Der heutige Artikel ist wieder ein Gastbeitrag von Leonard Bürk.
Wacom hat vor einigen Wochen ihre Grafiktablets für den professionellen Einsatz erneuert und ich hatte die Möglichkeit das Wacom Intuos5 Medium zu testen.
http://youtu.be/1zv7fiYxjRU
Vorbemerkung
Ich habe bisher das Postprocessing meiner Bilder (grösstenteils in Aperture/Lightroom) ohne Grafiktablett vorgenommen. Als die neuen Intuos5 Tablets vorgestellt wurden war es für mich an der Zeit sie testweise in meinen Workflow einzubinden.
Ich muss sagen, dass ich am ersten Tag teilweise (sehr) frustriert war und mich mehrfach gefragt habe ob sich dieser Schritt wirklich gelohnt hat.Nach einigen Stunden intensiver Nutzung klappte dann aber schon das meiste reibungsfrei.Nun habe ich das Tablet etwa einen Monat und kann mir nur noch schwer vorstellen wie ich alle die Jahre ohne es ausgekommen bin.Es braucht einige Stunden sich einzuarbeiten, vor allem, da ein Tablet eben kein grosses Trackpad eines Laptops ist, aber danach arbeitet es sich schneller und präziser als mit der Maus.
Spezifikationen & Neuerungen
Das Intuos5 ist in drei Grössen erhältlich (S/M/L). Ausserdem kann jede Grösse mit oder ohne Multitouch gekauft werden. Somit kommt man auf sechs Varianten in einer Preisspanne von etwa 225EUR bis 480EUR.
Das hier getestete Modell ist das Model M ohne Multitouch und hat folgende Features:
- Abmessungen (H x T x B): 380 mm x 251 mm x 12 mmAktive Fläche für Stift (B x T): 224 mm x 140 mmGewicht: 970 g
- Multitouch Support: nein
- Wireless Accessory Support: ja
- Auflösung (pro Punkt): 0,005 mm (5.080 Linien pro Zoll)
- Neigungssensitivität: ± 60°
- Maximale Erkennungshöhe (Stift): 10 mm
- Tablet Keys / ExpressKeys: 8 kapazitive Tasten
- Touch Ring: 1
- 2048 Druckstufen
Gegenüber der Vorgängerversion gibt es folgende Neuerungen:
Kapazitive Tasten
Bei der V5 sind die ExpressKey Tasten kapazitiv. Dies heisst nicht, dass man nicht mehr «drücken» muss um eine Taste zu aktivieren. Man kann jedoch seine Finger auf einer der Tasten ruhen lassen und sofort erscheint im Bildschirm ein HeadUp Display, dass anzeigt auf welcher Taste der Finger ruht und was für Funktionen man den einzelnen Tasten zugewiesen hat.
Ich fand dieses Feature sehr hilfreich, da man sich, zumindest zu Beginn, teilweise unsicher ist welche Taste jetzt welche Funktion besitzt. Auch braucht man seinen Blick nicht mehr vom Bildschirm abzuwenden um zu schauen auf welcher Taste der Finger ruht. Hierdurch wird das Arbeiten deutlich flüssiger. Mit der Zeit braucht man diese Funktion immer weniger, da man sich an deine Einstellung gewöhnt hat aber am Anfang, nach einer Pause oder wenn man den Tasten andere Funktionen zuweist, erleichtert sie einem die Arbeit erheblich.
Unterstützung WirelessKit
Bei der Vorgängerversion konnte man ein Bluetooth Tablet kaufen, nun ist die Wirelessfunktion es für sämtliche Tablets als Kit nachrüstbar.
Meine Version war ohne Wireless Kit und ich sehe für mich persönlich im Moment auch keinen Grund eines nachzurüsten. Praktisch ist es allemal wenn man sich zu einem späteren Zeitpunkt dazu entscheidet und sich nicht ein neues Tablet kaufen muss.
Multitouch
Neben der Stifteingabe unterstützen drei der Modelle die Verwendung von Multitouch. Dies kann sowohl zum Surfen, als auch zum zoomen, drehen und schieben in Photoshop, Lightroom o.ä. verwendet werden.
Das von mir getestete Tablet kam ohne Multitouch. Nach dem ich das Tablet in meinen Workflow integriert habe, hat sich herausgestellt, dass Multitouch teilweise doch sehr hilfreich gewesen wäre. Hier steht wahrscheinlich in naher Zukunft ein Upgrade an.
Verarbeitung
Im Vergleich zur Version 4 ist das Intuos nun mit einer gummierten Oberfläche versehen. Hierdurch ist es griffiger, was mir sehr gefällt. Die Verarbeitung ist super. Es macht einen sehr hochwertigen Eindruck und liegt toll in der Hand. Allerdings ist die Oberfläche doch recht anfällig für Fusseln.
Installation und Inbetriebnahme
Geht kinderleicht. Tablet wird nach der Softwareinstallation ohne Probleme erkannt. In den Systemsteuerungen kann das Tablet nach Herzenswünschen angepasst werden.
Auch für unterschiedliche Anwendungen können verschiedene Einstellungen vorgenommen werden. Mir gefällt die Option alles bis ins Detail anpassen zu können, auch wenn ich es bisher noch nicht wirklich ausgereizt habe. Aber ich denke das kommt früher oder später noch 😉
Grösse
Im Nachhinein war das mittelgrosse Tablet (Medium) die richtige Entscheidung. Insbesondere wenn man mit zwei Bildschirmen arbeitet kommt einem die grosse, sensitive Fläche zu gute. Das kleine Intuos wäre hier glaube ich doch etwas zu klein gewesen.
Verwendet man es jedoch an einem einzelnen Display oder Laptop kann man denke ich getrost beim Kleinen bleiben. Teilweise ist es sogar von Vorteil. An meinem Mac Book Pro 13 Zoll ist die sensitive Fläche des Mediums fast so gross wie der Display. (Okay nicht ganz, aber fast). Was sich toll anhört kann schnell zu einer müden Hand führen, da man eine viel grössere Wegstrecke auf dem Tablet zurücklegt. Von dem her ist hier meiner Meinung nach «bigger» nicht unbedingt «better».
Mit Hilfe einer der ExpressKeys lässt sich das Tablet von beiden Displays schnell auf einen Display umschalten. Dies ist super, wenn man für einen bestimmten Arbeitsschritt eine detailliertere Kontrolle benötigt.
Stift
Viel ist zum Stift nicht zu sagen. Ich finde er liegt sehr gut in der Hand. Auch das Gewicht sagt mir sehr zu. Hier fand ich bei einer der früheren Bamboo Serien (die neue kenne ich nicht) den Stift viel zu leicht und deshalb unangenehm zu bedienen.
Als Zubehör sind etliche Stiftformen erhältlich, falls jemandem die Ergonomie des mitgelieferten Stiftes nicht mag. Im Halter für den Stift sind eine ganze Auswahl von unterschiedlichen Mienen versteckt. Um ehrlich zu sein, hatte ich bisher noch nicht das Bedürfnis diese zu wechseln. Das kommt dann in den nächsten Wochen…
Die Druckempfindlichkeit des Stiftes ist super wenn es darum geht bestimmte Bereiche des Bildes aufzuhellen, abzudunkeln, o.Ä. Ich persönlich habe die Druckempfindlichkeit an die Intensität gekoppelt. Vorstellbar wäre hier u.A. auch eine Kopplung an den Durchmesser des Werkzeuges.
Multi Touch
Das Feature, dass mein Tablet leider nicht hatte und eigentlich der einzige Grund weswegen ich im Workflow immer wieder mal zur Maus/Tastatur greifen musste. Ich kann nicht beurteilen wie gut dieses Feature gelöst wurde. Die Beispielvideos von Wacom sehen für mich jedoch sehr überzeugend aus.
Fazit
Das Tablet an sich hat mich in Verarbeitung und Qualität vollends überzeugt. Ob es nun eine enorme Weiterentwicklung vom Intuos4 ist? Ich weiss es nicht. Ich habe das Intuos4 nur einige wenige Male in der Hand gehabt und nie wirklich genutzt. Mit Sicherheit sind die berührungsempfindlichen Tasten mit dem HeadUp Display extrem hilfreich wenn man nicht jede Minute am Tablet verbringt oder die Einstellungen gerne mal ändert.
Ich hätte vor dem Test nie gedacht, dass ich mich das Intuos5 so überzeugt. Nicht einmal in Sachen Qualität, hier war ich mir ziemlich sicher, dass Wacom einen guten Job macht. Mehr im Bereich Workflow und gut das Tablet, nach einigen Stunden Einarbeit, in dein Workflow passt. Einzige Änderung in meinem Aufbau wäre, oder wird, die Touchoption sein. Ich glaube, dass der Mehrpreis absolut gerechtfertigt ist. Je nach Einsatz und Displaygrösse wäre mein Ansatz lieber das kleinere Tablet und dafür mit Multitouch zu kaufen. Von dem her kann ich jedem der im Bereich Fotografie oder Grafik arbeitet, sei es nun beruflich oder als Hobby, die Intuos5 reihe voll und ganz empfehlen.
Zu kaufen gibt es die Tabets bei Amazon (Deutschland) oder bei Brack.ch (Schweiz).