Hifiman HE1000 Boxed

Hifiman ist ein chinesischer Kopfhörerhersteller der 2007 gegründet wurde. Hifiman hat sich mit Modellen wie dem HE6 und dem HE400 einen Namen erarbeitet und präsentiert nun fast jährlich neue Modelle. Dieses Jahr wurde das neue Flagschiff präsentiert, der Hifiman HE1000. Satte 3000.-CHF kostet der neue Magnetostat mit nanometer dicker Membran.

Optik und Haptik

Optisch erinnert mich der HE1000 doch sehr an die Audez’e Kopfhörer. Die Mischung aus gebürstetem Aluminium und Holz geben ihm eine edle Optik, schön finde ich den Kopfhörer leider trotzdem lange nicht – wobei das natürlich reine Geschmackssache ist. Mit seinen 480g wiegt er etwas weniger als der Audez’e LCD-3 (550g) den ich leztes Jahr testen durfte. Der Hifiman  kommt schick verpackt in einer Kiste mit ausgeschnittenem Schaumstoff für einen sicheren Sitz des Hifman HE1000. Für den Preis hätte ich hier etwas mehr erwartet, die Holzkiste und das Samtkissen bei Audez’e machen da schon mehr her. Der Kopfhörer selber ist solide gebaut. Kleine Verarbeitungsmängel offenbaren sich beim genaueren Hinschauen. Die Gelenke knarzen etwa beim drehen und bei einer Hörmuschel liess sich das Kabel nicht komplett hineinstecken. Wer etwas im Web recherchiert wird auch Bilder finden wo ein Hifiman HE1000 auseinandergebaut wird. Was dann zum Vorschein kommt ist durchschnittliche China-Verarbeitungsqualität.

Hifiman HE1000 auf dem Kopfhörerständer
Hifiman HE1000 auf dem Kopfhörerständer

Tragekomfort und Klang

Beim ersten Aufsetzen fällt das Gewicht nicht auf. Die grossen Muscheln und die weichen Polster verteilen den Druck gleichmässig auf den Schädel. Hier gewinnt der HE1000 deutlich gegenüber dem LCD-3, der Tragekomfort ist sehr gut. Auf den Muscheln des HE1000 ist etwas Druck und da die Muscheln gross sind erhält man auch etwas Druck auf die Kieferknochen. Mich persönlich stört das nicht, für manche Leute kann das aber störend sein, desshalb wie immer: Kopfhörer vor dem Kauf immer Probehören bzw. Probetragen.

Der Klang des Hifiman HE1000 ist einfach fantastisch. Er kling warm und rund. Die Bühne, besonders die Separierung und Auflösung ist genial. Es fehlt an nichts, vom zischeln des Hochtons bis zum abgrundtiefen Bass ist alles vorhanden. Die Wärme wird durch den angehobenen Bass erzeugt. Besonders passend zu diesem Kopfhörer war Filmmusik, denn die Räumlichkeit und der plastische Bass lassen einem richtig in diese Art monumentaler Musik eintauchen. Für eine etwas genauere Analyse hab ich meine drei Referenzkopfhörer, den Hifiman HE400, den Sennheiser HD600 und den AKG K701 genommen. Alle drei sind aus einer ganz anderen Preiskategorie, erlauben aber beim Vergleichshören eine genauere Analyse.

Hifiman HE1000 Testsetup: Vergleichs-Kopfhörer
Hifiman HE1000 Testsetup: Vergleichs-Kopfhörer

Hifiman HE1000 vs Hifiman HE400

Der HE1000 sitzt wesentlich gemütlicher als der HE400 was besonders and den wesentlich weichern Polstern und der besseren Druckverteilung liegt. Die wahnsinnig tolle Räumlichkeit des HE1000 fällt wieder auf. Der HE400 ist etwas weniger luftig, hat aber im Bassbereich ähnlich viel Wucht. Der HE1000 scheint doch deutlich weniger Midbass zu haben als der HE400, dadurch hat der HE400 etwas mehr Punch. Beim HE400 spielt die Musik nahe am Ohr, der HE1000 hingegen erzeugt eine weitere Bühne und separiert die Instrumente wesentlich deutlicher. Die Höhen der beiden Kopfhörer sind sehr ähnlich.

Hifiman HE1000 vs Sennheiser HD600

Vom Komfort her war der Sennheiser bisher ungeschlagener Meister. Der Hifiman HE1000 bietet einen ähnlich guten Tragekomfort, spürbar ist einzig sein wesentlich höheres Gewicht. Beim Probehören fällt wieder die unglaubliche Instrumentenseparation auf. Beim HD600 scheint alles in einem Einheitsbrei zu versinken. Der HE1000 spielt alles sehr locker und ohne jegliche Anstrengungen. Die klareren Mitten und Höhen stechen beim HE1000 heraus. Ein Wechsel vom Sennheiser zum Hifiman ist ein Wechsel von Dunkel zu Hell, von einem wolkenbedeckten und düsteren Himmel zu Sonnenstrahlen. Der HD600 hat auch eine deutlich schlechtere Auflösung und der Superhochton fehlt. Zusätzlich fehlt die Qualität des Basses im Vergleich zum Hifiman HE1000.

Hifiman HE1000 vs AKG K701

Zum Komfort muss ich nicht viel sagen, denn der Komfort des K701 ist schrecklich. Der Klangvergleich ist hingegen interessant. Der AKG K701 ist luftiger als der HE1000, der AKG scheint stärker betonte Höhen zu haben. Der Hifiman bringt wieder mehr Details und Separation allerdings hat der K701 plastischere Höhen und etwas präsentere Mitten. Einige Leute mögen die künstliche Bühne des K701 nicht, mir persönlich sagt sie allerdings sehr zu. Keith Jarretts Köln Konzert wird vom K701 luftiger gespielt was mir wieder sehr gefällt. Der Hifiman HE1000 erzeugt einen Tiefbass der fast den Effekt von Körperschall erzeugt, allerdings kann das manchmal auch etwas ermüdend wirken. Bei Paul Kalkbrenners ‘Aaron’ hat man mit dem HE1000 das Gefühl in einem Klub zu stehen, wobei der K701 eher den Eindruck vermittelt an einem Freiluft Festival zu sein. Beide haben saubere und sehr schöne Bässe, doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Der HE1000 hat einen sehr plastischen Bass der auch einen Kick erzeugt. Dieser Kick kann aber bei Rockmusik fast etwas zu viel werden. Hier hat der K701 mit seinem trockenen Bass die Nase vorne. Frauenstimmen sind beim Hifiman HE1000 etwas weiter weg oder etwas hinter eine Vorhang, wobei sie beim K701 dann wesentlich direkter wirken. Beim Schlagzeug können je nach Aufnahme die Höhen des K701 etwas zu schrill werden.

Hifiman HE1000 im Test

Fazit

Der Hifiman HE1000 ist zweifelsohne ein fantastischer Kopfhörer. Als Gesamtpaket übetrumpft er meine Referenzhörer deutlich und kann definitiv mit anderen Kopfhörern der über 1000CHF Preisklasse mithalten. Kopfhörer dieser Preisklasse sollte man auf jeden Fall zuerst bei seinem Händler des Vertrauens probehören und auch mit anderen Modellen vergleichen. Der Hifiman HE1000 kann bei Stereotec in Uster probegehört werden.

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Autor

B.Sc. in Electrical Engineering an der FHNW in Brugg-Windisch 2013 abgeschlossen. Seither Entwicklungsingenieur. Kopfhörer Fanatiker seit 2011, eigenes Heimkino im Aufbau seit 2013 und Verstärker/Kopfhörerverstärker DIY-begeisterter.

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