apple-music-facepalm

Als grosser Freund der Marke Apple bin ich es mir seit Jahren gewohnt, dass Produkte welche besagtes Unternehmen anbietet, stets in vollster Vollendung auf den Markt kommen. Manchmal dauert es etwas länger bis Apple mit einem Produkt an die Öffentlichkeit geht; dieses ist dann aber bis zum Äussersten durchdacht und vereint in der Regel Form und Funktion in höchstem Masse. Macs, Phones und Tablets, ja sogar die allermeisten Dienste und Dienstleistungen wie die iCloud, der App Store und der  iTunes Store fügen sich nahtlos in das Appleversum ein und zeigen sich auch Apple-Neulingen nicht wirklich kompliziert. Steve Jobs predigte es immer und immer wieder: «It just works».

Seit Steve Jobs’ Tod im Jahre 2011 scheint Apple den Sinn für Perfektion immer weiter zu verlieren. Vielleicht geht es nur mir so, aber ich arbeite täglich mehrere Stunden mit Apple Produkten und Diensten. Immer öfter erwische ich mich mit der Frage nach dem sprichwörtlichen Wurm im Apfel System. Doch ich will mich hier nicht weiter auslassen.

Ende nach 45 Tagen

Seit einigen Wochen teste ich nun schon Apple Music. Nach dem ich Apple’s neuen Musik Streaming-Dienst aus technischer Sicht unter die Lupe genommen habe und mit den zwei anderen Anbietern Spotify und Google Play Music verglich, startete ich die dreimonatige, kostenlose Probephase. Nach nur 45 Tagen beschloss ich jedoch, Apple Music nicht weiter zu nutzen. Der Grund ist ein sehr einfacher: Apple Music begeisterte mich nicht einen Tag lang.

Wiedergabe (oder eben nicht)

In den 45 Tagen mit Apple Music hatte ich unzählige Male das Gefühl, Apple will nicht, dass ich Musik höre. iTunes wie auch die Musik-App unter iOS 8.4 entschied sich plötzlich dazu, die Wiedergabe von Titeln zu stoppen. Oftmals musste ich die Anwendung klassisch abwürgen und neu starten bis ich überhaupt wieder Musik hören konnte. Liess mich Apple Music dann wieder Musik geniessen, trat ein weiteres Problem auf: ich tippte auf einen Song, welchen ich hören wollte und Apple Music übersprang diesen einfach. Manchmal war der Dienst dermassen in Hüpf-Laune, dass auch die zwei nachfolgenden Titel zusätzlich übersprungen wurden. Erst nach dem vierten, fünften oder sechsten Mal Antippen meines favorisierten Songs, willigte die Applikation ein und spielte ihn.

Playlists

Die Playlist-Funktion von Apple Music – wenn man hier überhaupt von einer Funktion sprechen kann – habe ich bis heute nicht verstanden. Es muss doch möglich sein, dass von mir auf dem iPhone angelegte und mit Titeln gefüllte Playlists auch auf dem iPad und in iTunes auf MacBook und iMac erscheinen. Dies funktionierte aber nie. Entweder fehlten die Playlists gänzlich oder sie waren leer. Und das selbst dann, wenn ich Playlists von Freunden abonnierte.

Als Spotify-Nutzer komme ich ausserdem in den Genuss der Möglichkeit, mit anderen Personen an einer Playlist zu arbeiten. Ist die Freigabe-Option der gewünschten Playlist aktiviert, können mehrere Personen ihre Lieblingstitel zur Playlist hinzufügen. Apple Music bietet mir nur die Option, Playlists von anderen Nutzern zu abonnieren. Ich kann aber keine eigenen Titel zur Liste hinzufügen. Schade.

Usability

Das User Interface von Apple Music lässt sehr zu wünschen übrig. Der verfügbare Platz in iTunes ist äusserst schlecht oder gar nicht genutzt und wichtige Sortierfunktionen fehlen gänzlich. Befinde ich mich auf der Seite des Interpreten, werden mir erst die Toptitel angezeigt. Toll! Nach einem Klick auf den ersten Titel in dieser Liste, wird dieser gespielt. Nur dieser. Die anderen 11 Titel müsste ich einzeln anklicken um sie zu hören. Oder ich klicke sie in die «Nächste Titel»-Liste. Und zwar jeden einzeln. Eine Mehrfach-Auswahl bei gedrückter Shift-Taste ist nicht möglich.

Unter den Toptiteln werden mir die Alben des Interpreten angezeigt. Dabei muss ich feststellen, dass Apple Music hier nicht zwischen Album und Singles unterscheidet. Lasse ich mir alle Alben des Interpreten anzeigen, stelle ich wie weiter fest, dass sich diese nicht sortieren lassen. Ich weiss also nicht, welches Album das neueste ist oder wie viele Titel es umfasst. Das Erscheinungsjahr des Albums ist nur in der Toptitel-Übersicht zu lesen. Aber in dieser Liste sind nur jeweils 12 und damit unter Umständen nicht alle Alben aufgeführt. Selbst in der Detail-Ansicht des ausgewählten Albums ist die Angabe über das Erscheinungsjahr nicht zu finden.

Sollte ich mir ein Genre-Radio mit einer Liste an ausgewählten Musikstücken anhören, habe ich nicht die Möglichkeit zum Album oder Interpreten des gerade gespielten Titels zu springen um da eventuell noch weitere gute Songs zu finden. Ich muss mir den Namen des Albums oder des Interpreten merken um ihn über die Suche zu finden. Und wehe dem, der den Namen des Interpreten in der Suche falsch schreibt! «No results for Roger Cizero», steht dann da geschrieben. Apple Music scheint nicht einmal den Versuch zu unternehmen, mich auf meinen Fehler hinzuweisen, in dem man mir «Meinten Sie Roger Cicero?» vorschlägt.

Remote Control

Ja, als Spotify-Nutzer bin ich wohl verwöhnt. Aber das Fehlen der Möglichkeit, Apple Music auf dem iPad via iPhone zu steuern, hat mich schon am ersten Tag gestört. Mit Spotify kann ich unterwegs bestimmen, welche Musik zu Hause gespielt wird. Nebenbei bemerkt: mein Kater steht unheimlich auf Norah Jones. Naja, das ist vielleicht etwas übertrieben…

Fazit

Nach 45 Tagen habe ich wieder zu Spotify gewechselt. Und wenn sich Apple in den kommenden Monaten bezüglich Apple Music nicht mächtig ins Zeug legt und gewohnte Apple-Qualität liefert, werde ich so schnell auch nicht wieder zu Apple Music zurückkehren.

Musik ist mir unheimlich wichtig. Es vergeht nicht ein Tag ohne dass ich Musik höre. Musik ist der Soundtrack meines Lebens. Als langjähriger, treuer Kunde und Verfechter der Marke, erwarte ich von Apple ein Produkt welches in alter Steve-Jobs-Manier ausgereift ist, mir das Leben etwas erleichtern und mich einfach glücklich macht. Ein Blick nach Schweden beispielsweise hätte hier nicht geschadet. Spotify macht seine Sache gut. Aber Apple hat hier noch einiges nachzubessern.

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Autor

Der selbstständige IT Consultant, UI & UX Designer mit viel Liebe für Detail und Tiefe, schreibt in regelmässig unregelmässigen Abständen für den Technikblog. Ausserdem twittert er unter @ralphbolliger.

ommentare

  1. Avatar

    Hallo! Genauso sehe ich das auch. Ich wollte eigentlich zusammen mit meinen beiden Kinder auf Apple Music umstellen, natürlich der Kosten wegen, aber unter diesen Umständen geht das nicht! Da zahle ich lieber etwas mehr und habe dafür ein funktionierendes und vor allem durchdachtes Programm.

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      Teile deine Meinung. Teste seit einer Woche und habe etliche Probleme die schon bei der Synchroniesierung des Iphones vom Computer starten. Habe kein Mobilabo und höre nur offline. Das Offlinestellen im Itunes ist umständlich. Playlist erscheint aif Iphone nur unvollständig. Ich teste mal weiter (kostet derzeit noch nichts). Spotify ist aber idiotensicher und stabil. Wenn es nicht bessert verzichte ich auch auf den neuen Apple-Dienst. Gruss Bruno

      PS: danke für die vielen spannenden Berichte und Tests

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    Kann das aus ganz anderer Sicht nur bestätigen, Bespiele: Eingabe Text auf dem iPhone6 (von wo aus ich jetzt schreibe) die Textkorrektur/Hilfe istbemerkenswert “dumm” und mN muss höllisch aufpassen, dass man vor dem Versenden genau hinsieht. Man gerät sehr schnell mal auf die Weltkugel und schon ist die Spravhe geändert zB. Von D auf US. – ich habe jetzt einfach mal eingetippt und nichts nachkorrigiert, entsprechend sieht man es nige Unzulänglichkeiten. Und es gibt nich vieles mehr! … Dann die Emoticons!! Vieles doppelt und dreifach, Wichtiges garnicht. Katastrophe! Wenn ich da der Biss wäre …

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    Ich kann Deine Erfahrungen nur bestätigen. Allerdings war bei mir schon nach 3 Tagen Schluss. Meine Begeisterung für Apple ist im Moment allgemein etwas getrübt. Angefangen hat das mit dem aktuellen Mac Mini, der deutlich schlechtere Leistungen bringt als der Vorgänger aus 2012. Ein Mac Pro, der mit ausgezeichneten Grafikkarten ausgestattet ist, jedoch keine 10bit Farbwiedergabe ermöglicht. iTunes Radio, welches 2 Jahre nach der grossen Ankündigung endlich als Apple Music auf den Markt kommt, mit dem o.g. Ergebnis. Und ein iOS9, welches vom Look&Feel auf dem Stand des ersten iPhones stehen geblieben ist. Das Ganze ist meiner Ansicht nach nicht mehr “apple-like”.

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    Herzlichen Dank für deine Mühen. In diesem Fall kann ich getrost bei Spotify bleiben.

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    Die App ist gerade erst erschienen, warte doch einfach bitte einige Monate ab und teste sie im Frühling 2016 nochmals. Oder denkst du, dass die erste Version von Spotify fehlerfrei war?

    • Hans

      Ich denke Ralph bemängelte vor allem dass Apple hier etwas auf den Markt gebracht hat, das nicht Apple-typisch schon von hoher Qualität beim ersten Release war. Klar wird sich Apple Music verbessern, muss es auch! Aber hier hat man leider etwas die Chance verpasst, Spotify gleich von Anfang an richtig unter Druck zu setzen mit einem Top-Produkt!

  6. Avatar

    Ich habe gestern ebenfalls wieder zurück zu Spotify gewechselt. iTunes hat zum x-ten Mal angezeigt: “Subscription expired”. Mühsam, wenn man einfach nur Musik hören möchte.

  7. Avatar

    Sali Hans
    Ich hatte bis heute keine Zeit, Apple Music zu testen. Bekannte, welche in den USA leben, haben mir dieselben Probleme geschildert.
    Nun hat mir Dein Feedback viel Zeit und Nerven erspart.
    Was für mich auch grenzwertig, ist das verschieben der Hörbücher auf IOS von iTunes nach iBook, wobei auf OSX alles beim alten geblieben sind.
    Ist wirklich langsam bedenklich, was sich Apple hier leistet.(Nutze Apple seit den 80er Jahren).
    Zusammengefasst, kann ich mich Deiner Meinung nur anschliessen.

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    Apple soll aufhören zu Kopieren wie der Asiatische Riese und sein eigenes Ding machen wie sie es früher getan haben. Darum und nur darum sind sie die wertvollste Marke, weil sie innovativ sind/waren und nicht die breite Masse bedienen.
    Und dann sollen sie sich gefälligst, wie in einem noblen Restaurant wo man gerne etwas länger wartet dafür aber Spitzenqualität erhält, nicht gleich alles veröffentlichen sondern lieber einmal mehr überarbeiten.
    Ausserdem fehlt mir bei Apple ganz stark die Weiterentwicklung rund um den PC. Der iMac ist seit Jahren der Gleiche. Wenn man heutzutage in einen Apple Store geht, findet man villeicht noch 2-3 iMacs und einen MacMini. Das waren früher mal DIE Top-Produkte.

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