BNF. Im Vergleich zum letzten Testmodell, dem JJPRO P130 von JJRC, wiegt dieser Mini-Quad gerade mal nur die Hälfte: 102 Gramm (ohne Batterie). Und Vorneweg: er ist auch doppelt so wendig und schnell. Meinen Spass hatte ich dabei.

Unboxing und Inhalt

Geliefert wird der Tarot 150 in einer schlichten weissen Karton-Box, in der der Mini-Racer rundum ca. 1 cm Spielraum zum Rumrutschen bei der Reise von China in die Schweiz hatte. In der Verpackung war Folgendes enthalten:

  • der Mini-Quad Tarot 150
  • 1 Batterie-Klettband
  • 1 Klettpad für unter die Batterie
  • 4 Landingpads aus Schaumgummi
  • 8 3’’ Propeller in Orange und Grün
  • Bedienungsanleitung für den Video-Sender
  • kurzes USB-Verbindungskabel

Auch wenn die Verpackung optisch minimalistisch daherkommt, was mir gefiel, fand ich den Inhalt recht sorglos und billig verpackt. Das meiste war in kleinen Plastik-Säckchen eingeschweisst und daher etwas geschützt. Dennoch nicht optimal für Weltreisen verpackt.

Der Frame

Das Ding ist verblüffend leicht und stabil, wenn man es zum ersten Mal in den Händen hält. Die untere Karbon-Platte des Frames ist 2.5 mm dick, die obere 1.5 mm. Die Motoren sind leicht nach innen versetzt, so dass sie bei einem Crash geschützter sind. Die ESCs waren nur angeklebt, diese habe ich als erstes mit Kabelbinder gleich festgemacht, sowie der Video-Antenne einen weiteren Kabelbinder mit Schrumpfschlauch verpasst. Alles ist mit M2 Inbus-Schrauben verschraubt, die, wie es sich herausstellte, von minderer Qualität und auch alle ziemlich knapp bemessen sind. Während den ersten paar Flugversuchen verlor ich auch einige Schrauben, da diese nicht wirklich sitzen und sich unter Vibration leicht lösen. Hier empfiehlt es sich also, einen entsprechenden Schrauben-Leim zu benutzen. Die Architektur des Frames hat einen groben Fehler: ein Stift, welcher den oberen Frame mit dem unteren verbindet, ist recht unglücklich exakt vor dem USB-Stecker platziert, so dass man diesen Stift jedes Mal abschrauben müsste. Ich habe ihn dann einfach weggelassen.

Tarot 150 FPV Moto

Die Ausstattung

Ausgerüstet ist der Tarot 150 mit MT1106 – 3800 KV brushless Motoren. Diese leisteten eine sehr gute Arbeit, wenn auch sie im Horizon-Mode bei Power-Loops eher zu schwach waren. Der Tarot-eigene Flightcontroller TL300D kam fixfertig verlötet an Buzzer, Video-Transmitter und ESCs daher. Einzig der Empfänger für die Fernbedienung war nicht dabei, da es sich um ein BNF (Bind-and-Fly) Modell der täuschenden Art handelt: es ist eher ein ARF (Almost-ready-to-Fly) Quad denn ein RTF. Dies hat mich auch unheimlich viel Zeit gekostet, doch dazu gleich mehr. Hier mal die technischen Daten zum Tarot 150 BNF:

  • TL300D Flugkontroller mit Buzzer
  • FC kompatibel mit SBUS oder PPM Empfänger
  • Brushless Motoren, MT1106 – 3800 KV
  • BLHELI 6A TL300G ESCs
  • 3 Zoll TL150S1 Propeller, 3020
  • PAL TL300M1 Kamera, Winkel neigbar
  • 5.8 GHz 300 mW Videotransmitter* mit Kanalswitch und Antenne
  • JST Lipo Anschluss

*in der Schweiz sind gemäss BAZL nur 25 mW zugelassen, danke Lukas für den Hinweis

Tarot 150 ESC

Das Mühsame

Okay, ich bin immer noch Anfänger wenn’s um die Technik geht. Doch so langsam habe ich ein paar Erfahrungen gesammelt, wenn’s um das Kaufen und Anlöten des richtigen Empfängers für die Fernbedienung geht. Leider habe ich mich (aus optischen Gründen) für eine sehr spärlich verbreitete Fernbedinenung, die Spektrum DX6 entschieden, als ich letzten Sommer mit dem Hobby begann. Entsprechend schwieriger ist es in der Community Hilfe bei Problemen zu finden. Einige Stunden, Besuch bei einem Fortgeschrittenen FPVler (danke Jan!) und unzählige verbrauchte Nerven später fand ich Folgendes heraus: ich kann keinen Spektrum Empfänger direkt an den Flightcontroller anlöten. Ich muss einen speziellen Empfänger haben, der DSMX (das Funk-Protokoll der Spektrum) empfängt und zu PPM verarbeitet. Der Scisky Sat-Empfänger CR115 für CHF 29.90 brachte dem Tarot dann endlich das Fliegen bei.

Tarot 150 Camera

Das Spassige

Obwohl auf der Verkaufsseite angegeben, dass der Mini-Quad was für „Advanced Level“ sei (bezog sich wohl auf das Empfänger-Anlöten), fliegt sich der Tarot 150 mit dem voreingestellten Cleanflight-Tuning sehr einfach und ruhig. Verpasst man ihm einen leistungsfähigen Lipo-Akku (z.B. den 3S Turnigy Nano-Tech 450 mAh 65-130C), schiesst er unglaublich schnell in den Himmel bei einem Punch-Out und flitzt im Angle-Mode wendig und in rasantem Tempo umher. Im Horizon-Mode habe ich mich ein wenig in Akrobatik geübt. Das Tuning des Flugkontrollers (PID-Werte) scheint hier aber grossen Nachholbedarf zu haben: Flips und Rolls sind eher träge, ein Powerloop endet meistens im Boden (vermutlich auch, weil die Motoren dazu zu schwach sind). Kurze Flugversuche im Acro-Mode zeigten dann auch, dass dieser Modus schon viel besser zum Tuning passt und darin dann auch die Kunststücke besser klappen.

Flugbilder

Wie sich der Tarot 150 im Flug verhält, könnt ihr in meinem nachfolgenden Review-Video sehen (sorry für die schlechte Tonqualität). Inklusive ein paar Crashes (so wie es halt dazugehört):

Fazit

Verbesserungspotential sehe ich vor allem in der Verarbeitung: zu lose montierte ESCs, schlecht befestigte Antenne und Schrauben von minderer Qualität, die sich gerne lösen. In der Szene würde man wohl sagen: typisch China-Qualität. Insgesamt aber muss ich feststellen: dieser Mini-Quad von Tarot macht ganz schön Spass. Sie brauchen kaum Platz beim Transport, halten einiges aus bei Crashes und sind sehr Leistungsstark, trotz den kleinen Motoren. Mit etwas Tuning durch einen erfahrenen Piloten kann man sicher noch einiges herausholen. Auch dieses Modell eignet sich nicht für komplette Anfänger, da noch Lötarbeit und Tüftelei für den Empfänger von Nöten sind. Wer da aber schon etwas Erfahrung hat, kann sich für wenig Geld einen Mini-Flitzer ergattern, bestückt mit allem was es braucht um FPV-Racen zu üben.

Den Tarot 150 BNF gibt es bei Gearbest für 127.- $.

Autor

Product Designer @ Eventfrog.ch, Gadget-Liebhaber und Vater von zwei Töchtern.

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