Apple Music versus Spotify und Google Play Music: Qualität und Bandbreite machen den Unterschied

iHomerMit dem Start von Apple Music ist ein neuer Glaubenskrieg entbrannt. Ähnlich wie bei Canon- und Nikon-Fotografen oder Gas- und Holzkohle-Grillmeistern, steht nun die Frage im Raum, welcher Musik-Streaming-Dienst denn nun besser ist. Dieser Artikel widmet sich den technischen Fakten mit nahezu wissenschaftlicher Präzision. Ganz atheistisch.

Streaming ist die Zukunft. Netflix, Spotify, Apple Music, Google Play Music und noch einige andere Dienste bieten prinzipiell alle das Gleiche an: Tausend und Millionen mal Unterhaltung per Stream. Und zwar wann ich will und wo ich will. Und das zu einem moderaten Preis; wenn nicht sogar kostenlos. Trotz Abo-Modell kann man gut und gerne behaupten, dass man nur dann bezahlt, wenn man den Dienst nutzt. Schliesslich kann ich die Abonnemente innerhalb kürzester Zeit wieder auflösen.

Die meisten Glaubenskriege gründen darin, dass Nutzer für ihre Marke kämpfen. Nicht auszudenken was passiert, wenn man sich mit Spotify oder einem iPhone für etwas schlechtes entschieden hätte. Von der Gesellschaft ausgestossen fristet man ein einsames Dasein. Umgeben von schlechter Unterhaltungselektronik. Nun, ganz so schlimm ist es nicht.

Quality is king

Zugegeben, ich habe noch keinen Apple Music Account. Und ich beginne nun auch nicht damit gegen Spotify oder Google Play Music zu feuern weil ich ein bekennender Apple-Jünger bin. Aber ich denke wirklich ernsthaft darüber nach von Spotify auf Apple Music umzusteigen. Warum? Nun, wenn ich einen Dienst abonniere passieren zwei Dinge: mein Vermögen schrumpft jedem Monat um einen kleinen Betrag und ich beziehe eine Leistung. Und genau die Leistung ist – zumindest aus meiner persönlichen Sicht – der Dreh- und Angelpunkt meiner Entscheidung.

Als audiophiler Jazz-Liebhaber geht mir Klangqualität über alles. Hauptsächlich aus diesem Grund habe ich mich mit der Stream-Qualität der einzelnen Dienste auseinandergesetzt. Der Abo-Preis, die Auswahl der Songs oder das Vorhandensein von Social Media Funktionalitäten stelle ich hier hinten an.

Let’s get geeky

Wie hoch die Klangqualität eines Musikstücks ist, wird von zwei Dingen ausgezeichnet: einerseits spielt die Codierung, andererseits die Bandbreite eine wichtige Rolle. Grundsätzlich geht es beim Codieren von Musik darum, die bestmögliche Qualität bei kleinstmöglicher Bandbreiten-Nutzung zu übertragen. Ergo: so viel Qualität wie nötig, so wenig Bandbreite wie möglich. Die Notwendigkeit von Qualität spielt hier ebenfalls eine grosse Rolle. Denn es macht wenig Sinn Signalanteile zu übertragen die das menschliche Gehöhr ohnehin nicht wahrnehmen kann. Vor diesem Hintergrund entwickelte übrigens das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen ab 1982 das MP3 (eig. MPEG-1 Layer III) Format, welches wir heute nur zu gut kennen.

Der Markt kennt viele Formate resp. Codecs. Da wären zu einen verlustbehaftete Audiodatenkompressionen wie MP3, AAC (eig. MPEG-4-Audio), Windows Media Audio oder Vorbis und verlustfreie Formate wie FLAC (Free Lossless Audio Codec) oder ALAC (Apple Lossless Audio Codec). Die Klangqualität sagt aus wie breit das Band zwischen Höhen und Tiefen eines Musikstücks ist. Sie wird normalerweise in kbit/s angegeben. Signalanteile welche über den jeweiligen Grenzen liegen, gehen bei der Audiodatenkompression verloren. Dann fehlen Höhen oder Bässe klingen irgendwie stumpf. Aber die Angabe kbit/s ist nicht ausschliesslich das Mass für guten Klang. Dazu komme ich gleich.

Optischer Vergleich: verlustfrei

Verlustfreies Original-Audio

Optischer Vergleich: verlustbehaftet

Verlustbehaftetes, komprimiertes Audio

Zur Veranschaulichung dient auch eine Autobahn. Die Bandbreite ist die Angabe über die Anzahl der Fahrstreifen. Auf eine Autobahn mit zwei Spuren passen weniger Fahrzeuge (niedrige Bandbreite) als auf eine Autobahn mit sechs Spuren (hohe Bandbreite).

Der Vergleich der Dienste

Die Anbieter Spotify, Apple Music und Google Play Music halten sich bedeckt, was die technischen Details zur Stream-Bandbreite und Codec angeht. Eine längere Recherche ergibt aber folgendes Bild:

  • Spotify: 160 resp. 320 kbit/s (Spotify Premium), Vorbis
  • Apple Music: 256 kbit/s, AAC
  • Google Play Music: 320 kbit/s, MP3

Ist nun bestätigt, dass Apple Music weniger Klangqualität bietet als Spotify und Google Play Music? Werde ich also bei Spotify bleiben um in den höchstmöglichen Genuss von Klang und Qualität zu kommen?

Nein. Die alleinige Angabe eines Werts in kbit/s ist ein reines Marketing-Element. Aber mehr ist hier nicht automatisch besser.

Zuerst: Vorbis ist eine (patent-) freie Alternative zu MP3. AAC zeichnet sich dadurch aus, dass eine vergleichbare Klangqualität bei niedrigerer Bandbreite erreicht wird. Zum Vergleich: ein AAC Audiostream bei 256 kbit/s Bandbreite entspricht ungefähr einem MP3 Audiostream bei ~500 kbit/s (Anmerkung: Standard-MP3 hat eine maximale Bandbreite von 320 kbit/s). Ein Vorbis-Audiostream ist bei 320kbit/s kaum oder gar nicht von einem AAC-Audiostream bei 256 kbit/s zu unterscheiden. Doch an die perfekte Balance zwischen Bandbreite (also Speicher-Nutzung und Datendurchsatz) und wahrnehmbarer Klangqualität kommt Vorbis gegenüber AAC nicht heran.

Um die Autobahn-Analogie noch einmal aufzugreifen: AAC schafft es mit ausgefeilten Algorithmen, trotz weniger Fahrspuren mehr Fahrzeuge auf der Autobahn fahren zu lassen als Vorbis und MP3. Man könnte sich vorstellen, dass auf den Vorbis- und MP3-Autobahnen vermehrt oder ausschliesslich Lastwagen stehen. AAC hingegen schickt Kleinstwagen ins Rennen.

Fazit

Lässt man Preis, Umfang der Mediathek und Social Media Funktionalitäten aussen vor, liegt Apple Music im Bereich Klangqualität weiter vorne als seine zwei Mitbewerber Spotify und Google Play Music. Und das bei geringerer Bandbreiten-Nutzung. Dies merkt man vor allem dann, wenn das Abo des Mobilfunkanbieters keine Flatrate für die Datennutzung beinhaltet. Der Unterschied ist nicht gering: mit einem Audio-Stream von durchschnittlich 256 kbit/s spare ich gegenüber einem Audio-Stream mit durchschnittlich 320 kbit/s ganze 1.68 MB an Datenvolumen pro Song mit einer Länge von 3:30 Minuten.

Apple Music kostet CHF 12.90 pro Monat. Spotify Premium nur 5 Rp. mehr und Google Play Music sogar 95 Rp. weniger. Die Unterschiede sind so klein, dass man die Preise nicht wirklich als starke Argumente anführen kann.

Und auch beim Umfang der Mediathek bieten alle Anbieter für jeden Geschmack eine ganze Menge gute Musik. Neben Klassikern, aktuellen Chart-Hits über Hörspiele sind auch weniger bekannte Interpreten auf allen Plattformen zu hören. Ausserdem bauen die Dienste ihre Angebote ständig aus. Also ist die Mediathek auch nicht wirklich ein schlagkräftiges Argument.

Am Ende bleibt die Kombination aus Preis und Klangqualität. Und da hat Apple Music die Nase vorn.

Anmerkung zum Schluss

Wer qualitativ hochwertige Musik per Stream empfängt, aber minderwertige Lautsprecher oder Kopfhörer zur Wiedergabe nutzt, sollte sich nicht wundern wenn die versprochene Klangqualität nicht spürbar wahrgenommen wird. Die Qualität der Lautsprecher oder Kopfhörer trägt massgeblich zum Erleben von Musik bei. Testberichte zu Lautsprechern oder Kopfhörern haben wir natürlich auch im Köcher.

19 Kommentare

  1. Pepe 2. Juli 2015
    • Ralph Bolliger 2. Juli 2015
      • Pepe 2. Juli 2015
  2. Muhi 2. Juli 2015
  3. freshf 2. Juli 2015
  4. Chris 2. Juli 2015
    • Chris 2. Juli 2015
    • Pepe 2. Juli 2015
      • Chris 2. Juli 2015
        • Pepe 2. Juli 2015
        • Chris 2. Juli 2015
  5. BanditCH 2. Juli 2015
  6. ral9004 3. Juli 2015
    • Pepe 3. Juli 2015
  7. ral9004 3. Juli 2015
  8. Chris 7. Juli 2015
  9. Daniel Schmid 13. Juli 2015
    • Pepe 14. Juli 2015
  10. CM 12. August 2015

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