Testbericht: Apple CarPlay im neuen Škoda Superb

Skoda Superb mit Apple Carplay

Ich habe 2014 zum ersten Mal über Apple Carplay berichtet. Seither ist viel Zeit vergangen und jetzt habe ich die Möglichkeit erhalten, ein erstes Auto mit Apple Carplay zu testen. Es handelt sich dabei um den neusten Škoda Superb mit Top-Ausstattung, danke an dieser Stelle an die Amag für die Testmöglichkeit. Ich bin zwar kein Autotester, gebe hier aber gerne meine Erfahrungen mit dem Superb wieder, kombiniert dem ausführlichen Test von Apple Carplay.

Der Testwagen: Škoda Superb Limousine

Mein Testwagen ist wie erwähnt ein Škoda Superb in der Limousinen-Ausführung. Ehrlich gesagt kannte ich diese gar nicht und fiel mir auf der Strasse auch nie auf, der Superb war für mich bisher ein reiner Kombi. Wie dem auch sei, beim Abholen schon muss ich sagen, hat mich der Superb optisch sofort überzeugt. Aber dazu später mehr, hier einmal die Ausstattung des Testwagens mit den für mich wichtigsten Merkmalen für den Test:

  • Škoda Superb Limousine Style
  • Motor: 2.0 TSI Benzin mit 280PS/206kW 4 Zylinder
  • 6-Gang DSG Getriebe
  • Allradantrieb
  • Geschwindigkeitsregelanlage (Tempomat) mit Distanzkontrolle (ACC) bis 160 km/h, inkl. Front Assistant und City-Notbremsfunktion
  • Radio „Bolero“ mit 6.5″ Farb-Touchscreen, Apple Connectivity, Bluetooth, Sprachbedienung, SmartLink und SD-Speicherkarten-Slot
  • Smartlink und Apple Connectivity
  • Tempomat (GRA) inkl. ACC
  • Paket High-Tech (Netto)

Skoda Superb Limousine

Skoda Superb Limousine

Skoda Superb Limousine

Konnektivität

Škodas Konnektivität zu Smartphones: SmartLink

Jetzt wird es etwas verwirrend was Begriffe angeht, aber ich versuche es so einfach wie möglich zu erklären. Unter dem Begriff SmartLink verpackt Škoda nämlich drei Standards zur Verbindung von Smartphone und Auto. Diese wären Apple CarPlay, Google Android Auto und MirrorLink. Um die erstgenannte Variante geht es in diesem Bericht vor allem, Android Auto ist wie es der Name sagt eine Möglichkeit das Android Smartphone über den Bildschirm im Auto zu nutzen. MirrorLink ist ebenfalls Android Smartphones vorbehalten welche den Standard MirrorLink 1.1 supporten, dann können kompatible Apps auf dem Informationsdisplay des Fahrzeugs genutzt werden.

Skoda Superb mit Apple Carplay: Einrichtung

Skoda Superb mit Apple Carplay: Einrichtung

Übliche Anbindung per Bluetooth

Das verbaute Radiosystem „Bolero“ kann ich mittels Bluetooth mit meinem Smartphone verbinden. Dann stehen mir die üblichen Funktionen, wie man sie aus Fahrzeuggenerationen der letzten Jahre kennt zur Verfügung. Das ist der volle Zugriff auf die Telefonfunktionalität, ich kann mein Adressbuch abrufen, letzte Anrufe aufrufen und damit Telefonate tätigen oder auch beantworten. Zusätzlich kann ich über die Media-Funktion des Radios, auch auf Musik auf dem Smartphone zugreifen. Spiele ich auf dem Smartphone etwas von Youtube oder Spotify ab, geht auch das über die Lautsprecher des Superb. Nichts neues, funktioniert so wie es soll, der Clou kommt nun eben mit dem erwähnten SmartLink!

Apple Carplay im Skoda Superb

Apple Carplay im Skoda Superb

Apple Carplay im Škoda Superb

Anfänglich hatte ich gemeint, ich könnte Carplay ebenfalls über Bluetooth nutzen, dem war aber nicht so. Dafür muss das iPhone an eine der USB-Buchsen mit einem Lightning-Kabel angeschlossen werden. Ganz praktisch, gleich in der Mittelkonsole befindet sich eine solche Buchse und daneben ein Fach für das Smartphone. Ziemlich durchdacht würde man meinen, wenn das Smartphone-Fach etwas länger wär. Zusammen mit dem Ladekabel hat mein iPhone 7 schon nicht mehr ganz Platz, ein iPhone 7 Plus würde überstehen, schade.

Smartphone Fach im Superb zu kurz für das iPhone 7 mit Ladekabel, das iPhone 7 Plus würde wohl überstehen.

Smartphone Fach im Superb zu kurz für das iPhone 7 mit Ladekabel, das iPhone 7 Plus würde wohl überstehen.

Aber zurück zu Carplay, hat man das Telefon mit dem System verbunden geht die Einrichtung zackig über das Setup Menü und dem anwählen von Carplay. Für eine Verbindung muss Siri auf dem iOS-Gerät aktiviert sein! Die Geräte verbinden sich und schon hat man innerhalb von kurzer Zeit den üblichen iOS Homescreen auf dem Fahrzeugdisplay. Für einen Technikfreak wie mich, schon eines der höchsten der Gefühle…

Was macht und kann Carplay?

Apple Carplay ist eigentlich ein Spiegelbild der Bedienoberfläche des iPhones mitsammt iOS-Apps auf den grösseren Bildschirm des Wagens. Dabei wird iOS tief in das Infotainmentsystem des Fahrzeugs integriert. Carplay kann man nun auf dem Touchscreen des Bildschirms direkt bedienen oder auch über die Drehknöpfe und Taster daneben und natürlich auch am Lenkrad. Das ist besonders komfortabel und besonders angenehm beim Fahren. Was dazu kommt ist die Sprachassistentin Siri, sie funktioniert identisch zu jener auf dem iPhone. Der mächtige Funktionsumfang von Siri macht natürlich im Auto besonders viel Sinn, wo man die Hände am Lenkrad behalten sollte.

Apple Carplay - Telefonfunktion

Apple Carplay – Telefonfunktion

Das Siri dabei eine so wichtige Rolle zugeordnet wird, merkt man auch bei der Nachrichten App. Ich kann zwar auf alte Nachrichten zugreifen, sehe diese aber nicht auf dem Bildschirm, ich kann sie mir nur diktieren lassen. Dasselbe mit einer neuen Nachricht, ich spreche Siri vor an wen sie geschickt werden soll und mit welchem Inhalt. Finde ich gut gelöst und der Sicherheit dienlich, dass man auf dem Screen keine Nachrichten lesen kann.

Carplay: Siri liest Nachrichten vor

Carplay: Siri liest Nachrichten vor

Apple Maps

Ich habe mich ja einmal ziemlich darüber ausgelassen, welch horrenden Preise für Kartenupdates bei Autoherstellern verlangt werden. Natürlich hat der Superb auch ein verbautes Navigationssystem, aber mit Carplay kann ich Apple Maps direkt nutzen und habe dabei einige Vorteile. Einer ist natürlich ein aktuellste Karte, sie wird ja direkt aus dem Netz geladen. In der Karten-App kann ich Ziele suchen, Adressen von Bekannten direkt abrufen und auch die mit iOS 10 eingeführte Sonderzielsuche entlang der Route hilft angenehmer zu reisen. Ich bin schon zig mal in mein Auto gesessen, habe auf dem iPhone mit Google Maps ein Ziel gesucht um es danach in das Navi im Auto einzutippen. Dieses Prozedere entfällt komplett, das ist schon ganz angenehm.

Ein sehr cooles Feature, die Karten-App speichert automatisch den letzten Standort des Wagens. Habe ich das Auto verlassen, wurde mir die Position mitgeteilt und gespeichert. Sehr cool!

Carplay und Apple Maps

Carplay und Apple Maps

Musik: Apple Music und Spotify

Ich nutze zwei Musikdienste parallel, Apple Music und Spotify. Erstgenannter funktioniert natürlich mit Carplay und sogar auch Spotify. Beides funktioniert einwandfrei, nicht so super fancy wie man sich das vom iPhone mit grosser Coveranzeige und so weiter gewöhnt ist, aber es funktioniert. Man kann durch Bibliotheken browsen, Playlisten abrufen und so weiter. Apple Music ist da sogar noch etwas besser umgesetzt und mächtiger in meinen Augen, bei beiden Apps aber funktioniert die Bedienung über das Lenkrad und die Taster neben dem Bildschirm einwandfrei.

Apple Music mit Carplay im Skoda Superb

Apple Music mit Carplay im Skoda Superb

Spotify mit Carplay im Skoda Superb

Spotify mit Carplay im Skoda Superb

Carplay kompatible Apps

In Einstellungen ->Allgemein -> Carplay auf dem iPhone sieht man seit iOS 10, welche Apps auf dem jeweiligen Fahrzeug für Carplay zur Verfügung stehen. Man kann auch definieren welche Apps auf dem Carplay-Bildschirm angezeigt werden, einzig Telefon-App, Nachrichten und Karten sind fix programmiret. Natürlich ist es dort auch möglich die Apps neu anzuordnen. Nachfolgend eine Liste von Apples Standart-Apps, welche mit Carplay funktionieren.

  • Telefon
  • Musik (iTunes Radio mit Beats 1, Musikbibliothek und Apple Music, iTunes Match)
  • Maps (Suchen, POI’s, Navigation)
  • Nachrichten (Erstellen, Lesen, antworten mit Siri)
  • Aktueller Titel (Zeigt den aktuellen Audio-Content an der wiedergegeben wird, dasselbe wie im iOS Control Center)
  • Podcasts
  • iBooks (Audiobooks)

Es werden auch zahlreiche weitere Apps von anderen Entwicklern aus dem App Store unterstützt, ich liste mal einige auf, die ich persönlich wichtig finde:

Nachteile Die gesamte Rechenleistung liefert das gekoppelte iPhone, über dessen SIM-Karte auch der komplette Internet-Traffic läuft. Der PKW stellt lediglich Eingabe- und Ausgabe-Instrumente zur Verfügung, also Touchscreen/Display, Lenkrad- und Radiotasten, Mikrofon und Lautsprecher. Die komplette Funktionalität wie Sprachsteuerung, Navigation sowie das Musikstreaming und das Webradio liefert das iPhone. Das hat Vorteile und Nachteile: Das iPhone ist performant, die Apps und Siri reagieren schnell. Doch der Akku des iPhones wird während der Fahrt kaum noch weiter aufgeladen, weil das iPhone ständig in Betrieb ist und so Strom verbraucht. Wichtig: Der Mobilfunkvertrag des gekoppelten iPhones muss für das Datenvolumen der Carplay-Apps ausgelegt sein, weil alle Daten über die SIM-Karte des gekoppelten iPhones laufen. Die Karten-App beispielsweise lädt ständig Karten nach. Der Bildschirm des iPhones ist während der Carplay-Nutzung abgeblendet und kann nicht bedient werden, nur das Carplay-Logo ist darauf zu sehen.

Carplay: Vor- und Nachteile

Bei Apple Carplay dient der Bildschirm, Lenkrad- und Radiotasten, Mikrofon und Lautsprecher im Wagen eigentlich nur als externe Eingabe- und Ausgabe-Instrumente. Die ganze Funktionalität spielt sich nach wie vor im iPhone ab, Siri läuft auf dem iPhone und die weiteren Apps. Das hat den Vorteil, alles an einem Platz und die ganze Bedienung ist sehr performant und wie gewohnt schnell. Bringt aber natürlich auch Nachteile mit sich, der gesamte Datenverkehr läuft natürlich auch über das iPhone, ein unlimitiertes Datenvolumen macht da natürlich besonders Sinn. Was mir ebenfalls aufgefallen ist, das iPhone hängt zwar an der USB Buchse und ist mit Strom versorgt, lädt sich aber kaum auf wegen der Nutzung.

Skoda Superb - das Lenkrad

Fahrbericht Škoda Superb 2.0 TSI

Wie einleitend versprochen komme ich hier auch gerne zu einem Fahrbericht. Kombis bin ich dank mehr als einem Jahrzehnt als Passat-Fahrer gut gewohnt, hier hatte ich aber die Limousine im Test. Was sofort auffällt, der Superb ist lang, sehr lang. Vergleichbar mit dem Passat, wer sich aber einen Skoda Octavia oder andere Kombis gewöhnt ist, wird staunen wir lang der Superb ist. In die meisten Parklücken passt er von der Länge (4.86m) her genau noch rein. Trotz der Grösse aber fühlt er sich trotzdem nicht schwammig und schwerfällig an, sehr angenehm und ruhig zu fahren. Auch bei hohen Tempi. Für diese sorgt die Motorisierung mit satten 280PS aus einem 2.0 TSI-Triebwerk. Da geht ziemlich was und die Kraft wird auf vier Räder verteilt, der Superb 4×4 muss doch einiges auf die Strasse bringen bei 350 Nm Drehmoment (bei 1’700 U/min). 5,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h braucht er, das ist doch ansehnlich bei der Grösse und Gewicht. Für mich jedenfalls eine locker ausreichende Motorisierung, würde ich mir den Superb kaufen, dann wohl als Kombi und mit 190PS als 2 Liter Turbo-Diesel.

Skoda Superb - Front

Besonders aufgefallen sind mir die Fahrasssistenzsysteme. Angefangen beim Parklenkassistent, den ich bei meinen Touran zwar auch habe, jedoch nicht so umfangreich wie beim Superb und erst noch praktischer bei der Länge. Der Assistent parkt den Superb ein oder auch aus und das ziemlich gut, es empfiehlt sich vor dem ersten Parkhaus aber einige mal vorher damit zu üben, damit in der Hektik nicht falsch geklickt wird. Der Assistent versagt kaum, die Bedienung will aber gelernt sein. Beeindruckt haben mich aber vor allem der Spurhalteassistend und Abstandshelfer. Erstgenannter erkennt Fahrspuren und kommt man der Mittel- oder Seitenlinie etwas nah, gibt das Lenkrad leichten Gegendruck. Genial, ein Feature das ich gerne haben würde. Genau so wie der Abstandshelfer, der zeigt auf dem Minidisplay zwischen Tacho und Tourenzahlanzeige den Abstand zum Vorderfahrzeug an und bremst bei der Nutzung des Tempomats automatisch ab und beschleunig wieder, wenn möglich. Kommen wir nur zum Innenraum, nachfolgend eine 360° Aufnahme des Innenraums:

Skoda Superb Limousine im Technikblog Review – Spherical Image – RICOH THETA


Im Innern sprechen einem natürlich sofort die Ledersitze mit Sitzheizung und Lüftung an, sowie der grosszügige Platz. Selbst grosse Menschen haben auf den Rücksitzen sehr gut Platz und trotzdem steht ein riesiger Kofferraum zur Verfügung, unglaublich. Ist aber schon ganz praktisch, vor allem für eine Limousine ist da auch für Winterausflüge genügend Platz vorhanden. Die Mittelarmlehne hinten kann geöffnet werden, so passen Ski problemlos ins Auto und das auch zu viert. Snowboards sind sowieso keine Problem, genau sie wie schlechte Strassenverhältnisse dank 4×4. Aber bleiben wir im Innenraum, der Fahrer sitzt angenehm und hat ein multifunktionales Cockpit vor sich. Wie schon erwähnt, kann sehr viel über das Lenkrad gesteuert werden, rechts hinter dem Lenkrad befindet sich der Start/Stop Knopf für den Motor, der Schlüssel muss nicht eingesteckt werden, sondern kann in der Hosentasche bleiben, das gilt übrigens auch beim aufschliessen. Eine Berührung am Türgriff reicht. Das Lenkrad hat auch Schaltwippen, wer gerne selber schaltet wird daran seinen Spass haben, drückt man länger auf die Wippe rechts, wechselt der Superb wieder in den Automatikmodus. Der funktioniert übrigens angehm soft mit kaum spürbaren Gangwechseln, DSG Getriebe sei dank.

Skoda Superb Limousine: schönes Heck

Fazit

 

Der Skoda Superb 2.0 TSI Limousine hat mich voll überzeugt, das Auto gefällt mir nicht nur optisch sehr gut, sondern lässt sich auch angenehm und trotzdem sportlich fahren. Kein Wunder bei 280PS. Apple Carplay ist einfach das Tüpfelchen auf dem i, würde es ein Upgrade für meinen Touran geben, ich würde es beziehen. Eine bessere Kopplung von Smartphone und Auto gibt es so noch nicht und dabei ist sie auch noch gut zu bedienen und voll integriert. Ich persönlich würde mir den Superb wie schon erwähnt als Kombi kaufen, mit dem 2.0 TDI Motor und natürlich kombiniert mit technischen Features wie SmartLink und Fahrassistenten.

Den Skoda Superb als Limousine gibt es ab 45’000 CHF, die hier vorgestellte Ausführung kostet rund 55’000.- CHF.

Kommentar verfassen